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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: In meinem Team herrscht Aufbruchsstimmung

intern diary 4

In der dritten Woche meines M&A-Praktikums fühle ich mich endlich in der Bank und in meinem Team angekommen. Mittlerweile stellt sich Routine ein und nicht jeder Tag bringt Überraschungen. Die Tage beginnen zu verschwimmen, was sowohl an der Monotonie meiner Tätigkeiten als auch an den langen Arbeitszeiten liegt. Wenn Deine Freizeit nur noch aus Schlaf besteht, dann kann man die einzelnen Tage kaum noch auseinanderhalten.

Glücklicherweise musste ich am vergangenen Wochenende nicht im Büro erscheinen. Ich hatte tatsächlich Glück, denn die beiden anderen Praktikanten in meinem Team mussten arbeiten. Mir wurde mehrfach erzählt, dass einem ohne ein Wochenende die einzelnen Tage wie Wochen und die Wochen wie Monate vorkommen – sobald man nicht außerhalb des Office abschalten kann.

Und es gibt noch ein weiteres Problem: Wenn man keine Aussicht hat, das Büro frühzeitig zu verlassen, dann gibt es auch keinen Anreiz hart zu arbeiten, um früher gehen zu können. So entsteht ein Teufelskreis, dem M&A-Banker kaum entrinnen können. Derzeit scheinen wir gut zu tun zu haben und die Stimmung ist positiv. Bei einem Meeting zu Beginn der Woche wurde diese Aufbruchsstimmung bestätigt: Es ist schön, wenn sich Selbstbewusstsein in der Bank einstellt. Denn immerhin gibt es auffallend viele leere Arbeitsplätze und Büros, was einen ständig an die besseren Zeiten erinnert. Doch am wichtigsten ist, dass sich mittlerweile die Auffassung durchgesetzt hat – auch in der Personalabteilung –, dass sich die Branche im Aufschwung befindet. Dies bedeutet jedoch auch, dass wir Praktikanten bis spät nachts arbeiten müssen. Allerdings erhalten wir auf diese Weise auch „echte“ Aufgaben. Tatsächlich arbeite ich schon an verschiedenen Projekten mit und durfte sogar schon einige meiner Aufgaben direkt an Kunden versenden. Dabei handelt  es sich um ein Privileg und es stellt sicherlich den bisherigen Höhepunkt meines Praktikums dar.

Während meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass die fachlichen Kompetenzen nicht den schwierigsten Aspekt des Jobs darstellen, denn man kann leicht nach Hilfe fragen – gleich ob man einen Hintergrund in Finance mitbringt oder nicht. Die meisten Mitglieder stellen niedrige Anforderungen an die Fachkenntnisse der Praktikanten. Die meisten Fehler gehen denn auch auf unsaubere Arbeit zurück. So wurde eine der Analysen eines Praktikanten direkt an einen Kunden weitergeleitet. Später stellte der Kunde einige grundlegende Unstimmigkeiten fest. Dem Director, der diese Fehler durchgehen ließ, dürfte der Vorfall recht peinlich gewesen sein. Ich hingegen empfinde ein ungeheures Mitleid für den Praktikanten. Denn der Fehler wurde vor der gesamten Praktikantengruppe ausgebreitet, was seine Chancen auf ein Jobangebot sicherlich deutlich verringert. Auch wenn jeder weiß, dass Fehler vorkommen, solltest nicht Du es sein, dem der Fehler unterlaufen ist.

Im Banking muss man unglaublich schnell und effizient arbeiten. Daher sind mittlerweile auch die Excel-Shortcuts ein Teil von mir selbst geworden. Gleiches gilt für die Design- und Marketing-Richtlinien für Powerpoint-Präsentationen. Mit einem gewaltigen Kaffeekonsum setze ich diese jeden Tag in Unterlagen für die Kundenakquise um. Bevor ich bei der Bank angefangen habe, bereiteten mir diese Richtlinien große Sorgen. Doch ich habe sie rasch intuitiv gelernt, als mir enge Deadlines gesetzt wurden.

In der kommenden Woche stehen mir eine soziale Veranstaltung, eine Reihe von Networking-Events sowie ein erstes Feedback von den leitenden Mitarbeitern bevor. Bislang hat mir das Praktikum sehr gefallen. Auch wenn ich hart arbeiten musste, habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt und großartige Menschen kennengelernt. Bisher scheint es so, als würden sich meine Anstrengungen auszahlen. Der einzige Nachteil ist, dass es kaum Bewegungsspielraum gibt.

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