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Fettnäpfchen voraus: Die verbreitetsten Fehler in Schweizer Vorstellungsgesprächen

Bei Vorstellungsgesprächen in der Schweiz lauern ungeahnte Gefahren.

Bei Vorstellungsgesprächen in der Schweiz lauern ungeahnte Gefahren.

Vorstellungsgespräche stellen die entscheidende Hürde vor jedem neuen Job dar. Da die fachliche Qualifikation bereits aus dem Lebenslauf ersichtlich sein sollte, steht im Interview die Persönlichkeit im Vordergrund. Doch so mancher Kandidat zeigt dabei ein Talent, jedes Fettnäpfchen zielsicher anzusteuern.  Wir haben bei Schweizer Headhuntern nachgefragt, was Sie im Arbeitsalltag in Vorstellungsgesprächen erleben und wie Bewerber es geschickter anstellen.

1. Fettnäpfchen: Kandidaten bereiten sich schlecht vor

„Grundsätzlich beobachte ich immer wieder, dass sich Kandidaten viel zu wenig auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten“, warnt Headhunter Mark Dowsett von Stamford Consultants in Zürich. Oftmals würden Bewerber denken, dass eine Vorbereitung von einer halben Stunde genüge, dagegen erwarteten Arbeitgeber eher einen halben Tag. „Wir geben uns schon im Vorfeld viel Mühe und prüfen, wie viel der Kandidat über den Arbeitgeber weiß“, erzählt Dowsett.

„Nicht gut vorbereitet zu sein, ist einer der schwerwiegendsten Fehler, welcher sich einfach vermeiden lässt. Unsere Kandidaten werden entsprechend darauf getrimmt, die Homepage des Kunden sowie den Stellenbeschrieb genau zu studieren“, sagt auch Headhunter Emanuel Kessler von kessler.vogler in Zürich. „Das kann schon ein K.o.-Kriterium sein“, warnt der Experte. Eine gute Vorbereitung werde bereits von Kandidaten auf Junior-Level erwartet. Kessler empfiehlt Kandidaten sich genau zu überlegen, wieso sie sich bei genau diesem Unternehmen bewerben und wieso sie auf die Stelle passen.

„Die Website des Arbeitgebers zu besuchen und die neuesten Nachrichten zu lesen, ist absolut basic und genügt nicht“, betont unterdessen Dowsett. Vielmehr sollten sich Bewerber intensiv einarbeiten und z.B. die Geschäftsberichte des Unternehmens studieren. „Bewerber sollten in der Lage sein, ‚Second Level‘-Fragen zu stellen“, empfiehlt der Headhunter. Dabei handelt es sich um Fragen, die über simple Fakten hinausgehen – wie z.B. zur Strategie – und die von einer eingehenderen Beschäftigung mit dem Unternehmen zeugen.

2. Fettnäpfchen: Ausländische Kandidaten wissen zu wenig über die Schweiz

Ausländer sollten sich bei einem Vorstellungsgespräch auch über die Schweiz informieren, betont Dowsett, der selbst aus England stammt, aber schon seit vielen Jahren in Zürich lebt und fließend Deutsch spricht. Dowsett berichtet von Kandidaten aus London, die meinten, mit ein wenig Schulfranzösisch in der Deutschschweiz (!) zurechtzukommen.

Wer noch nie in der Schweiz war und nur zum Vorstellungsgespräch einfliege, hinterlasse keinen guten Eindruck. Laut Dowsett wollen Arbeitgeber wissen, ob sich ein Kandidat ein längerfristiges Engagement in der Schweiz vorstellen kann oder ob er wieder verschwindet, sobald sich die Krise auf seinem heimischen Arbeitsmarkt gelegt habe.

Ein spezielles Problem stellen auch Lebenshaltungskosten und Umrechnungskurse dar. Dies würde so manchen Kandidaten verleiten, überzogene Gehaltsforderungen zu stellen. Dowsett berichtet von einem Fall, als ein Bewerber aus London mit einem bisherigen Jahresgehalt von 80.000 Pfund, 200.000 Franken verlangt habe. „Manche Leute denken, da liegt Geld auf der Straße. Das kommt auch bei den Schweizer Kunden nicht seriös an.“

3. Fettnäpfchen: Viele Kandidaten wissen zu wenig über sich selbst

Laut Dowsett würden von HR-Abteilungen in vielen Vorstellungsgesprächen häufig die gleichen Fragen gestellt. Entsprechend könne sich jeder Kandidat leicht vorbereiten. Ein Klassiker sei die Frage nach den drei größten Stärken oder Schwächen. „Diese Fragen höre ich seit den Anfängen meiner 20jährigen Karriere“, erzählt der Headhunter. Gerne würden auch hypothetische Fragen gestellt, wie sich ein Kandidat in einer gegebenen Situation verhalte.

