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Die sechs verbreitetsten Fehler in Studenten-Lebensläufen

Studenten-Lebenslauf

Viele Lebensläufe von Studenten landen direkt in der Ablage P für Papierkorb. Das muss nicht sein.

Vor dem Berufseinstieg haben viele Studenten mit dem Abfassen ihrer Lebensläufe zu kämpfen. Kein Wunder, denn diese ganz eigene Kunst wird an den Hochschulen kaum vermittelt, die Erfahrungen von Einsteigern sind naturgemäß begrenzt und oftmals mangelt es auch an Wissen zu den möglichen Karrierewegen und ihren jeweiligen Anforderungen.

Daher bietet eFinancialCareers.de regelmäßig auf Karrieremessen einen Lebenslauf-TÜV für Studenten und Absolventen an, die mit ihrer Karriere in den Finanzdienstleistungen durchstarten wollen. Dabei stechen die immer gleichen Fehler ins Auge:

1. Die vier Hauptfragen an einen Lebenslauf werden nicht beantwortet

Besonders renommierte Arbeitgeber werden mit Bewerbungen von Studenten geradezu überflutet. Daher sichten HR-Mitarbeiter oftmals die eingehenden Lebensläufe in weniger als zwei Minuten vor, wobei es sich auch um Hilfskräfte handeln kann. Diese treffen ihre Auswahl anhand von wenigen Kriterien. Die wichtigsten davon sind:

–          Studienrichtung, Uni und Noten

–          Praktika und sonstige Berufserfahrung

–          Auslandsaufenthalte

–          Englischkenntnisse

Wer diese Punkte nicht mit überzeugenden Fakten belegen kann, hat schon fast verloren. Sicherlich sind bestimmte Abstriche möglich. Wer z.B. im deutschen Privatkundengeschäft arbeiten möchte, muss nicht mit Auslandsaufenthalten und Oxfordenglisch glänzen.

Ich hatte sogar schon Studenten beim Lebenslauf-TÜV, die „vergessen“ hatten, ihre bereits absolvierten Praktika aufzulisten. Wer ein solches Versäumnis begeht, muss sich über Absagen nicht wundern.

2. Mit Times New Roman sieht jeder Lebenslauf billig aus

Jahrzehntelang war in Microsoft Word die Schriftart „Times New Roman“ voreingestellt. Die Folge davon war, dass wahrscheinlich 80 Prozent aller Schriftstücke in dieser Allerweltsschrift verfasst wurden, darunter auch zahllose drittklassige Schulaufgaben, Seminararbeiten und eben Lebensläufe. Aus diesem Grund wirkt die Schrift billig. Und welcher Bewerber möchte schon, dass sein Lebenslauf billig oder gewöhnlich wirkt? Daher sollten Sie eher eine andere Schriftform wie etwa Calibri wählen, die im aktuellen Microsoft Word gängig ist.

3. Studienrichtungen und Praktika werden im Lebenslauf nicht spezifiziert

Grundsätzlich sollten Kandidaten nicht nur auflisten, was sie so in der Vergangenheit geleistet haben. Vielmehr muss der Inhalt des Lebenslaufes auf die Stellenanforderungen zugeschnitten werden. Das Motto lautet: „Ein Lebenslauf ist nur so gut, wie die Stelle, auf die er passt.“

Ein besonders simples Beispiel: Wenn Sie sich auf ein erstes Praktikum in Fixed Income bewerben, dann hilft es schon weiter, wenn Sie angeben, dass Sie in Fächern wie „Bank- und Kreditwirtschaft“ und „Investitionsrechnung“ mit guten Noten brillieren konnten. Falls Sie sich sogar auf eine Traineestelle oder Analystenstelle bewerben, dann sollte zumindest eines Ihrer absolvierten Praktika zu dem betreffenden Job passen. Der HR-Mitarbeiter sollte unschwer einen roten Faden entdecken, der aus dem Lebenslauf direkt zu dem Job führt.

