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Wieso der Einstieg der UBS bei der Commerzbank absurd ist: Stellungnahmen von Branchenexperten

Foto: Julia Schwager, Commerzbank AG

Foto: Julia Schwager, Commerzbank AG

Seit gestern überschlagen sich die Gerüchte bei der Commerzbank. Laut dem Nachrichtenmagazin Fokus wirbt die Bundesregierung für einen Einstieg der Schweizer Großbank UBS bei dem teilverstaatlichten Institut. Dazu habe bereits ein Telefonat zwischen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und dem UBS-Verwaltungsratspräsidenten und ehemaligen Bundesbankchef Axel Weber stattgefunden. Noch verfügt der Bund über ein Aktienpaket von 17 Prozent an der Commerzbank.

Vielsagenderweise unterblieb ein Dementi sowohl von der UBS als auch Schäuble. „Es war stets das Ziel der Bundesregierung, die im Zuge der Finanzmarktkrise gewährten Stabilisierungsmaßnahmen so eng wie möglich zeitlich zu begrenzen. Wann jedoch der verbliebene Aktienanteil des Soffin an der Commerzbank veräußert wird, ist derzeit nicht absehbar“, hieß es von der Bundesregierung lapidar.

Dennoch sollte dies nicht vorschnell als stillschweigende Bestätigung gewertet werden, denn die strategischen Ausrichtungen beider Banken sind grundverschieden. „Ich wüsste nicht einen Grund, wieso die UBS bei der Commerzbank einsteigen sollte“, erläutert Takis Spiliopoulos, Head of Research der Bank Vontobel in Zürich.

So versucht die UBS zur Nummer 1 im weltweiten Wealth Management zu avancieren und ihre führende Position in Teilen des Investmentbankings – wie dem Geschäft mit Aktien – zu verteidigen. Vom Fixed Income-Geschäft will sich die Bank indes weitgehend verabschieden.

Dagegen stellt die Commerzbank im Wealth Management und Investmentbanking selbst in ihrem Heimatmarkt eine vergleichsweise kleine Adresse dar. Das Institut konzentriert sich vielmehr auf die Mittelstandsfinanzierung und das Privatkundengeschäft. An dem Retailgeschäft dürfte laut Spiliopoulos kaum ein Schweizer Haus interessiert sein. Mithin würde mit Commerzbank und UBS zusammenwachsen, was nicht zusammengehört.

Arbeitet die UBS an einer Platzierung der Beteiligung auf dem Kapitalmarkt?

Entsprechend ungläubig fallen die Kommentare aus. So hält die Andreas Venditti, der als Bankenanalyst bei der Zürcher Kantonalbank die UBS beobachtet, die Nachricht für wenig überzeugend und bringt stattdessen eine andere Idee ins Spiel. „Die UBS könnte den Auftrag erhalten, die staatliche Beteiligung am Markt zu platzieren, also nach einem oder mehreren Käufern zu suchen“, sagt Venditti. „Alles andere macht keinen Sinn, weil einfach die Strategien nicht zueinander passen.“

Headhunter Tim Zühlke, der bei Indigo Headhunters in Frankfurt auf Capital Markets spezialisiert ist, sieht dies ganz ähnlich. „Die UBS hat die Commerzbank in vielen Transaktionen beraten. Daher kennt die UBS die Commerzbank sehr gut“, sagt Zühlke. So waren die Schweizer auch an den diversen Kapitalerhöhungen der kriselnden Bank beteiligt. Allerdings zweifelt auch Zühlke am Interesse der Eidgenossen. „Ich sehe nicht, wieso die UBS bei der Commerzbank einsteigen sollte.“

Eine Beteiligung der UBS an der Platzierung des verbleibenden Aktienpakets des Bundes hält auch Spiliopoulos für wahrscheinlicher. Dazu müsste die Bundesregierung jedoch einen deutlichen Abschlag auf den aktuellen Kurs gewähren.

„Einen Käufer für das Ganze lässt sich nur finden, wenn die Bundesregierung weitgehende Garantien für die Bad Bad übernehmen würde“, ergänzt der Analyst. Die Commerzbank hat notleidende Wertpapiere und Geschäftsbereiche – wie die Schiffsfinanzierung – in eine interne Bad Bank ausgelagert, was dem Institut alljährlich horrende Verluste beschert. Infrage kämen allenfalls ausländische Banken mit einem  umfangreichen Retailbanking wie die französischen Großbanken oder der britische Bankenriese HSBC.

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