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Wo Banker noch Helden sind

Singapur

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Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Talkshows, der Politik oder am Stammtisch auf Banker eingeschlagen wird. Falls Sie mit dem schlechten Ansehen Ihres Berufstandes Schwierigkeiten haben, dann sollten Sie über einen Umzug nach Singapur oder Honkong nachdenken. Denn anders als in Frankfurt, London oder New York genießen Banker in Asien die Vorzüge ihres Berufes, ohne unter Dauerbeschuss der Medien und der Politik zu stehen. Dabei gibt es gleich mehrere Gründe, wieso Banker in Asien besser dastehen als ihre westlichen Kollegen:

1. Keine Schuld an der Finanzkrise

Anders als in den USA und Europa mussten die Regierungen in Singapur und Hongkong nicht tief in die Taschen der Steuerzahler greifen, um die heimischen Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Die Skandale im asiatischen Bankgeschäft – wie etwa das Desaster um die Minibonds von Lehman Brothers – waren einfach nicht groß genug, um die Öffentlichkeit gegenüber den Bankern aufzubringen. „Es herrscht die Wahrnehmung, dass die Finanzkrise von westlichen und nicht von asiatischen Banken verursacht wurde“, sagt Headhunter Gary Lai von Charterhouse Partnership in Singapur.

2. Immobilienhaie stehen im Zentrum der Kritik

Während in Europa die Banker für die laufenden Sparprogramme verantwortlich gemacht werden, wird eine solche Verbindung in Asien nicht gezogen. „Die Menschen haben in Hongkong weniger mit Sparmaßnahmen als mit den hohen Mietkosten zu kämpfen. Die Leute klagen viel eher über die Immobiliengesellschaften“, erzählt Karriereberater Alex Wong von EntreNet Careers in Honkong.

3. Der Banker als Held

Die einheimischen Banken in Singapur und Hongkong sind durchweg stabil, profitabel und wachstumsorientiert. Sie und ihre Mitarbeiter gelten als nationale Aushängeschilder und nicht als Peinlichkeiten wie die Royal Bank of Scotland in Großbritannien oder die Hypo Real Estate in Deutschland. So belegen die Singapurer Banken OCBC, DBS und UOB im Bloomberg-Ranking der stabilsten Banken der Welt durchweg Spitzenpositionen. „In Hongkong wird HSBC als einheimische Bank betrachtet. Die Leute sind auf ihre Wachstumsgeschichte stolz“, ergänzt Wong.

4. Die Banker benehmen sich besser, sowohl im Privatleben…

Auch asiatische Banker pflegen einen aufwendigen Lebensstil. Doch ihre Vergnügungen außerhalb der Arbeitszeit sind selten anstößig. Anders als ihre Kollegen in London oder New York sorgen Banker selten durch Alkohol- und Drogenexzesse für Schlagzeilen. „Zumindest in der Öffentlichkeit tendieren Banker in Asien dazu, weniger prahlerisch aufzutreten“, betont Emma Boyd vom Frauenverband Financial Womens Association in Singapur. „Die Branche pflegt ein kompetentes, professionelles Image von sich, ohne überheblich zu sein.“

5. … als auch bei der Arbeit

„Sie finden hier nicht so viele faule Äpfel von der Dimension des Londoner Wals“, sagt Wong. „Im Großen und Ganzen ist das Finanzsystem gut reguliert. Wir haben eine Einlagensicherung und zur Not springt die Notenbank ein. Das ist etwas, was die Eurozone dringend benötigt.“

6. In den asiatischen Stadtstaaten wimmelt es nur so von Millionären

Die hohen Vergütungen machen Banker zu einen idealen Hassobjekt in Europa. Dagegen wimmelt es in den beiden asiatischen Stadtstaaten nur so von Millionären. Banker sind also nur eine Gruppe unter vielen. „Banker ziehen keinen besonderen Hass auf sich“, erzählt Karrierecoach Tony Latimer vom Asia Pacific Corporate Coach Institute in Singapur. „Das Geld, das wirklich Neid auf sich zieht, wird von Geschäftsleuten verdient und nicht von angestellten Bankern.“

7. Banker bekommen, was sie verdienen

Die asiatischen Banker stehen im Ruf, nur das Geld zu erhalten, was sie verdienen – so viel dies auch im Einzelnen sein mag. Laut dem Psychologen Daniel Koh vom Insights Mind Center in Singapur handle es sich bei Singapur um eine Meritokratie – einer Gesellschaft, die auf Verdienste gegründet ist. Banker würden als Spezialisten gesehen, die unter Stress stehen und lange arbeiten müssten. „Die Leute verstehen, dass sie dafür auch mehr Geld verdienen“, sagt Koh.

8. Gier ist gut

Für viele Leute stellen Banker geradezu Vorbilder dar. Also gibt es keinen Grund zum Banker-Bashing. „In vielen asiatischen Familien wird gepredigt, dass Geld verdient werden muss und damit wird auch die Idee der Gier gerechtfertigt.“

9. Eine lammfromme Presse

Die Menschen im Westen lesen gierig jede Geschichte über reichlich überbezahlte Banker. „Dagegen dreht sich in Singapur nicht alles um das persönliche Verhalten. Und mit den scharf kontrollierten Medien stehen die Leute an der Spitze der Banken auch nicht so im Fokus der Medien“, sagt Boyd.

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