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Wie hochbezahlte Londoner Banker in den Schuldensog geraten

Leihhäuser finden sich London an jeder zweiten Straßenecke. Außerdem erfreuen sich sogenannte „Pay day loans-Anbieter“ wie z.B. Wonga großer Beliebtheit. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die ihren Kunden für einen Lohnvorschuss auf den nächsten Zahltag horrende Zinsen abknöpfen. Doch nicht nur ärmere Bevölkerungsschichten versorgen sich auf diesem obskuren Weg mit Bargeld, sondern auch z.T. fürstlich entlohnte Banker.

Das berühmteste Beispiel stellt Skandaltrader Kweku Adoboli dar, der seinem damaligen Arbeitgeber UBS durch unerlaubte Börsengeschäfte einen Milliardenverlust einbrockte. Adoboli bezog ein Jahresgehalt von immerhin 360.000 Pfund. Allerdings verlor er auch 123.000 Pfund seines eigenen Geldes mit Spread Betting. Auch Adoboli kam mit seinem Gehalt nicht aus und wandte sich an Wonga, was im englischen Slang so viel wie „Kohle“ bedeutet.

Ein Wonga-Sprecher zeigte sich gegenüber eFinancialCareers nicht in der Lage anzugeben, wie viel ihrer 1 Mio. britischer Kunden Bankangestellte sind oder mehr als 100.000 Pfund im Jahr verdienen. Er sagte jedoch: „Es würde mich nicht verwundern, wenn es solche gäbe.“

Laut Mark Dempster, einem Suchtspezialist der mit Klienten aus der Londoner City arbeitet, handle es sich bei Adoboli um keinen Einzelfall. „Viele Banker, mit denen ich zu tun habe, weisen eine Verhaltenssucht auf, wozu auch Ausgaben jenseits ihrer Möglichkeiten gehören.“ Dempster berichtet von einem Banker, der spielsüchtig war und jede Mittagspause viel Geld an Glücksspielautomaten ausgab und sich nicht einmal mehr eine U-Bahn-Karte leisten konnte und somit gezwungen war, zu Fuß nachhause zu laufen. „Ich habe schon Banker Mitte 30 gesehen, deren Eltern die Kontrolle über ihre Finanzen übernommen haben, weil sie dabei ein solches Chaos angerichtet haben“, ergänzt Dempster.

Ein Investmentbanker eines europäischen Instituts, der kürzlich seinen Arbeitsplatz aufgegeben hat und namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt, dass viele seiner Kollegen mit sehr großen Schulden zu kämpfen hätten, die sie noch vor 2007 aufgenommen haben. „In 2006 war es für Banken noch ganz normal, das Dreifache eines Jahresgehaltes UND Bonus als Darlehen zu vergeben“, sagt der Ex-Banker. „Viele Leute haben sich dabei völlig mit riesigen Hypotheken übernommen, die sie nicht bedienen können.“

Laut dem Schuldenberater James Falla von Wilmott Turner haben sich in der schlechten alten Zeit viele Banker auch mit Kreditkartenschulden übernommen. „Ich bin schon daran gewöhnt, Banker mit zehn Kreditkarten zu treffen, jede mit einem Minus von 20.000 Pfund“, sagt Falla.

Nachdem die britische Barclays Bank ihre Cashboni auf 100.000 Pfund begrenzt hat, sah sich der Finanzkonzern sogar gezwungen, einigen seiner Angestellten Darlehen zur Verfügung zu stellen, weil diese einfach nicht mehr ihren Lebensstandard bestreiten konnten.  Aus ganz ähnlichen Gründen musste auch Goldman Sachs mehr als 1000 ihrer Mitarbeiter in 2009 Geld leihen, da diese ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten.

Dagegen gehen die heutigen Schuldenprobleme Londoner Banker vor allem auf die hohe alltäglichen Ausgaben und Zinslasten zurück, sagt Karin Peters, die Banker dabei berät, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Die Leute haben sehr hohe Lebenshaltungskosten und diese hängen oft mit Kinderbetreuung zusammen“, erzählt Peters. „Die wirklichen Probleme sind die Kosten für Kindermädchen und Privatschulen. Leute aus dem Banking  bestreiten schließlich hohe Ausgaben für die Kinderbetreuung und als Folge davon weisen ihre Bankkonten jeden Monat ein großes Minus aus.“

Doch nicht alle Londoner Banker haben mit dem gleichen Schicksal zu kämpfen. So erzählt ein ehemaliger Kollege des Skandalbankers Adoboli gegenüber eFinancialCareers, dass viele Leute bei der Schweizer Großbank erstaunt waren, dass Adoboli so hoch verschuldet war. „Das war bei mir und den meisten anderen Leuten sicherlich nicht der Fall“, sagt der ehemalige Kollege.

Laut Frances Walker, der Sprecherin der Schuldenberatung StepChange müssen 70 Prozent ihrer Klienten mit einem Jahresgehalt von weniger als 20.000 Pfund auskommen und der Anteil von Klienten mit einem Gehalt von über 100.000 Pfund sei so gering, dass er auf ihren Charts nicht einmal auffalle.

Ein früherer Managing Director einer Bank zeigte gegenüber eFinancialCareers kein Verständnis für überschuldete Bankmitarbeiter. Diese seien an ihrer Situation allein schuld. „Mich hat schon immer überrascht, was für einen hohen Lebensstandard so manche Banker pflegen. Die Leute haben gelebt, als ob es kein Morgen gäbe. Wenn Sie nicht von einem Jahresgehalt von 200.000 Pfund leben können, was sagt dies über Sie selbst aus?“, fragt sich der Ex-Banker.

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