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INTERVIEW mit der Autorin, die die “schlechtesten Jahre ihres Lebens” bei Goldman Sachs verbrachte

Bethany McLean, Koautorin von “All The Devils Are Here: The Hidden History of the Financial Crisis” und ehemalige Analystin von Goldman Sachs im Interview mit eFinancialCareers. Laut McLean zählten ihre Jahre bei Goldman Sachs zu den schlechtesten ihres Lebens; selbst die Farbe ihrer Haare habe sich verändert. Wir fragen u.a. nach den Gründen.

BethanyMcLean(c)smallGasper

Wie lange haben Sie für Goldman Sachs gearbeitet?

Drei Jahre.

Was haben Sie dort gemacht?

Ich arbeitete als Analystin (Goldman Sachs und andere Investmentbanken stellen Leute direkt von der Hochschule ein, was als zweijähriges Analysten-Programm bekannt ist) im Bereich Fusionen und Übernahmen für zwei Jahre und ich verbrachte ein drittes Jahr damit, für Whitehall Funds zu arbeiten, wobei es sich um das wichtigste Immobiliengeschäft von Goldman Sachs handelte.

Sie haben Ihre Zeit dort als einige der schlechtesten Jahre in Ihrem Leben beschrieben. Das klingt nicht gerade einladend. Wieso war das so?

Obgleich das Zitat korrekt ist, ist es doch ein wenig aus dem Kontext gerissen!

Denn ich habe auch gesagt, dass ich sehr froh bin, dies gemacht zu haben. Goldman Sachs war hart für mich, weil es sich nicht um eine warme und lauschige Unternehmenskultur handelte und es zwang mich, rasch erwachsen zu werden.

Sie lernen nicht nur das Finanzgeschäft, sondern auch wie Sie es anstellen, ein Problem zu lösen, wenn Sie nicht wissen, was Sie eigentlich machen, wie sie sprechen und sich selbst professionell präsentieren, wie Sie mit Einschüchterung zurechtkommen und wie Sie sorgfältig unter Zeitdruck arbeiten und bei zu wenig Schlaf und in einer erbarmungslosen Unternehmenskultur.

Ich bin Goldman Sachs wirklich dankbar, mir diese Lektionen beigebracht zu haben, als ich noch sehr jung war. Dabei handelte es sich um ungeheuer wertvolle Lektionen. Ich möchte diese Jahre indes nicht noch einmal durchmachen und mir ging es wirklich schlecht. Doch ich beklage mein persönliches Unglück, denn ich war während meiner Zeit bei dem Unernehmen selbst noch unreif.

Wie würden Sie die Unternehmenskultur von Goldman Sachs nach Ihrer eigenen Erfahrung dort beschreiben?

Brutal. Ich erinnere mich an jemanden, der mir sagte, dass es nicht akzeptabel sei, im Sommer braun zu sein, weil das heißt, dass Sie nicht hart genug arbeiten. Als Analyst fühlen Sie sich schuldig und ungeschickt, wenn Sie weniger als 100 Stunden in der Woche arbeiten. Dort gab es wenig Toleranz für Fehler und für eine Selbstdarstellung, die nicht in eine sehr eng definierte Form passte.

Was hat Sie dazu gebracht, ins Bankgeschäft zu gehen?

Ich war in Mathe und Englisch spitze und ich wusste nicht, was ich anderes machen sollte!

Spaß beiseite, meine Eltern haben es mir klipp und klar gesagt, dass ich nach dem College zu 100 Prozent auf eigenen Füßen stehen müsse. (Was gut für Sie war.) Ich hatte keine Ahnung, um was es sich bei Investmentbanking handelt, doch es schien mir ein Weg zu sein, meine Mathekenntnisse in der realen Welt zu nutzen.

Was für eine Art Mensch ist Ihrer Erfahrung nach am besten für eine Karriere in M&A geeignet?

Für diese Frage bin ich wahrscheinlich der falsche Ansprechpartner. Die Welt hat sich in den fast 20 Jahren, seit ich bei Goldman Sachs arbeitete, sehr verändert. Ich vermute, dass es dort heute mehr Raum für Vielfalt gibt.

Falls Sie jetzt die Uni abschließen würden, für welche Karriere würden Sie sich entscheiden?

Für Journalismus. Das erwies sich als der perfekte Karriereweg für mich und dafür bin ich sehr dankbar, weil damit für mich viel Glück verbunden war.

Doch ich würde nichts anders machen. Die Arbeit bei Goldman Sachs in diesen drei Jahren war für mich eine unschätzbare Erfahrung und sie hat mich zu einer viel besseren Journalistin gemacht. Wenn Sie so wie ich als College-Absolvent waren, so unerfahren, so naiv und so unsicher über das, was Sie langfristig machen wollen, dann können Sie viel schlechtere Dinge machen als ein Analyst bei einer Investmentbank zu sein. Dabei handelt es sich nicht um verlorene Jahre, gleich was Sie in der Zukunft unternehmen.

Falls Sie in einer Investmentbank arbeiten wollten, welche Bank würden Sie bevorzugen?

Das kann ich nicht beantworten. Denn wiederum hat sich die Welt so sehr verändert. Das Investmentbanking besitzt bei Goldman Sachs nicht die gleiche Bedeutung wie einst. Selbst wenn dies so wäre, wäre ich mir nicht sicher. Goldman Sachs ist die herausragende Investmentbank und als Folge davon bekommen Sie eine Menge zu sehen, wenn Sie dort arbeiten. Doch wenn Sie bei einem kleineren, weniger erfolgreichen Unternehmen arbeiten, dann lernen Sie womöglich, rauflustiger zu sein und das kann eine ebenso gute Lektion darstellen.

Wie wird sich die Personalstärke und die Bezahlung bei den Investmentbanken in den kommenden Jahren entwickeln?

Das hängt vom wirtschaftlichen und besonders vom politischen Umfeld ab und wenn ich solche Fragen beantworten könnte, dann wäre ich ein Seher!

Welchen Rat würden Sie einem jungen Mitarbeiter einer Investmentbank geben, der mit den Arbeitsstunden zu kämpfen hat?

Finde Dich damit ab. Spaß beiseite, Sie stecken viel rein, doch Sie erhalten auch eine Menge zurück – und zwar nicht nur als Bezahlung, sondern auch in der Lebens(lauf)gestaltung, was immer sie auch weiter machen wollen.

Ich denke auch, dass sowohl die Junior- als auch die Senior-Mitarbeiter eine übertriebene Vorstellung davon haben, wie hart sie arbeiten. Ich arbeite als Journalist genauso viele Stunden, wie ich es im Investmentbanking getan habe. Allerdings trifft es zu, dass ich das nach meinem eigenen Zeitplan mache.

Doch viele Leute arbeiten in unserer Gesellschaft ebenso hart wie Banker für eine weitaus geringere Bezahlung. Erzählen Sie den jungen Leuten, Sie sollen mit einem Freund über harte Arbeit sprechen, der als Arzt in einem Krankenhaus arbeitet – und es handelt sich um harte Arbeit, an der Menschenleben hängen und sie bekommen dafür nur Peanuts als Bezahlung!

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