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Arme Reiche: Wenn Einkommensmillionäre mit ihrem Geld nicht auskommen

Es muss nicht immer Luxus sein. Hier der ägyptische Saal des Londoner Nobelkaufhauses Harrods. 

(Foto: I. Targeman)

Es muss nicht immer Luxus sein. Hier der ägyptische Saal des Londoner Nobelkaufhauses Harrods. (Foto: I. Targeman)

Rein theoretisch sollte ein siebenstelliges Gehalt reichen, um über die Runden zu kommen. Selbst in Großbritannien verdienen laut den Angaben der nationalen Statistikbehörde nur die obersten 1 Prozent mehr als 150.000 Pfund; ab dieser Markte greift der Spitzensteuersatz von 45 Prozent. In den USA beginnt das oberste 1 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 370.000 Dollar. Dennoch kommt sowohl in London als auch in New York so mancher Einkommensmillionär nicht mit seinem fürstlichen Gehalt zurecht.

„Es kommt gar nicht so selten vor, dass Wall Street-Banker nahe daran sind, sich bankrott zu erklären“, sagt Gary Goldstein vom Recruitmentunternehmen Whitney Partners aus New York. „Einige Leute haben richtig zu kämpfen.“

Doch die Tatsache, dass manche Banker nicht mit ihren Einkünften zurechtkommen, macht sie in den Augen der Öffentlichkeit kaum beliebter. So beklagte sich bei der Hauptversammlung der britischen Großbank Barclays in der vergangenen Woche der Rentner Joan Woolard über die überhöhten Gehälter der Banker. Wer mehr als 1 Mio. Pfund verdienen wolle, sei einfach nur ein „gieriger Bastard“, eschauffierte sich der rüstige Rentner. Doch für manche Leute handelt es sich bei 1 Mio. Pfund nur um das Geld, mit dem sie ihre Lebenshaltungskosten bestreiten.

„Es gibt eine Menge Leute mit einem sehr aufwendigen Lebensstil“, sagt Louise Cooper, die früher in Sales bei Goldman Sachs arbeitete und heute als Finanzanalysten für Cooper City tätig ist. „Sie haben Kindermädchen, schicken ihre Kinder auf Privatschulen und besitzen ein sehr großes teures Haus. All das muss aus dem versteuerten Einkommen bezahlt werden“, betont Cooper. „Bei einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent müssen Sie fast das Doppelte von demjenigen verdienen, was Sie ausgeben.“

Auch in den USA stellen Steuern in den Augen vieler Menschen ein Problem dar. „Nach Steuern werden aus einer Million 600.000 Dollar“, sagt Goldstein. „Davon müssen die Leute ihre Hypotheken abbezahlen, Häuser in Hamptons und Manhattan unterhalten, die Privatschulen der Kinder bezahlen, die 40.000 Dollar im Jahr kosten, und ihre Lebenshaltungskosten bestreiten.“

Doch wieso können diese Banker nicht einfach ihr Haus in Hampton verkaufen und ihre Kinder an öffentliche Schulen schicken? Dies klingt leichter als getan. „Wenn Sie im Banking arbeiten, dann sind Sie von Leuten umgeben, die sehr viel Geld verdienen“, erläutert Erika Shapiro, die früher als Sales-Mitarbeiterin bei Goldman Sachs, Citi, Credit Suisse und UBS arbeitete und heute Yoga lehrt. „Jeder um Sie herum hat eine riesige Hypothek und schickt seine Kinder auf Privatschulen.“

„Sie geraten in die Falle eines bestimmten Ausgabenniveaus“, sagt Tony Greenham, der früher als Investmentbanker bei Barclays gearbeitet hat und heute bei der New Economics Foundaton tätig ist. „Sie befinden sich in einem Umfeld, das einen bestimmten Wohnstandard in einer bestimmten Gegend, einen Ferienwohnsitz und eine bestimmte Schulausbildung für die Kinder anstrebt und sich auch leistet.“

Die Sozialisierung zu hohen Lebenshaltungskosten stellt jedoch ein schleichendes Gift dar, warnt die Psychotherapeutin Nell Montgomery, die früher als Sales Traderin bei Goldman Sachs arbeitete. „Die Banker geraten in einen Denkprozess, wonach es ganz normal ist, drei Kinder an eine Privatschule gehen zu lassen, was 100.000 Pfund aus dem versteuerten Vermögen kostet. Es gibt Leute, die erzählen, dass sie lieber für eine private Ausbildung bezahlen, als 10.000 Pfund für einen Urlaub auszugeben. Es handelt sich um eine Einstellung, in der Dinge, die nicht normal sind, zum Standard werden“, sagt Montgomery.

