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DER MBA-BEWERBER: Auch in Harvard wird nur mit Wasser gekocht

Eine Vorlesung der Harvard Business School.

Eine Vorlesung der Harvard Business School.

Unser Gastautor strebt einen MBA an einer der Top-Business Schools in den USA an. Doch die Bewerbung um einen der begehrten Plätze gleicht einem Marathon von 16 Monaten. Auf eFinancialCareers berichtet der MBA-Bewerber von seinen Erfahrungen.

Während meiner Suche nach dem optimalen MBA-Progamm in den USA habe ich mich besonders auf den Besuch der Harvard Business School gefreut. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind. Die Schule hat die Reputation eine der besten, vielleicht sogar DIE beste Uni für einen MBA zu sein. Der Campus ist neu und das hat sich die Uni auch etwas kosten lassen, auf der anderen Seite des Charles River in Boston.

Als ich schließlich das Gebäude von Admissions gefunden hatte (ein kleines verstecktes Häuschen) und meine möglichen Kurse las, da war ich hoch erfreut, einen Kurs über Makroökonomie zu finden. Hierfür interessiere ich mich besonders und war daher sehr gespannt auf die Vorlesung. Abgeholt wurde meine Gruppe aus etwa fünf Gasthörern von einer jungen Dame, die wohl etwas überfordert war. Jeder in unserer Gruppe durfte sich kurz vorstellen, leider wurde ich von unserem Guide einfach vergessen. In die Vorlesung durfte ich dennoch. Schließlich wurden wir kurz mit Namen vorgestellt und mit einem kleinen Applaus begrüßt.

Der Rest der Vorlesung war dann leider weniger überzeugend. Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe schon schlechtere VWL-Vorlesungen besucht, aber in Harvard hätte ich schon etwas mehr erwartet. Das Thema war sehr interessant; es ging um den Aufstieg von Indien und China. Stellenweise fühlte ich mich aber wie in einer Abiturklassen-Diskussion: Alle waren sehr jung und kaum jemand brachte ein wirkliches Verständnis von dem mit, über das er sprach. Man hat häufiger bemerkt, dass viele Studenten etwas sagten, nur weil sie etwas sagen mussten. Der Professor war aber sehr gut.

Etwas enttäuscht war ich auch von dem Gebäude der Harvard Business School. Von außen ist es zwar sehr beeindruckend, doch  im Inneren gibt es schon die ein oder andere Stelle, wo wortwörtlich „die Farbe ab“ ist. Die Einrichtung erinnerte mich stark an mein unbekanntes College, an dem ich meinen Bachelor absolvierte.

Da ich mich sehr für Unternehmertum – neudeutsch „Entrepreneurship“  – interessiere, schaute ich beim Arthur Rock Center vorbei. Doch dort wollte man sich nicht wirklich mit mir unterhalten. Ich wurde auf Website und Flyer verwiesen. Da fragt man sich schon, wofür ich denn persönlich vorbeischaue? Ebenfalls wurde ich explizit darauf hingewiesen, dass ich die Professoren nicht stören solle. Unaufgeforderte Besuche seien unerwünscht. Dies steht im krassen Gegensatz zu meinen guten Erfahrungen bei der University of Chicago.

In Summe würde ich meinen Besuch bei Harvard so zusammenfassen: Eine gewisse latente Arroganz ist vorhanden und man bekommt sie auch gelegentlich zu spüren. Dennoch bin ich der Ansicht, dass man dort sicher eine fundierte Ausbildung erhalten kann. Jedoch hat mich der Besuch wieder etwas auf den Boden der Realität zurückgeholt und ich habe festgestellt, dass Harvard zwar auf meiner Liste bleiben wird, dort aber auch nur mit Wasser gekocht wird.

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Kommentare (1)

Comments
  1. Hi, deinen Eindruck kann ich mich nur anschließen. Ich bin zur Zeit für nen Auslandssemester in Harvard.

    Eine gewisse besondere Atmosphäre kann man der Uni definitiv nicht absprechen. Aber Uni bleibt Uni. Die Gebäude der Business School sind da noch in dem besten Zustand, auf dem central Campus siehts deutlich rustikaler aus.

    Enttäuscht bin ich vor allem von der mageren Ausstattung in der HBS Bibliothek. Es gibt nur sehr wenige Lizencen für die wichtigen Datenbanken (Datastream, SDC …). Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie das bei 1800 Studenten funktioniert.

    Pauel

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