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Perfekte Antworten auf die beliebtesten Fragen in Vorstellungsgesprächen

Investmentbanken sind dafür berüchtigt, ungewöhnliche Fragen in Vorstellungsgesprächen zu stellen. So kann ein Bewerber schon einmal die höchst interessante Frage hören: „Was kann man mit einer Orange anstellen?“ oder „Wie viele Hochzeiten finden jedes Jahr in Deutschland statt?“

Doch während derartige Fragen vor allem von Fachvorgesetzten in die Runde geworfen werden, neigen die anwesenden HR-Mitarbeiter eher zu Standardfragen. Unten haben wir die gebräuchlichsten Fragen in Vorstellungsgesprächen aufgelistet und wie Sie diese auf möglichst elegante Weise beantworten.

1. Wann wurden Ihre Wertvorstellungen herausgefordert und wie sind Sie damit umgegangen?

Ethische Standards gewinnen bei Banken zunehmend an Bedeutung. Seit UBS-Chef Sergio Ermotti eingestehen musste, dass einige fragwürdige Personen durch das Recruitmentnetz  der Bank geschlüpft sind, haben sich die Banken angestrengt, Soziopathen und Narzisten loszuwerden.

Die wachsende Bedeutung ethischer Einstellungen manifestiert sich in der ebenfalls steigenden Zahl an Fragen, die sich um Werte drehen. „Wir geben Szenarios vor, um zu erfahren, wie die Leute in bestimmten Situationen reagieren würden und ob sie zu unserer Unternehmenskultur und unseren Werten passen“, erläutert der Head of Recruitment einer US-Bank in London. „Wir arbeiten eng zusammen  und wir wollen sehen, dass die Werte der Bewerber zu unseren eigenen passen.“

Eine Personalmanagerin einer britischen Bank bestätigt wiederum,  welche Bedeutung ethische Fragen mittlerweile erhalten. Eine ideale Antwort enthalte einer Anerkennung der vom Unternehmen gepflegten Werte und spielt sie an einem Beispiel aus dem eigenen Berufsleben durch. „Um derartige Fragen zu beantworten, müssen Sie echte Beispiele anführen, die die eigenen Werte der Bank widerspiegeln. Falls Sie das nicht machen, dann haben Sie ein Problem“, sagt die HR-Expertin.

2. Wieso wollen Sie im Investmentbanking arbeiten?

Das Investmentbanking hat während der Krise viel von seinem Glanz verloren. Von daher werden vor allem jüngere Investmentbanker regelmäßig mit der Frage konfrontiert, wieso sie sich für eine Karriere in der umstrittenen Sparte entschieden haben. Kleiner Tipp: Darauf sollten Sie nie antworten, dass Sie wegen des Geldes Investmentbanker geworden sind – selbst wenn dies den Tatsachen entsprechen sollte.

„Im aktuellen Umfeld müssen Berufseinsteiger im Investmentbanking mit der Frage rechnen, wieso sie nicht lieber Ärzte oder Ingenieure werden“, sagt der ehemalige Goldman Sachs-Investmentbanker David Schwartz, der heute als Headhunter an der Wall Street arbeitet. „Die Leute antworten üblicherweise etwas wie: ‚Ich suche die intellektuelle Herausforderung‘“,  sagt Schwartz. „Darauf folgt die Entgegnung, dass sich intellektuelle Herausforderungen auch in anderen Branchen fänden. Dabei geht es darum, ihre wahren Beweggründe herauszufinden.“

Falls Sie in der Investment Banking Division arbeiten, dann sollte die Antwort lauten, dass Sie den größten Unternehmen dabei helfen wollen, ihre strategischen Finanzierungsbedürfnisse zu erfüllen, rät Schwartz. „Das lässt sich bei Hedgefonds und in Private Equity nicht erreichen. Falls Sie mit den wichtisgten Unternehmen der Welt auf einem strategischen Niveau arbeiten wollen, dann müssen Sie schon bei einer der führenden Investmentbanken arbeiten“, erläutert Schwartz.

Falls Sie in einem Vorstellungsgespräch für Sales und Trading sitzen, dann müssen Sie sich von Anbeginn rechtfertigen, wieso Sie für Hedgefonds arbeiten wollen. Sprechen Sie von den Vorteilen für eine Großbank zu arbeiten, die genau beobachtet, was auf den Kapitalmärkten vor sich geht.

