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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Spitzenbanker achten nur wenig auf politische Korrektheit

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Mittlerweile ist die vierte Woche meines Praktikums angebrochen, auf die ich mich besonders freue, denn sie beinhaltet den Zahltag. Auch wenn es ein wenig oberflächlich klingen mag, handelt es sich doch um den wichtigsten Grund, wieso jemand bei einer Bank arbeitet. Die Bezahlung stellt schließlich den größten Vorzug und das hervorstechendste Merkmal der Londoner City dar.

Den Praktikanten wird das Grundgehalt eines Analysten sowie ein einmaliger Lebenshaltungszuschuss gewährt. Zumindest die Vergütung in Corporate Finance scheint unter den verschiedenen Banken gleich auszufallen und hat sich über die zurückliegenden Jahre nicht verändert. Dennoch handelt es sich um ein großartiges Gehalt für jemanden, der gerade erst seine ersten Gehversuche in der Karriere unternimmt. Das soll aber nicht bedeuten, dass Banker ihr Geld nicht auch verdienen. Sie würden sicherlich darauf hinweisen, dass Sie auch lange genug hierfür arbeiten müssen.

Der zweite Höhepunkt der noch jungen Woche besteht in einer Zwischenevaluierung der Praktikanten. Die Personalabteilung macht hieraus eine überaus komplizierte Angelegenheit. Die Praktikanten müssen einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen und Teammitglieder benennen, die eine Einschätzung über den Fortschritt während des Praktikums abgeben. Dies erzeugt einen scharfen Wettbewerb unter den Praktikanten um das beste Feedback der Teammitglieder. All dies führt letztlich dazu, dass sämtliche Praktikanten ganz besonders daran interessiert sind, die besonders wichtigen Mitarbeiter zu beeindrucken. Ich muss zugeben, dass auch ich von diesem Geist erfasst worden bin, auch wenn ich innerlich davor zurückschrecke. Der intensive Wettbewerb unter den Praktikanten steht tatsächlich im Zentrum des Praktikums.

Dennoch verhalten sich die Führungskräfte der Bank recht vernünftig. Mit wachsender Erfahrung scheinen die Senior Banker milder zu werden. Auch wenn an den Spitzen der Banken immer noch ein unglaublicher Wettbewerb herrscht, liegt der Erfolg doch umso mehr in den eigenen Händen, je weiter oben man sich in einer Bank befindet. Merkwürdigerweise scheint es sich bei den Führungskräften aber ebenfalls um diejenigen Mitarbeiter zu handeln, die am wenigsten politisch korrekt auftreten und so am ehesten den stereotypen Bankerbild entsprechen.

Auch wenn der Umgang mit den Praktikanten in den Teams meistens sehr freundlich, flexibel und annehmlich ausfällt, scheint die Personalabteilung den Wettbewerb unter uns Praktikanten doch anstacheln zu wollen – so unerbittlich dieser bereits ist. Dennoch organisieren Sie das Praktikum sehr sorgfältig. In den vergangenen Wochen wurde ich zu verschiedenen Networkingevents und Präsentationen rund um mein Team, meine Uni und meine Interessen eingeladen. Sie erfüllen auch ihren Zweck: So ist es schön, Leute wiederzuerkennen, wenn man durch die Bank spaziert.  Diese Events dienen aber auch als Ausrede, um für einige Zeit vom Arbeitsplatz zu entkommen.

Die Arbeitsbelastung fiel in dieser Woche für mich und mein Team nicht sonderlich hoch aus. Das Sommerloch scheint sich auch hier langsam bemerkbar zu machen. Die Schulferien haben begonnen und immer mehr Kunden und Kollegen verabschieden sich in den Jahresurlaub.

Doch wenn es ruhig ist, dann wird es auch ganz schnell langweilig. Die Zeit kriecht nur so voran und es wird immer anstrengender, auch nur kleinere Aufgaben zu finden. Vor allem bei den Praktikanten fällt die Personalführung recht locker aus, weshalb die Aufgaben im Team nicht zentral gesteuert und gleichmäßig vergeben werden. Dadurch fällt die Arbeitsbelastung höchst unterschiedlich aus. Manchmal werde ich unter Arbeit begraben, während andere Praktikanten und Analysten ihre Däumchen drehen. Die Analysten geben zwar gern ihre Arbeit weiter; allerdings brauchen sie oftmals genauso lange, die Aufgaben den Praktikanten  zu erklären, wie wenn sie sie selbst bewältigen würden. Die führt jedoch auch dazu, dass Sie uns lieber nichts erklären.

Aus diesem Grund konnte ich die Arbeit vergleichsweise frühzeitig verlassen – manchmal sogar vor Sonnenuntergang. Doch ich hoffe, in der nächsten Woche wieder mehr Aufgaben zu erhalten. Denn umso mehr wir Praktikanten noch von der Sommersonne genießen können, umso weniger Chancen erhalten wir, uns zu beweisen. Am Ende des Tages ziehe ich ein Angebot für eine Einstiegsstelle doch einer gesunden Bräune vor.

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