Die Faustregel lautet: Alles was zur Stelle passt, wird relativ ausgiebig dargestellt; weniger Wichtiges wird kürzer abgehandelt. Schon allein durch diese ungleichmäßige Gewichtung wirkt Ihr Lebenslauf, als würde er zu der betreffenden Stelle hinführen.

4. Nebenjobs gehören nur ausnahmsweise in den Studenten-Lebensläufe

Einen sehr häufigen Fehler begehen Studenten in ihrem Lebenslauf unter dem Stichwort „Arbeitserfahrung“. Dort listen sie regelmäßig sämtliche Jobs auf, mit denen sie sich neben dem Studium finanziell über Wasser hielten. Da solche Studentenjobs oft wechseln, kommen rasch sehr lange Listen zustande. Gerne werden die Tätigkeiten – Kassieren, Regale auffüllen, Aufräumen etc. – auch noch detailliert beschrieben, was die Sache nur noch verschlimmert.

In einer solchen Liste geht das berufsqualifizierende Praktikum in M&A bei der US-Investmentbank XYZ schnell unter und wird vom gelangweilten HR-Mitarbeiter einfach überlesen. Doch dies können Studenten vermeiden, indem sie sich in ihren Lebensläufen auf berufsqualifizierende Erfahrungen wie Praktika, Werkstudententätigkeit oder Banklehre beschränken und irrelevante Nebenjobs (Burgerwenden bei McDonalds) weglassen oder allenfalls kurz erwähnen.

5. Interesse an Finanzmärkten und Leidenschaft fürs Trading

Wer sich bei Banken bewirbt und kein Interesse an den Finanzmärkten mitbringt, wirkt ebenso kompetent wie ein Außenminister ohne Englischkenntnisse (so etwas soll es ja schon gegeben haben). Daher ist es hilfreich, wenn Studenten schon selbst auf eigene Rechnung ein wenig getraded oder an Börsenspielen bzw. der Börsengruppe der Uni teilgenommen haben. Wenn Sie dabei Geld verloren haben, dann haben Sie zumindest schon einmal die Tücken der modernen Kapitalmärkte schmerzhaft am eigenen Portemonnaie erfahren. Auch dies dürfte eher als Pluspunkt gewertet werden.

Dagegen hat mir ein Master-Student schon einmal einen Lebenslauf vorgelegt, nach dem er angeblich zehn volle Jahre mit dem Traden von Aktien und Derivaten sein Geld verdiente – nicht etwa neben der Uni, sondern hauptberuflich!

Dies ist gleich aus zwei Gründen ungeschickt: Erstens ist es reichlich unglaubwürdig. Ich habe während meiner Jahre als Finanzjournalist schon unzählige (private) Trader kennengelernt  – nur keinen, der tatsächlich Geld verdient hätte. Und zweitens: Seit der Finanzkrise, den Milliardenverlusten von Tradern wie Jérôme Kerviel und Kweku Adoboli, scheuen die Banken Heavy-Trader wie so mancher Grieche die Steuererklärung.

6. Keine Deutschkenntnisse

Abschließend können Sie sich glücklich schätzen: Denn sobald Sie diese Zeilen verstehen, verfügen Sie über ausreichende Deutschkenntnisse. Seit einigen Jahren steigt die Zahl ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen beständig an und in vielen Ländern – nicht nur in Südeuropa – hat sich der vergleichsweise robuste Arbeitsmarkt in Deutschland herumgesprochen. Von daher sichte ich auf Studentenmessen immer häufiger englische Lebensläufe.

Das Problem dabei: Deutsche Arbeitgeber erwarten im Regelfall immer noch, dass ein Kandidat Deutsch spricht – auch wenn dies eher zähfließend ausfällt. Sofern Sie also nicht in den deutschsprachigen Ländern aufgewachsen sind, sollte der Lebenslauf bei einer Bewerbung hierzulande auch auf Deutsch abgefasst sein. Denn andernfalls geraten Sie in den Verdacht kein Deutsch zu sprechen. Ausländische Kandidaten verringern u.U. also mit Lebensläufen auf Englisch sogar ihre Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Mit englischen Lebensläufen können in Deutschland eigentlich nur deutsche Muttersprachler punkten – so grotesk das klingt.


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