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Der schleichende Abschied des Schweizer Wealth Managements aus Deutschland: Auch Credit Suisse denkt über Verkauf nach

Ihr Engagement auf dem deutschen Wealth Management-Markt scheinen immer mehr Schweizer Banken zu überdenken. Laut Bloomberg erwägt jetzt auch die Credit Suisse einen Teilverkauf ihres Wealth Managements. Lediglich das Geschäft mit der ultrareichen Klientel solle auch weiterhin bei der zweitgrößten Schweizer Bank verbleiben. Die US-Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf drei Insider, die namentlich nicht genannt werden wollen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Bereits im Dezember hatte die Credit Suisse angekündigt, sich von 150 ihrer noch 500 Beschäftigten trennen und drei Standorte schließen zu wollen. Laut den von Bloomberg zitierten Insidern stehe der Schritt in keinem Zusammenhang mit Ermittlungen deutscher Behörden in Sachen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Credit Suisse wollte sich auf Anfrage nicht zu den Verkaufsplänen äußern.

Schweizer Banken haben deutschen Markt falsch eingeschätzt

Auch die Liechtensteiner LGT Group hatte ihr Deutschlandgeschäft nach der gescheiterten Übernahme der BHF Bank abgestoßen und bei der UBS wurden Stellen gestrichen. Daher ist Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult aus Bad Nauheim bei Frankfurt über die angeblichen Überlegungen der Credit Suisse wenig überrascht. „Als die Schweizer Banken ihr Wealth Management in Deutschland aufgebaut haben, haben sie den Markt falsch eingeschätzt“, sagt Behrens.

Die Schweizer Adressen hätten die Bereitschaft der deutschen Kundschaft zu einem Bankenwechsel überschätzt. Die ständigen Medienberichte über vermeintliche Beihilfen zur Steuerhinterziehung durch Schweizer Banken hätten diesen Effekt nur noch verstärkt. „Der typische Anleger mit einem Anlagevermögen von 1 bis 2 Mio. Euro überlegt es sich zweimal, ob er tatsächlich zu einer Schweizer Bank wechselt“, sagt Behrens. Überdies  sei der deutsche Wealth Management-Markt einfach übersättigt.

Dagegen handle es sich um einen sinnvollen Schritt, wenn Schweizer Banken an ihrem Geschäft mit der ultrareichen Klientel in Deutschland festhalten. „UBS und Credit Suisse sind weltweit aufgestellt und bieten eine umfassende Produktpalette“, sagt Behrens. Ultrareiche Kunden verlangten spezielle Produkte – auch aus dem Investmentbanking – die kleinere Banken oft nur über Kooperationspartner anbieten könnten. „In Deutschland kann dabei mit den Schweizer Großbanken eigentlich nur die Deutsche Bank oder Goldman Sachs mithalten“, ergänzt Behrens.

Schon länger seien die Schweizer Banken auch bei der Einstellung von Client Relationship Managern vorsichtiger. „In der Vergangenheit haben Schweizer Banken oft Kandidaten eingekauft, die die hohen Anforderungen an das Neugeschäft nicht erfüllen konnten“, erzählt Behrens. Daher stelle so manche Schweizer Bank heute nur noch Relationship Manager ein, die mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Kundenbetreuung bei einer Bankadresse mitbringen und deren betreutes Gesamtvermögen mehr als 100 Mio. Euro beträgt.

Über 2000 Jobs bedroht: Brady plant Kosteneinsparung von 750 Mio. Franken

Der Teilverkauf des deutschen Wealth Management könnte mit einem umfassenderen Umbau der Credit Suisse und konzernweiten Kosteneinsparungen zusammenhängen. So hat CS-Chef Brady Dougan erst in dieser Woche bekräftigt, die Effizienz im westeuropäischen Private Banking und Wealth Management-Geschäfts steigern und die Kosten bis Ende 2014 um jährlich 750 Mio Franken senken zu wollen.

Im ersten Quartal hatte die Credit Suisse in der Sparte einen Vorsteuergewinn von 881 Mio. Franken erzielt und 27.000 Mitarbeiter beschäftigt. Allerdings sind in diesen Zahlen auch das Schweizer Filialgeschäft enthalten. Die Aufwands-Ertrags-Quote konnte sich indes mit 72,5 Prozent durchaus sehen lassen.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Anteil des Personals an den Gesamtkosten im Bereich Private Banking und Wealth Management bei 58 Prozent gelegen. Mithin müsste die Bank etwa 435 Mio. Franken bis Ende 2015 beim Personal einsparen. Da die Bank in 2012 für jeden Mitarbeiter durchschnittlich 203.700 Franken springen ließ, würden Bradys Sparpläne rein rechnerisch auf einen Abbau von 2100 Stellen hinauslaufen.

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