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10 Jahre ETFs in Europa: Spezialisten heiß begehrt

Der 11. April 2000 machte europäische Börsengeschichte – und kaum jemand erkannte dies. Denn damals standen die Börsianer im Banne der New Economy mit ihren scheinbar mühelosen Kursgewinnen. An diesem denkwürdigen Tag wurden erstmals auf dem alten Kontinent Indexfonds auf den Eurostoxx und den Stoxx 50 gehandelt.

Diese Exchange Traded Funds (ETF) versuchen eine Aktienindex möglichst 1:1 nachzubilden. Eine Überrendite, im Branchenjargon Alpha genannt, kann somit gar nicht erzielt werden. Da jedoch in den zurückliegenden Jahren die Zweifel an der Überrendite aktiv gemanagter Fonds massiv wuchsen, stürzten sich immer mehr Anleger auf die ETF.

Rasant wachsendes Anlagevolumen

Mittlerweile werden in Frankfurt 617 verschiedene ETF mit einem Anlagevolumen von insgesamt 134,6 Mrd. Euro gehandelt. Dabei liegt der ETF-Anbieter iShares von Blackrock mit einem Anlagevolumen von knapp 55,8 Mrd. Euro und einen Marktanteil von gut 41 Prozent an der Spitze, gefolgt von x-trackers von der Deutschen Bank mit knapp 27,9 Mrd. Euro (20,8 Prozent) und Lyxor von der Société Générale mit 27,5 Mrd. Euro (20,4 Prozent). Die restlichen elf Anbieter müssen sich mit dem verbleibenden Markt begnügen.

Hochwasser im Schnapsglas

Dieser Boom hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt, weiß Patrick Riske von Fricke Finance & Legal: “Wenn irgendetwas läuft, dann springen alle auf.” Dies führt auch auf dem Jobmarkt zu einer regen Nachfrage nach Spezialisten.

Doch da ETF passiv gemanaged sind, werden vergleichsweise wenige Mitarbeiter benötigt. Der Boom auf dem Arbeitsmarkt gleicht also eher einem Hochwasser im Schnapsglas. “Da brauchen Sie keine Horden von Portfoliomanagern. Da reichen ein paar Leute im Vertrieb, beim Marketing und im Portfoliomanagement,” sagt Riske.

Dabei seien die Portfolio-Manager bei einem ETF von ganz anderem Naturell als bei klassischen Investmentfonds, beobachtet der Headhunter: “Das ist mehr der Controllertyp.” Denn für die Nachbildung von Fonds spielen finanzmathematische Kenntnisse eine wichtige Rolle.

Trotz Booms verdienen ETF-Spezialisten oft weniger als bei klassischen Fonds

Auch in Zürich werden derzeit ETF-Spezialisten händeringend gesucht, wie Stefan Bächer vom Executive Search-Unternehmen Guggenbühl & Bächer aus Zürich beobachtet: “Alles was mit ETF zu tun hat, ist gefragt.”

Doch gesucht werden vor allem Seniors mit Erfahrungen im ETF-Geschäft. “Ich kann ja nicht einen neuem Markt aufbauen und nur Juniors einstellen”, ergänzt Bächer. Da der Markt jedoch recht überschaubar ist, sind Leute mit dieser Expertise rar gesät. Folglich steigen die Gehälter.

Allerdings wachsen die Bäume auch für ETF-Spezialisten weder im Frankfurt noch in Zürich in den Himmel. Die passiven Portfoliomanager erhalten trotz steigender Vergütungen weniger als ihre Kollegen von klassischen Investmentfonds, wie Riske und Bächer gleichermaßen bestätigen.

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