3. Wieso haben Sie sich nicht für die Strategieberatung entschieden?

Auch hierbei handelt es sich um eine typische Frage, mit der jüngere Banker konfrontiert werden – vor allem, wenn sie einen MBA mitbringen. Laut Schwartz lautet die korrekte Antwort auf diese Frage, dass Sie sich für Finanzfragen und Bilanzen interessieren und nicht für die strategische Geschäftsführung. „Wenn Sie an strategischer Geschäftsführung interessiert sind, dann gehen Sie zu McKinsey. Wenn Sie an Finanzierungsfragen interessiert sind, dann gehen Sie zu Goldman Sachs“, sagt Schwartz.

4. Wieso wollen Sie Ihren aktuellen Job aufgeben?

Bei dieser Frage handelt es sich um einen Klassiker innerhalb wie außerhalb des Bankings. Denn diese Frage ist für die Personalverantwortlichen der Banken ganz besonders interessant, weil diese sich keine verdorbene Ware aufhalsen wollen – besonders in Zeiten, wenn die Einstellungsbudgets zusammengestrichen werden.

Falls Sie mit dieser Frage konfrontiert werden, dann sollten Sie niemals von Dissonanzen mit Ihrem Vorgesetzten, Problemen bei der alten Firma oder mit Kollegen sprechen, betont Headhunter Logan Naidu von Dartmorth Partnership in London. Die Antwort sollte möglichst der Wahrheit entsprechen, so lange diese drei Punkte ausgespart bleiben.

5. Erzählen Sie von einem misslungenen Deal und was Sie heute besser machen würden

Diese Frage wird gerne langjährigen M&A-Bankern gestellt, um ihre Ehrlichkeit und ihren Willen zu testen, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Schwartz rät zur folgenden Antwort: „Ich habe anderthalb Jahre einen Kunden angerufen und er sagte mir immer, dass keine Deals anstünden. Doch sechs Monate später hat er einen Deal mit einem Wettbewerber durchgezogen. Daraus habe ich gelernt, immer mit einem Kunden im Kontakt zu bleiben, auch wenn er erzählt, dass nichts ansteht.“

6. Welche Deals werden demnächst in Ihrem Sektor stattfinden?

Auch hierbei handelt es sich um eine klassische Frage an einen berufserfahrenen M&A-Banker. „Die besten M&A-Banker arbeiten nicht einen Deal nach dem anderen ab, sondern hinterlassen ihre Marke in ihrem gesamten Sektor“, sagt Schwartz. „So können M&A-Experten mit dem Fachgebiet Medien darüber sprechen, wie sich die Medienlandschaft verändert und durch welche Deals dies erreicht wird.“

7. Wieso wollen Sie für unser Unternehmen arbeiten?

Im Grunde ähnelt eine Investmentbank der anderen. Doch alle wollen uns glauben machen, dass sie etwas Besonderes seien. Bevor Sie in ein Vorstellungsgespräch irgendeiner Bank gehen, sollten Sie sich auf jeden Fall mit den jüngsten Geschäftsergebnissen der Bank vertraut machen. Denn in jedem Statement finden sich Informationen über die Kultur und die Werte des Unternehmens. Außerdem enthalten sie wichtige Ankündigungen der Geschäftsführung. Sie sollten sich darauf vorbereiten, diese Informationen zum Besten zu geben. Denn damit signalisieren Sie, dass Sie tatsächlich für das Unternehmen arbeiten wollen.

8. Worin besteht die größte Herausforderung, wenn Sie für unser Unternehmen arbeiten?

Laut der Hiring-Managerin einer anderen britischen Investmentbank, die namentlich nicht genannt werden möchte, erfreut sich auch diese Frage wachsender Beliebtheit. „Wir wollen damit herausfinden, wie leicht Sie sich integrieren und ob Sie wissen, wie es ist, für uns zu arbeiten“, sagt die Hiring-Managerin.

Die optimale Antwort sollte ehrlich ausfallen und Gebiete identifizieren, wo es zu Problemen kommen könnte. Falls Sie sich auf Gespräche mit Mitarbeiter der Bank beziehen können, dann wird Ihnen das positiv angerechnet. Sie müssen zeigen, dass Sie den hohen Ansprüchen des Unternehmens genügen und sich nicht benehmen wie Lehman Brothers in 2006.

9. Wieso entscheiden sich unsere Kunden für uns?

Dies stellt eine weitere unvermeidliche Frage zur Unternehmenskultur dar. „Mit dieser Frage wollen wir erfahren, ob ein Kandidat tatsächlich versteht, was uns so besonders macht“, sagt ein britischer Recruiter.

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