Vor dem Hintergrund von Woolards Auftritt bei der Barclays-Hauptversammlung klingt es schon ein wenig grotesk, dass laut Goldstein ausgerechnet die Spitzenverdiener von Barclays am meisten leiden. „Es wird ein so hoher Anteil der Barclays-Boni aufgeschoben ausgezahlt, dass die Leute nur sehr wenig Bargeld erhalten“, sagt Goldstein. „Sie leben von einem Grundgehalt von 300.000 bis 400.000 Dollar, das durch Steuern halbiert wird.“ Anfang des Jahres wurde unterdessen bekannt, dass Barclays 100 Prozent aller Boni zeitverzögert auszahlt.

Gelegentlich wird die Situation durch Entscheidungen aus der Vergangenheit verschärft, sei es durch die Wahl des Ehepartners oder unkluge Kredite.

Laut Cooper halten sich viele der armen reichen Banken Vorzeigefrauen. „Sie sehen Leute, die bei der Arbeit auftauchen und Freundinnen aus ihrer Unizeit mitbringen und dann plötzlich machen sie eine Menge Geld, lassen die alte Freundin sitzen und suchen sich eine glamourösere und gut aussehende Frau, die sie bei der Arbeit finden“, sagt Cooper. Wie nicht anders zu erwarten verursachten diese Freundinnen hohe Unterhaltskosten: Sie erwarten teure Handtaschen, teure Schuhe, Häuser an den richtigen Orten, teure Ausbildung für ihre Kinder, Schmuck, Kindermädchen und andere Hilfe. „Es gibt eine Menge Leute in der Londoner City, die mit ihren Partnern seit ärmeren Zeiten zusammenleben“, erzählt Cooper. „Doch es gibt auch Leute, die in Beziehungen gefangen sind, wo der Deal darin besteht, dass sie viel Geld nachhause bringen.“

Doch auch an der Wall Street sind solche Vorzeigefrauen ein Problem. Laut Goldstein hätten allerdings mehr Wall Street-Banker mit unklugen Kreditaufnahmen während der Boomzeiten zu kämpfen. „Viele Leute nahmen Darlehen auf ihre Aktienpakte auf“, sagt Goldstein. „Der Wert des Aktienpakets stieg jedes Jahr um 20 oder 30 Prozent an und eine Menge Leute nahmen Darlehen auf, um sich ein Boot oder ein Haus in Hamptons zu kaufen.“ Jetzt ist dieses Paket deutlich weniger Wert oder im Fall von Lehman Brothers gar nichts.

Wie Sie lernen mit weniger Geld auszukommen

Doch was können Sie unternehmen, wenn Sie selbst keinen Ausweg mehr sehen und nicht einmal mit 1 Mio. auskommen? Zunächst sollten Sie ein wenig Abstand gewinnen.

„Erinnern Sie sich daran, wie wenig Geld Sie benötigten, um als Student glücklich zu leben“, rät der Psychologe Oliver James. „Die Leute betrachten ihre Wünsche als Bedürfnisse“, ergänzt James. „Doch Ihre wahren Bedürfnisse fallen tatsächlich viel geringer aus: Sie brauchen Essen, Wärme und vielleicht Licht und Sie benötigen emotionale Sicherheit.“

Laut Cooper besteht das beste Gegenmittel darin, einen einzigen Partner für sein ganzes Leben zu haben. Dies helfe dabei, die Dinge richtig einzuordnen. Darüber hinaus können Sie sich auch Freunde außerhalb des Bankings suchen. „Ich hatte immer eine Menge von Hobbies, was mich in Kontakt zu Leuten mit unterschiedlichen Lebenswegen brachte“, sagt Shapiro. „Ich kannte immer Leute, die 25.000 bis 30.000 Pfund im Jahr verdienten.“

Schließlich gibt es noch Therapien. Laut Montgomery haben viele Banker in ihrer Kindheit unsichere Beziehungen zu ihren Eltern aufgebaut. Dies bringt sie dazu, übermäßig ehrgeizig und prahlerisch zu werden. „Wenn Sie unsicher sind, dann können Sie sich in eine Form von Großspurigkeit flüchten und Sie sagen sich: ‚Zumindest verdiene ich eine Menge und kann an diese teuren Orten gehen‘“, sagt Montgomery. „Über so etwas können Sie nur mit einer intensiven Therapie hinwegkommen“, ergänzt die Psychologin.

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