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Mit welchen Tricks Kandidaten ihre Lebensläufe aufhübschen

Nicht alles ist so, wie es erscheint.

Nicht alles ist so, wie es erscheint.

Lebenslauf und Anschreiben stellen so ziemlich die einzige Chance dar, sich einem potenziellen Arbeitgeber zu verkaufen. Dabei gibt es eine feine Grenze zwischen Aufhübschung des Lebenslaufes und offener Lügen. Dennoch versuchen Bewerber immer wieder die Möglichkeiten der Lebenslaufkosmetik möglichst auszuschöpfen. So kommt eine Untersuchung von HireRight, einem Unternehmen für Lebenslauf-Screening, zu dem Ergebnis, dass sich in fast 60 Prozent aller untersuchten Lebensläufe aus dem ersten Quartal 2013 wenigstens eine dubiose Angabe findet.

Die meisten Karrierecoaches halten es jedoch für reichlich kontraproduktiv, in seinem Lebenslauf zu lügen. Denn die Gefahr dabei ertappt zu werden, ist einfach zu hoch. Dies bringt die Kandidaten allerdings nicht davon ab, es dennoch zu versuchen. Wir haben einige der verbreitetsten und der dreistesten Versuche zusammengestellt:

1. Wie Bewerber ihre Studienabschlüsse frisieren

Am häufigsten versuchen die Kandidaten ihre Ausbildung in hellerem Licht erstrahlen zu lassen. So wird zum Beispiel rasch aus einer Abschlussnote von 2,5 ein „gut“. Häufig komme es auch vor, dass Bewerber sich mit Qualifikationen schmücken, die sie niemals wirklich erlangt haben. Nur weil jemand einen MBA an der Harvard oder London Business School aufgenommen hat, gibt  ihm das noch lange nicht das Recht, diesen Titel im Lebenslauf zu führen, denn dies setzt tatsächlich einen Abschluss voraus. Viele Leute tarnen dies, indem sie derartiges als „Ausbildung“ und nicht als „Abschlüsse“ kennzeichnen.

„Ich rufe immer die Stipendienvergabestellen von Universitäten an, um die Abschlüsse ihrer Kandidaten herauszubekommen und es ist erstaunlich, wie viele Unternehmen derartige Angaben zu Qualifikationen einfach so akzeptieren“, sagt Karrierecoach Jeremy L’Anson, der mit Investmentbankern zusammenarbeitet. „Halbfertige MBAs sind überraschend weit verbreitet.“

Von einem besonders interessanten Fall berichtet ein Managing Director vom Personalberatungsunternehmen People Risk Solutions. Er hat seinen Arbeitgebern erzählt, er habe ein „gut“ von einer Top-Universität, während er tatsächlich nur ein „befriedigend“ hatte.

„Er hat wohl einen Freund überzeugen können, ein gefälschtes Studienzeugnis für ihn zu erstellen und hat dieses jahrelang verwendet, ohne dass es jemand in Frage gestellt hat“, erzählt der Managing Director.

2. Wie Lücken im Lebenslauf aufgefüllt werden

Kandidaten tendieren dazu, bei Lücken im Lebenslauf zu schummeln, um auf einen potenziellen Arbeitgeber attraktiver zu wirken. Dies hält Victoria McLean vom Karrierecoaching-Unternehmen City CV für sinnlos, denn diese ließen sich oft leicht erkennen. Überdies gebe es aufgrund des umfassenden Stellenabbaus in der Branche unzählige Leute, die von längerer Arbeitslosigkeit betroffen sind. Daher sei es am sinnvollsten, dies offen zu sagen. Dennoch versuchen viele Leute nach längerfristiger Arbeitslosigkeit etwas Sinnvolles anzugeben, womit sie diese Zeit verbracht haben. „Die Leute geben immer an, im Consulting tätig gewesen zu sein, auch wenn sie tatsächlich etwas weniger glamouröses gemacht haben“, sagt McLean. „Ein Kandidat hat einem Freund dabei geholfen, einen eBay-Laden aufzumachen. Er gab aber an, ihn zwölf Monate als Consultant beim Betrieb seines Unternehmens beraten zu haben.“

Doch auch nach längerer Arbeitslosigkeit scheint so mancher Kandidat seinen Sinn für Humor nicht verloren zu haben. So berichtet ein Recruiter von einem Bewerber, der sich tatsächlich als „Head of gardening“ bezeichnete.

Steve Girdling von HireRight erzählt von einem Kandidaten, der angegeben hat, sechs Monate für eine Bank in Südamerika gearbeitet zu haben. Doch dort wusste mach nichts davon. Stattdessen war er in dieser Zeit einfach durch Südamerika gereist.

