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Wie skrupellose Londoner Banker mit alleinstehenden Müttern ein gutes Geschäft machen

Geradezu eine Goldmine (Foto: Wikipedia)

Geradezu eine Goldmine (Foto: Wikipedia)

In schwierigen Zeiten muss man sich etwas einfallen lassen, um seinen hart erarbeiteten Bonus gewinnbringend anzulegen. Dies muss sich wohl auch ein Londoner Trader gedacht haben. „Wir verdanken ihm viel“, sagt ein ehemaliger Kollege über ihn, der mittlerweile bei einem Hedgefonds arbeitet und anonym bleiben möchte. „Er hat die vergangenen fünf Jahre damit verbracht, ein großes Wohnungsportfolio zu erwerben, das er nur an junge, fruchtbare Frauen vermietet. Er hat mittlerweile 25 davon. Es hat sich als sehr gutes Investment herausgestellt.“

Dabei investieren Banker schon lange ihren Bonus in den Londoner Immobilienmarkt. Analyst Lucian Cook vom Immobilienunternehmen Savills rechnet, dass 23 Mrd. Pfund an Boni aus den Finanzdienstleistungen im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts in den Londoner Immobilienmarkt geflossen sind. Doch seitdem sich immer weniger Menschen die eigenen vier Wände leisten können, leiten sie ihren Bonus derzeit eher in Mietwohnungen um. „In den vergangenen Jahren haben wir ein Wachstum bei der Zahl der Banker beobachtet, die ihren Bonus in Mietobjekte investieren“, erzählt Immobilienmaklerin Lucy Morton WA Ellis in London Kensington und Chelsea. „Ich denke, Sie halten eine Investition in Steine und Beton für sicherer, was schon ein wenig grotesk ist“, sagt Morton.

Laut Morton investieren die meisten Banker, mit denen sie zu tun hat, in Mietwohnungen für Expats – also in Wohnungen, die von anderen Leuten aus den Finanzdienstleistungen angemietet werden. Auch Investmentmakler Tim Hyatt von Knight Frank bestätigt, dass junge Expats zu seinen besten Mietern zählen. „Unsere wichtigsten Mieter sind Leute aus Kontinentaleuropa in Berufseinstiegspositionen oder mit zeitlich auf sechs bis 24 Monate befristeten Arbeitsverträgen“, sagt Hyatt. „Sicherlich verlieren einige von ihnen ihren Job. Aber wenn Sie das richtige Produkt anbieten – im neutralen Stil und mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel – dann findet sich immer ein anderer Mieter, der an seine Stelle tritt.“

An junge Berufstätige zu vermieten, mag eine gute Sache darstellen, allerdings müssen Sie auch einen große Anzahlung mitbringen. Laut Morton müssen die Eigentümer für Objekte in Fulhann oder Kensington durchschnittlich 275.000 Pfund als Anzahlung mitbringen. Nach Hyatt handelt es sich bei dem Ostlondoner Stadtteil Battersea um das neue Wachstumsgebiet. Dabei müssen Investoren mit einer Anzahlung von 20 bis 30 Prozent rechnen, was dort immerhin die Kleinigkeit von 200.000 Pfund und mehr betragen kann.

Im Vergleich dazu weist die Vermietung an jünger Mütter geringere Eintrittsbarrieren und sicherer Einnahmen auf. So erzählt der Immobilienvermittler Aki Ellahi von DSS Move, der Wohnungen an Leute vermittelt, die das englische Wohngeld „Gouvernment housing benefit“ erhalten, dass das Sozialsystem ein sicheres Wohngeld für alleinlebende Mütter garantiert, so lange das Kind noch keine fünf Jahre alt ist. „Aus der Sicht eines Immobilieneigentümers handelt es sich um eine sehr lange Zeit“, betont Ellahi. Und eine junge Mutter, die im Abstand einiger Jahre mehrere Kinder bekommt, kann für viele Jahre eine sichere Einnahmequelle sein.

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