Dowsett bestreitet, dass es sich hierbei um sinnlose Fragen handle. Vielmehr würde der Arbeitgeber so mehr über die Persönlichkeit und den Charakter eines Kandidaten erfahren. Allerdings genüge es nicht, Schlagwörter wie „kommunikativ, teamfähig und leistungsorientiert“ aufzulisten. „Bei der Frage nach den Schwächen kann der Kandidat zeigen, wie er mit Schwächen umgeht und wie er sich verbessern kann“, sagt Dowsett. „Es zeugt schon von Selbstvertrauen, wenn man einem Arbeitgeber von seinen Schwächen erzählt.“

Auch Kessler rät Kandidaten dringend, sich über ihre Stärken und Schwächen bewusst zu werden. „Wenn Sie darüber nachgedacht haben, dann sollten Sie diese Fragen leicht beantworten können“, sagt Kessler. Die Fragen würden aber häufig nicht direkt gestellt, sondern mit konkreten Beispielen angesprochen. Im Grunde gehe es darum: „Passt man auf die Position, passt man ins Team und passt man zur Kultur des Unternehmens.“

4. Fettnäpfchen:  Kandidaten über 40 brauchen gelegentlich eine spezielle Vorbereitung

Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich beobachtet, dass vor allem Führungskräfte und Finanzprofis mit langjähriger Berufserfahrung gelegentlich Probleme haben, sich in Vorstellungsgesprächen angemessen zu präsentieren. Mit besonderen Schwierigkeiten hätten Kandidaten zu kämpfen, die vielleicht 20 Jahre bei demselben Arbeitgeber verbracht haben. „Es gibt Kandidaten Mitte 40, die sich neu positionieren wollen. Das fällt oft schwer.“ Derartigen Bewerber hätten naturgemäß wenig Erfahrung mit Vorstellungsgesprächen und würden eine gewisse Angst davor hegen. „Es gibt Kandidaten, die fassen eine 20jährige Berufstätigkeit in fünf Minuten zusammen.“ Surber rät hier zu einer umsichtigen Vorbereitung.

5. Fettnäpfchen: Sich in Widersprüche zu verstricken

„Wenn ein Kandidat sich in Widersprüche verwickelt, kommt das bei dem Arbeitgeber immer schlecht an“, warnt Kessler. Die Bewerber sollten möglichst ehrlich auftreten. Bei Zürich handle es sich um einen kleinen Finanzplatz und man kenne sich. „Wenn dann etwas nicht den Tatsachen entspricht, dann kommt das ganz schnell heraus und man hat seine Chancen verspielt.“

6. Fettnäpfchen: Nicht übertreiben

Bei einem Vorstellungsgespräch handle es sich schon um eine Art „Schönheitswettbewerb“, meint Kessler. „Sicher geht es bei einem Interview auch darum, sich zu verkaufen. Dennoch sollte man es nicht übertreiben, denn dann könne dies ins Negative umschlagen. Der Kandidat wirkt dann nicht mehr authentisch“, betont Kessler.

7. Fettnäpfchen: Unpünktlichkeit

In der Schweiz wird auf Pünktlichkeit großer Wert gelegt. Entsprechend kann man sich mit Unpünktlichkeit bereits um alle Chancen bringen, ohne bei dem Vorstellungsgespräch auch nur den Mund aufgemacht zu haben. „Es gilt die Regel: Keine Minute zu spät und keine 15 Minuten zu früh. Wenn man zwei bis fünf Minuten vor dem Termin eintrifft, ist das optimal“, erläutert Kessler. Besonders jüngere Kandidaten neigten gelegentlich dazu, eine halbe Stunde zu früh zu erscheinen. Auch das gelte es zu vermeiden.

8. Fettnäpfchen: Schlecht vom alten Arbeitgeber zu reden

Einen besonderen Tipp hat Surber parat: „Kandidaten sollten niemals schlecht über ehemalige Arbeitgeber sprechen.“ Das komme in einem Vorstellungsgespräch oft vor, aber selten gut an. „Das sollten Kandidaten in jedem Fall vermeiden.“

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