3. Die Verschönerung des eigenen Abgangs

Die Zeiten sind längst vorbei, als Kandidaten nach längerer Arbeitslosigkeit geradezu stigmatisiert waren. Denn seinerzeit wurden vor allem Mitarbeiter mit einer schwachen Performance vor die Tür gesetzt. Dennoch ist es auch heute noch hilfreich, wenn Sie sich eine kluge Antwortstrategie für einen womöglich unfreiwilligen Abgang bereitlegen.

Girdling berichtet von einem Kandidaten, der angab, dass die Boutique, bei der er beschäftigt war, ihren Geschäftsbetrieb eingestellt habe. Doch als HireRight der Sache nachging, stellten sie ganz schnell fest, dass das Unternehmen sehr wohl weiterlief. Vielmehr war der betreffende Mitarbeiter aufgrund eines Diebstahls und groben Missverhaltens vor die Tür gesetzt worden.

Zu einem noch erstaunlicheren Ergebnis kam laut Girdling die Nachfrage bei einem anderen Arbeitgeber. „Der Mitarbeiter hat unser Unternehmen verlassen, weil er ein Rockkonzert für wichtiger hielt“, erzählte die Referenzadresse bei dem ehemaligen Arbeitgeber.

4. Der verzweifelte Versuch, interessant zu erscheinen

Der Abschnitt „Interessen und Hobbies“ in einem Lebenslauf gibt vor allem interessante Einblicke, ob ein Mitarbeiter zur Unternehmenskultur passt oder nicht. So stellen Banken immer häufiger Leistungssportler ein, obgleich diese wenig oder sogar keine einschlägige Berufserfahrung mitbringen. Allerdings sind Interessen wie Lesen oder Filme anschauen kaum vorteilhaft. Laut L’Anson kontrollieren Arbeitgeber derartige Angaben nicht besonders sorgfältig, dennoch handle es sich um Angaben, mit denen Kandidaten Interesse auf sich lenken könnten.

„Falls Sie in einer risikobehafteten Position arbeiten, dann geben manche Kandidaten gerne Extremsportarten an, weil diese für einen Sinn für Abenteuer, Teamfähigkeit und Ausdauer sprechen“, sagt McLean. „Motorsport, Fußball, Schifahren usf. sind gewöhnlich. Falls Sie hierbei lügen, dann kommt dies oftmals noch während des Vorstellungsgespräches oder etwas später heraus.“

Ein Karrierecoach erzählt von einem Kandidaten, der sich als erfahrenen Schifahrer bezeichnete und daher die Bank bei einem Schievent vertreten sollte. Seine Leistung fiel dabei indes beschämend aus. Auch wenn dies noch keine akute Bedrohung für den eigenen Job darstellt, hinterlässt dies doch bei Vorgesetzen und Kollegen einen faden Beigeschmack.

5. Die Protzerei mit Schlagwörtern

Um auch die Vorsortierung der Bewerbungen durch unerfahrenes Personal oder IT-Programme zu überstehen, füllen viele Kandidaten ihren Lebenslauf mit diversen Schlagwörtern auf.  Doch viele Kandidaten scheitern anschließend daran, diese Angaben ausreichend belegen zu können.

Laut McLean gibt es immer einen Punkt, ab dem es einfach zu viel des Guten sei. „Eine Kandidatin hat Agile, Scrum, Waterfall, SixSigma in ihren Lebenslauf geschrieben. Bei  der genaueren Nachfrage kam heraus, dass sie bei den meisten dieser IT-Kompetenzen wenig oder gar keine Erfahrung hatte. Seine Kompetenzen aufzuhübschen, bringt Sie durch die erste Runde, aber es wird später herauskommen und einen schlechten Eindruck hinterlassen.“

6. Arbeitserfahrung kann sehr unterschiedlich dargestellt werden

Einsteiger ins Investmentbanking müssen schon einen harten Konkurrenzkampf überstehen. Jeder potenzielle Analyst muss mindestens ein einschlägiges Praktikum, am besten sogar zwei mitbringen, und darüber hinaus auch noch mit exzellenten Studienergebnissen und außeruniversitären Aktivitäten glänzen können. Kein Wunder, dass sich manche Berufseinsteiger gezwungen sehen, die eine oder andere kosmetische Korrektur an ihren Lebensläufen vorzunehmen.

Girdling berichtet von einem Fall, als der Kandidat dies auf die Spitze trieb. Demnach hat ein Bewerber um eine Associate-Stelle angegeben, bereits drei Jahre bei einer Investmentbank gearbeitet zu haben. Doch bei genauerer Nachfrage ließ sich von der Bank keine Bestätigung hierfür erhalten.

„Er rief uns an und war verärgert, dass wir dies bei einem potenziellen Arbeitgeber angesprochen haben. Schließlich kam heraus, dass er ein Freund des ehemaligen Vice President war und ihm nur zwei Tage über die Schulter geschaut hatte“, erzählt Girdling.

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