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Überleben Sie den Umbruch des Investmentbankings?

Dem Investmentbanking stehen schwierige Entscheidungen bevor. Laut einer aktuellen Untersuchung der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) müssen viele Banken entweder aus einzelnen Geschäftsbereichen aussteigen oder das Investmentbanking sogar gänzlich schließen. Doch auch wenn der Branche ein Umbruch bevorsteht, ist die Zukunft nicht vollständig düster. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengestellt:

1. Wieso Sie im Frontoffice einer der Marktführer arbeiten sollten

BCG rechnet für das laufende Jahr mit einem bescheidenen Ertragsanstieg. Allerdings werde insbesondere das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) unter Druck geraten. Denn die Zentralbanken werden ihren Aufkauf von Staatsanleihen voraussichtlich zurückfahren, der Handel mit Krediten wird austrocknen und die Banken drohen ihren Marktanteil im Rohstoffhandel an unabhängige Handelshäuser zu verlieren. Dagegen wird das Geschäft mit Aktien und M&A von einer besseren Performance der Aktienmärkte profitieren. Wie die folgende Grafik zeigt, werden die sogenannten Tier 1-Banken, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, in sämtlichen Anlageklassen deutlich besser als die Tier 2-Banken abschneiden. Daher stellen die Marktführer aus Arbeitnehmersicht die bessere Wahl dar.

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2. Spezialisieren Sie sich oder arbeiten Sie für einen der großen Player

Die Banken werden sich entscheiden müssen, welche Geschäftsbereiche zukunftsfähig sind und welche nicht. Laut dem BCG-Report werden sich sechs unterschiedliche Geschäftsmodelle etablieren: Aus Arbeitnehmersicht dürfte das „Powerhouse-Modell“ für Trader und andere Investmentbanker das interessanteste Modell darstellen. Dabei handelt es sich um die Großbanken, die durch Skaleneffekte trotz hoher Fixkosten und geringer Margen weiterhin profitabel wirtschaften können.

Doch es besteht auch die Möglichkeit für „Beratungs-Spezialisten“ zu arbeiten, die gute Beratung bei Fusionen oder Übernahmen sowie bei der Kapitalrestrukturierung bieten. Dieses Modell könne auch als unabhängiges Geschäft innerhalb einer Groß- oder Investmentbank weitergeführt werden. Ein weiteres Modell stellen die „Experten für Kundenbeziehungen“ dar, diese punkten als alleiniger Ansprechpartner für sämtliche Bedürfnisse eines Kunden. Hedgefonds wiederum können die wachsende Regulierung umgehen und somit höhere Profite generieren. Das „Haute Couture-Modell“ besteht darin, spezialisierte Trader, Strukturierer und Quants zu beschäftigen, die High End-Produkte für Hedgefonds, Privatbanken oder Staatsfonds entwickeln. Letztlich gebe es noch die „Serviceanbieter“, die Dienstleistungen in IT, Operations und Rechnungslegung anbieten, womit die Banken ihre Kostenbasis verringern können.

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3. Die Verwandlung riskanter in weniger riskante Anlagen

Nach Morgan Stanley und Oliver Wyman vertritt auch BCG die Auffassung, dass die strengere Regulierung neue Geschäftschancen im sogenannten „Collateral Management“ eröffnet. Dies besteht darin, risikoreichere Assets auf wunderbare Weise in sicherere zu verwandeln und so die Aufsichtsbehörden zufriedenzustellen. „Die Kapitaloptimierung und das Risikomanagement werden zu wichtigen Unterscheidungsmerkmalen. Die Bedeutung der Player in After-Trade und Repo-Geschäften wird steigen“, heißt es weiter. Während Morgan Stanley das Marktvolumen auf  5 bis 8 Mrd. US-Dollar beziffert, sind es laut der BCG lediglich 4 bis 7 Mrd. Dollar bis 2016.

4. Europäische Banken verlieren bei der Bezahlung an Wettbewerbsfähigkeit

Die EU hat beschlossen, die Boni der Banker bei 100 Prozent bzw. 200 Prozent der Grundgehälter zu deckeln. Dies wird die europäischen Banken kurzfristig dazu zwingen, ihre Festgehälter hinaufzuschrauben, um mit ihren globalen Konkurrenten mithalten zu können. Allerdings steigen dadurch die Fixkosten kräftig an, während die Erträge auf absehbare Zeit volatil bleiben dürften. Daher werde die Anhebung der Gehälter keine dauerhafte Lösung des Problems darstellen. Laut BCG könnte dies nicht „genügen, um mit den Spitzengehältern in der Branche mitzuhalten.“ Somit dürften nichteuropäische Banken fortan im Vorteil sein.

5. Die Schwellenländer bieten auch weiterhin Chancen

Laut der Strategieberatung haben die Investmentbanken noch längst nicht alle Geschäftschancen in den schnellwachsenden Schwellenländern ausgeschöpft, wo die Unternehmen auch weiterhin Aktien emittieren und die Regierungen Anleihen begeben werden, um ihre gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen. Dabei schlagen sich die Banken vor Ort beachtlich, während die internationalen Institute weiterhin Schwierigkeiten haben fußzufassen. Ein Teil des Problems stellt die Verfügbarkeit von geeigneten Talenten dar,  die entsprechende Kenntnisse und Verbindungen in diesen Märkten mitbringen.

6. Wer sich hohe IT-Kosten leisten kann, hat auch weiterhin die Nase vorn

Der elektronische Handel breitet sich auf immer weitere Anlageklassen aus. Die Unternehmen stehen also vor der Entscheidung, ob sie willens oder in der Lage sind, die teilweise horrenden Kosten zu tragen. Der Handel mit Aktien und Währungen scheint hierbei schon weit vorgedrungen zu sein,  dagegen bestehe im Kreditgeschäft noch Nachholbedarf. Weniger als 20 Prozent des Kredithandels würden derzeit elektronisch abgewickelt. Doch steigende Preistransparenz und ein schärferer Wettbewerb würden auch weiterhin die Erträge belasten. Zum Ausbau der Kredithandelsplattformen seien überdies erkleckliche Investitionen in die IT erforderlich, die sich nur bei einem langfristigen Engagement auszahlen würden.

„Die Tier 1-Banken müssen sich entscheiden, ob sie die Investitionen tätigen wollen, um langfristig in dem Geschäft mitmischen zu wollen“, heißt es in der Studie. Die Tier 2-Banken müssten eine Entscheidung fällen, ob sie sich in eine Nische zurückziehen wollen oder als „White Label-Anbieter“ weitermachen.

Diese Entwicklung führt nach den BCG-Prognosen zu einer Neuverteilung der Mitarbeiterkapazitäten. „Wir werden einen Schwerpunkt auf dem Verkauf der IT-Plattform (und dem internen Support) sehen und weniger telefonische Kundenbeziehungen …, die Player müssen ihre persönlichen Sales-Kapazitäten stärker auf  mehrwertschaffende Aktivitäten konzentrieren.“

7. Regulierung zwingt Banken zu höheren Erträgen und niedrigeren Kosten

Die Welle der Regulierungen, die weltweit über die Branche hereinbricht, werde kräftig auf die Eigenkapitalrendite drücken. Dies werde die Banken zu einer Reaktion drängen. Auch wenn die bereits angekündigten Kostensenkungen umgesetzt sein werden, bestehe auch weiterhin ein Einsparungsbedarf von 10 Prozent und die Notwendigkeit, die Erträge um 10 Prozent zu steigern. Dabei wird von einer Eigenkapitalrendite nach der Umsetzung aller Regulierungen von schmalen einmal 7 Prozent ausgegangen.

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