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Wenn eine Investmentbanking-Karriere in der Sackgasse endet

Damit die Botschaft auch klar ist.

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Eine 40-Stunden-Woche ist im Investmentbanking unbekannt. Ein Junior-Investmentbanker klagt gegenüber eFinancialCareers, dass er die 40 Stunden bereits am Dienstag oder vielleicht noch am Mittwoch hinter sich habe. „Ich erreiche die 40 Stunden normalerweise bereits am späten Dienstagabend“, behauptet der Investmentbanker. „Ich arbeite 15 bis 17 Stunden am Tag, vielleicht ist Dienstag also doch übertrieben. Aber wenn Sie die Wochenenden dazurechnen, dann arbeite ich 80 bis 90 Stunden in der Woche und ich konnte in den beiden vergangenen Jahren keinen Sommerurlaub nehmen, weil wir Transaktionen durchgeführt haben.“

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass viele Junior-Investmentbanker schlicht ausbrennen oder einfach die Branche verlassen. Doch selbst diejenigen, die der Branche treu bleiben, sind mit enttäuschenden Aufstiegschancen konfrontiert – ganz besonders im M&A-Geschäft der Großbanken.

Juniorbanker kämpfen mit langen Arbeitszeiten und einer unsicheren Zukunft

In der Vergangenheit haben Nachwuchs-Investmentbanker die langen Arbeitszeiten auf sich genommen, um irgendwann einmal selbst zum Managing Director oder zumindest zum Vice President mit Kundenkontakt aufzusteigen. Dabei haben führende Investmentbanken wie Credit Suisse, Morgan Stanley, Barclays und Nomura in den vergangenen Jahren ihr Führungspersonal überproportional zusammengestrichen. Goldman Sachs hat wiederum den Aufstieg von mittleren Hierarchieebenen erschwert.

Laut Lee Thacker vom Recruitmentunternehmen Silvermine Partners haben Investmentbanken in der jüngsten Vergangenheit ihre Organisationsstruktur überarbeitet. Früher habe es diverse Führungskräfte gegeben, die bestimmte Produkte an die Kunden verkauft hätten. Dagegen gebe es heute oftmals nur noch ein oder zwei Führungskräfte, die aus einer Hand unterschiedliche Produkte verkaufen. „Die Banken nutzen einen Kontakt, um Produkte aus ECM, DCM, M&A sowie Darlehen an Kunden zu verkaufen. Die besten Banker versuchen, sich auf eine solche Stelle weiterzuentwickeln“, ergänzt Thacker. Auf diese Weise gebe es immer weniger Führungspositionen. „Die Pyramide ist steiler geworden“, betont der Recruiter.

M&A-Banker haben es besonders schwer

Dabei ist dieser Cross-Selling-Ansatz nicht wirklich neu. Neu ist dagegen, dass der Status der M&A-Banker innerhalb dieses Ansatz gefallen ist. So wird es für M&A-Banker immer schwieriger, an die Spitze der Pyramide zu gelangen.

„Falls Sie in M&A arbeiten, dann hängt Ihr Einfluss von den Gebühren ab, die Sie im Vergleich zu den Kollegen aus Debt Capital Markets (DCM) und Equity Capital Markets (ECM) erwirtschaften“, sagt ein ehemaliger Head of M&A einer internationalen Bank, der namentlich ungenannt bleiben möchte. „Wenn die Gebühren von DCM und Darlehen höher ausfallen als aus dem M&A-Beratungsgeschäft, dann buttern die DCM-Banker die M&A-Banker unter.“

Doch es gibt auch Ausnahmen. So stammt der neue Investmentbanking-Chef der UBS Andrea Orcel aus dem M&A-Geschäft. Dennoch gibt es weitere Indizien, dass die M&A-Spezialisten auch in Zukunft zu den Verlierern zählen dürften. So haben Goldman Sachs-Analysten ermittelt, dass die M&A-Gebühren zunehmend unter Druck geraten, während sich Erträge aus dem Underwriting als vergleichsweise robust erweisen.

Banker aus dem DCM-Geschäft bekommen stattdessen die Top-Jobs

Dieser Erfolg der DCM-Banker bedeutet, dass sie immer häufiger an die Spitze der Multi-Product-Teams gelangen, erläutert Thacker. „Die Leute denken, dass die M&A-Banker nur Zugang zu einem Teil des Geschäfts bieten, während die Banker aus ECM und DCM Zugang zu den beiden anderen Bereichen böten“, sagt Thacker. „Überdies waren die DCM-Banker in den zurückliegenden Jahren besser beschäftigt als die M&A-Banker und konnten bessere Kundenbeziehungen aufbauen.“

Was ausgebrannte M&A-Banker unternehmen können

Doch was können M&A-Banker unternehmen, die zwischen ultralangen Arbeitszeiten und prekären Karriereaussichten gefangen sind? Die meisten jüngeren M&A-Banker wollen indes eines Tages ins Corporate Development von Unternehmen wechseln und damit das Bankgeschäft verlassen. Abgesehen davon können junge M&A-Banker zu Boutiquen wechseln. So konnte beispielsweise die vergleichsweise kleine Investmentbank Lazard von 2003 bis Anfang 2013 ihren Marktanteil von 7 auf 16 Prozent steigern.

Der ehemalige Head of M&A empfiehlt Nachwuchsbankern, zunächst die gute Ausbildung im M&A-Geschäft der Großbanken mitzunehmen und anschließend zu einer Boutique zu wechseln. „Die Arbeit in einer integrierten Investmentbank ermöglicht Ihnen den Zugang zu Kunden, die Sie ansonsten kaum treffen würden“, ergänzt der ehemalige M&A-Banker. „Doch wenn Sie zu lange bleiben, dann werden Sie von den DCM-Banker untergebuttert, die die Gebühren hereinbringen.“

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