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Ab in die Wüste: Wieso Investmentbanker an Ultra-Marathons teilnehmen

Eine optimale Gegend für einen Ultra-Marathon.

Eine optimale Gegend für einen Ultra-Marathon.

Im Investmentbanking zu arbeiten, ist nicht immer der Gesundheit zuträglich. Lange Arbeitszeiten, Stress, sitzende Tätigkeiten und die – angebliche –  Neigung zu Alkohol- und Drogenmissbrauch: Die Branche steht im Ruf, die körperliche und mentale Gesundheit zu ruinieren. Doch die Herausforderungen des Arbeitslebens scheinen so manchem noch nicht auszureichen; einige Investmentbanker nehmen sogar an Ultra-Marathons teil.

Veranstaltungen wie Iron Man oder Ultra-Marathons, bei denen hunderte von Kilometern durch unwegsames Terrain wie Dschungel oder Wüsten zurückgelegt werden, erfreuen sich bei Finanzprofis unglaublicher Beliebtheit. „Ich habe drei Ultra-Marathons durch die Wüste absolviert, den Marathon Des Sables zweimal beendet, bin durch die Wüsten Gobi, Namid und Atacama sowie durch den Amazonasdschungel gelaufen“, erzählt Ian Shephard, der als Global Head of Trade Asset Management in London arbeitet. „Es gibt zwei dominante Menschenschläge bei diesen Veranstaltungen: ehemalige Militärs und Finanzprofis.“

Laut der Veranstalterin des UVU Jungle Marathons Shirley Thompson stammten in den zurückliegenden acht Jahren 30 Prozent der Teilnehmer aus den Finanzdienstleistungen. Bei dem Marathon müssen 254 Kilometer durch den Dschungel des Amazonas zurückgelegt werden. Mary Gadams nennt ähnliche Zahlen. Die ehemalige Investmentbankerin hat an 50 solcher Veranstaltungen teilgenommen und ist heute Geschäftsführerin von Racing the Planet, das solche Events in vier Wüsten veranstaltet. Colin Geddes, ehemaliger Managing Director der Deutschen Bank, organisiert wiederum den Grand to Grand Ultra, bei dem 268 Kilometer zwischen dem Grand Canyon nach Las Vegas zurückgelegt werden müssen. Laut Geddes stammte rund ein Fünftel der Teilnehmer in den beiden zurückliegenden Jahren aus den Finanzdienstleistungen. Einer davon war der 62jährige ehemalige Chairman von Merrill Lynch für Asien/Pazifik Peter Clarke.

„Eine Menge der Leute, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen, sind gutbetuchte Investmentbanker, Partner in Anwaltskanzleien, Geschäftsführer und Unternehmer“, erzählt Geddes. „Dabei handelt es sich um Alpha-Persönlichkeiten, die bis an ihre körperlichen und mentalen Grenzen gehen, und in der Lage sind, die Kosten für Teilnahmegebühren, die Ausrüstung und die Reisekosten zu tragen.“

Denn an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen, ist nicht ganz billig. Das Grand to Grand-Event kostet 3200 US-Dollar und für den Marathon Des Sables werden rund 3500 Euro fällig. Die Teilnehmer müssen darüber hinaus auch die erklecklichen Reisekosten zu den teilweise recht exotischen Zielen und die Spezialausrüstung aus besonders leichtem Material bestreiten.

Dennoch ist Gadams überzeugt, dass es auch darum geht, sich vom Druck des Alltags zu befreien. „Die Events sind mental äußerst anspruchsvoll. Dennoch reizt es die Banker, zurück zur Natur zu kommen, wo jeden Tag nur wenige Entscheidungen gefällt werden müssen. Viele kommen zu solchen Veranstaltungen, weil sie meinen, damit ihre Zeit selbst bestimmen zu können, auch wenn es darum geht zu überleben und von einem Checkpoint zum nächsten zu gelangen.“

Falls Sie versuchen sollten, während solcher Events mit ihrem Büro in Verbindung zu treten, dann können Sie das vergessen. Denn Smartphones sind tabu. „Wir erlauben keine Handys oder andere Geräte außer im Notfall.“

Wie die richtige Vorbereitung aussieht

Falls Sie an einem gewöhnlichen Marathon teilnehmen, dann besteht zumindest die Chance, dass Sie ihn auch ohne angemessene Vorbereitung bewältigen. Doch bei einem Ultra-Marathon ist eine intensive Vorbereitung unerlässlich. Laut Geddes seien sowohl Krafttraining als auch das Laufen mehrerer hundert Kilometer pro Woche mit einem neun Kilo schweren Rucksack entscheidend für den Erfolg. Dies stellt keine Kleinigkeit dar, wenn Sie 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten.

Dick Doggett betreibt heute das Unternehmen KD Ventures. Doch als sich Doggett in 2008 mit fünf anderen Bankern zum  Iron Man anmeldete, arbeitete er noch bei der französisch-amerikanischen Investmentbank Lazard. „Wir haben 18 Stunden die Woche trainiert und haben alles in einer Exceltabelle festgehalten.“ Doggett will im September an der Thames Path Challenge teilnehmen, wobei 100 Kilometer entlang der Themse gelaufen wird.

„Ich steige aus den Pendlerzügen einige Stationen früher aus und laufe abends nachhause, versuche niemals am Wochenende im Bett liegen zu bleiben und statt unproduktiver Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen trainiere ich, damit ich vorbereitet bin“, ergänzt Shephard.

Laut Gadam bereiten sich die Leute, die sich anmelden, auch angemessen vor: „Es gibt jetzt so viel gute Ausrüstung auf dem Markt, dass die Chancen das Event zu beenden hoch sind, wenn Sie die Basisvoraussetzungen mitbringen. Blasen sind der Hauptgrund, wieso die Leute nicht bis ins Ziel gelangen. Insgesamt liegt die Erfolgsquote bei 80 bis 90 Prozent.“

Anzeichen für eine Midlife-Crisis?

Nicht nur die körperliche Fitness ist bei einem solchen Event gefragt. Sie benötigen mentale Stärke, um ein solches Event zu absolvieren. Daher sind die Teilnehmer oftmals auch ein wenig reifer. „Ab Mitte 30 sind die Leute normalerweise mental stärker. Wir haben schon jüngere Leute aus den Finanzdienstleistungen gesehen, die einfach nicht mit den Anforderungen eines Ultra-Marathons zurechtkamen“, erzählt Geddes. „Die Leute suchen nach einer neuen Herausforderung oder fügen es einfach noch der Liste zu, was sie noch machen wollen.“

Gadam zog einfach ihre Leidenschaft ihrer Bankkariere vor. „Ich habe immer schon Outdoor-Aktivitäten und Sport geliebt, habe an mehr als 50 Marathons, Ultra-Marathons und mehrtägigen Laufveranstaltungen teilgenommen. Als ich etwa 30 und Vice President bei einer Investmentbank war, habe ich einfach alle meine Sachen eingelagert und habe rund um den Globus Sprachen studiert: Chinesisch, Spanisch und Französisch.“

Shephard ist jetzt Mitte 40 und hat erst seit seinem 30. Lebensjahr langsam Marathons gegen noch extremere Ausdauersportarten ausgetauscht. „Mir hat es schon genug Angst eingejagt, für einen normalen Marathon zu trainieren, aber die Aussicht auf ein 250 Kilometer-Lauf zwingt Sie dazu, sich gut vorzubereiten“, ergänzt Shephard.

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