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Der Spickzettel für M&A-Vorstellungsgespräche: Die wichtigsten Fragen und Antworten

©istockphoto/frender

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Investmentbanken tendieren dazu, in Vorstellungsgesprächen fiese Fragen zu stellen – besonders wenn es um Einstiegspositionen in M&A geht. Wir haben einige beliebte Fragen und die dazu passenden Antworten zusammengestellt:

Wie bewerten Sie ein Unternehmen?

Es gibt fünf gängige Methoden:

1. Die Börsenkapitalisierung (möglichst über die vergangenen 52 Wochen hinweg). Falls wir den Märkten trauen, dann stellt dies einen guten Ansatzpunkt für eine Bewertung dar.

2. Der Discounted Cash Flow oder auch der intrinsische Wert. Dabei geht es darum den aktuellen Wert des in der Zukunft anfallenden Cashflows zu errechnen.

3. Sie schauen sich an, wie die Märkte vergleichbare Unternehmen taxieren, wobei auch Informationen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) berücksichtigt werden können.

4. Sie schauen sich an, wie viel Investoren für vergleichbare Akquisitionen in der jüngsten Vergangenheit auf den Tisch geblättert haben.

5. Sie versuchen den Wert der Assets des Unternehmens zu bestimmen, falls es filetiert und verkauft werden würde.

Falls Sie nur eine von drei Informationen haben könnten: Bilanz, Cashflow oder Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Welche würden Sie wählen?

Darauf gibt es keine richtige Antwort, denn jedes hat seine eigenen Vorteile. Die GuV zeigt die Ertragskraft des Unternehmens, die Entwicklung von Erträgen und Aufwand, die Margen usf. Die Bilanz gibt wieder, über welche Vermögensgegenstände ein Unternehmen tatsächlich verfügt. Ich persönlich würde mich für das Cashflow entscheiden. Denn am Ende des Tages gilt: Bargeld lacht. Ein Unternehmen, das zwar Gewinne erzielt, aber nur sehr wenig Bargeld einnimmt, hat ein ernstes Problem. Denn schließlich werden für die Discounted Cash Flow-Modelle auch die eingehenden Zahlungen und nicht die Erträge berücksichtigt. Der Cashflow erlaubt zudem Rückschlüsse auf Bilanz und GuV.

Wie würde ein gutes Unternehmen für ein Leveraged Buyout (LBO) aussehen?

Es fällt schwer, die Kriterien eines Kandidaten für eine fremdkapitalfinanzierte Übernahme zu bestimmen. Dennoch gibt es einige Punkte, auf die man achten sollte:

–          Von entscheidender Bedeutung ist ein gutes Management: Dabei ist es gleich, ob es neu oder alt ist. Vielmehr muss es motiviert, kompetent und qualifiziert sein sowie über die richtigen Anreizmechanismen verfügen. Falls es sich um ein langbestehendes Management handelt, dann sollte es womöglich über einen Anteil am Unternehmen verfügen, um einen Anreiz für dessen Erfolg zu haben. Falls es sich indes um ein frisch eingesetztes Management handelt, dann müssen sie die richtigen Anreizprogramme entwickeln.

–          Das Cashflow sollte gesund, stetig und vorhersehbar ausfallen, da dies die Beschaffung von Fremdkapital erleichtert.

–          Hohe Zahlungen sollten für den Unternehmenserfolg nicht ausschlaggebend sein.

–          Ein Investor sollte über eine belastbare Exitstrategie in einem überschaubaren Zeitrahmen verfügen. Dies kann im Verkauf des Unternehmens an einen strategischen oder Finanzinvestor oder in einem Börsengang bestehen.

–          Das Unternehmen verfügt über eine Marktnische.

–          Das Unternehmen sollte über stetige Erträge und eine gute Kundenbasis verfügen und nicht allzu sehr von einzelnen Kunden abhängen.

–          Es sollte ein kontinuierliches Wachstum aufweisen, da eine wachsende Profitabilität auch die Rückzahlung des Fremdkapitals erleichtert. Dies ist auch für die Unternehmensbewertung hilfreich, wenn der Investor einen Börsengang anstrebt.

–          Die Mitarbeiter müssen flexibel sein und mitmachen wollen, da die Geschäftsmodelle und die Kapitalverteilung nach einem LBO häufig überarbeitet werden muss.

–          Es dürfen keine Leichen im Keller versteckt sein. Rechtliche oder Umweltrisiken können ein Geschäft schon beeinträchtigen, weil sie eine Refinanzierung erschweren.

–          Die technische Ausstattung des Unternehmens muss auf dem Stand der Zeit sein, um eine Maximum an Effizienz und Profitabilität zu gewährleisten.

–          Dagegen erleichtern stille Rücklagen eine fremdkapitalfinanzierte Übernahme – seien es Immobilien, Lizenzen, Patente, Verträge oder Marken. Denn  diese stillen Reserven lassen sich heben.

–          Das Unternehmen sollte über den Spielraum und Willen zu Kostensenkungen verfügen.

Wieso können zwei Unternehmen unterschiedliche Eigenkapitalkosten aufweisen?

Weil sich ihre Betas unterscheiden. Beta bezeichnet bei einer Aktie, wie anfällig der Wert auf Veränderungen des Gesamtmarktes reagiert. Volatilere Aktien haben ein Beta von über 1, weniger volatile von unter 1.

Bei einer vollständigen Übernahme will eine Aktiengesellschaft mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis eine andere Aktiengesellschaft mit einem höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis kaufen. Worin bestehen die Folgen dieser Transaktion? Was passiert, wenn die Transaktion durch Schulden und Bargeld finanziert wird und warum?

Diese Frage zielt darauf ab, ob eine Übernahme verwässernd wirkt oder nicht. Normalerweise wollen die Unternehmen bei einer Übernahme einen Verwässerungseffekt vermeiden, da dies den Aktionären schadet. Das kombinierte Kurs-Gewinn-Verhältnis beider Unternehmen fällt höher aus als der des Käufers (und geringer als des gekauften Unternehmens). Da jedoch das Unternehmen mit dem ursprünglich geringeren Kurs-Gewinn-Verhältnis mehr Aktien herausgeben muss, als es bei einem Käufer mit einem höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis der Fall wäre, wird der Gewinn pro Aktie des kombinierten Unternehmens geringer ausfallen, womit ein Verwässerungseffekt eintritt.

Üblicherweise weisen Unternehmen mit einer höheren Wachstumsrate und einem größeren Wachstumspotenzial auch ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Das Umgekehrte gilt für Unternehmen mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis. Falls das Unternehmen die Akquisition durch Schulden bzw. Bargeld finanziert, dann müssen weniger neue Aktien emittiert werden und folglich fällt der Verwässerungseffekt geringer aus.

Wenn ein Unternehmen die Bilanz von Lifo (Last in, first out) zu Fifo (First in, first out) in einem inflationären Umfeld wechselt, welche Auswirkungen hat dies auf die Rechnungslegung?

Falls ein Unternehmen die Bewertung von Lagerbeständen von Lifo zu Fifo in einem inflationären Umfeld verändert, dann sinken die Herstellungskosten, da die früher erworbenen Rohwaren billiger erstanden wurden.

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