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Glencore deckt die Karten auf: Wie das größte Schweizer Unternehmen von einer eingeschworenen Gemeinschaft junger Leute gesteuert wird

Die Zeiten der Geheimniskrämerei sind auch bei Glencore passé. Der weltgrößte Rohstoffhändler mit Sitz in Baar (Kanton Zug) hat heute die Karten – zumindest ein bisschen – aufgedeckt und Informationen über das Unternehmen für die bevorstehende Erstnotierung (IPO) an der Londoner Börse herausgegeben.

Dabei sollen zunächst 15 bis 20 Prozent des Aktienkapitals für 9 bis 11 Mio. US-Dollar (6,3 bis 7,6 Mrd. Euro) an die Börse gebracht werden, woraus sich ein Börsenwert von bis zu 55 Mrd. US-Dollar (38 Mrd. Euro) errechnet.

Wie nicht anders zu erwarten, erweist sich das verschwiegene Unternehmen als wahre Geldmaschine. So hat der Konzern in 2010 einen Umsatz von 145 Mrd. US-Dollar (100 Mrd. Euro) erwirtschaftet, was mehr als Nestlé oder Novartis war. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) belief sich auf 5,3 Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro) und der Nettogewinn auf 3,8 Mrd. Dollar (2,6 Mrd. Euro).

Auf jeden Glencore-Eigentümer entfiel in 2010 ein Gewinn von 7,8 Mio. Dollar

Da Glencore bislang von 485 Managern des Unternehmens gehalten wird, errechnet sich ein durchschnittlicher Gewinn pro Eigentümer von über 7,8 Mio. US-Dollar (5,4 Mrd. Euro). Darin sind die Vergütungen – wohlgemerkt – noch nicht berücksichtigt. So wurde vor einigen Tagen bekannt, dass die 65 leitenden Manager für 2010 insgesamt 1,08 Mrd. US-Dollar (750 Mio. Euro) oder 16,7 Mio. Dollar (11,6 Mio. Euro) pro Kopf kassierten.

Dieser Geldregen hat bei Glencore Tradition. So heißt es in der Unternehmensmitteilung: “Mit einem bewährten Track-Record in der Entwicklung und im Wachstum des Geschäftes ist Glencore seit dem Management Buyout von 1994 durchgehend profitabel gewesen und hat in den zurückliegenden zehn Jahren eine durchschnittliche Verzinsung des Eigenkapitals (Return on Equity) von 38 Prozent generiert.”

Senior Management arbeitet schon “200 Jahre” zusammen

Dabei scheint das Unternehmen von vergleichsweise jungen Leuten gesteuert zu werden, worauf Glencore ausdrücklich hinweist: “Das Senior Management von Glencore besitzt insgesamt mehr als 200 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit, obgleich das Durchschnittsalter nur 46 Jahre beträgt.”

Mithin müssen die Mitglieder des Senior Management quasi seit ihrem Studienabschluss zusammenarbeiten, womit sich Glencore einmal mehr als abgeschottetes Karrieredomizil erweist. Zum Unternehmensboard zählen Ivan Glasenberg (CEO), Steven Kalmin (CFO) sowie Anthony Hayward, Peter Coates, Leonhard Fischer, William Macaulay und Li Ning. Auch ein Aufsichtsratsvorsitzender (Chairman) ist laut Glencore bereits gefunden und soll in Kürze vorgestellt werden.

Dabei dient die Börsennotierung zunächst der Kapitalerhöhung und nicht dazu, den 485 Alteigentümern die Taschen zu füllen. So sagte Glencore-Chef Ivan Glasenberg gegenüber der englischen Financial Times: “Niemand wird ausbezahlt oder nimmt Geld vom Tisch.”

Gibt Glencore mit der Erstnotierung sein Erfolgsrezept auf?

“Wir werden auch weiterhin Großaktionäre des Unternehmens bleiben und wir werden das Unternehmen weiterführen, um ein Maximum an Gewinn und ein Maximum an Erträgen für unsere Investoren – einschließlich uns selbst – herauszuholen,” ergänzte Glasenberg.

Mit der Aktienausgabe füllt Glencore vielmehr seine Kriegskasse um Konkurrenten wie beispielsweise den französischen Agrarrhostoffhändler Louis Dreyfus zu übernehmen oder den Anteil von 34 Prozent an dem Minenkonzern Xstrata aufzustocken.

Dennoch bleiben Zweifel, ob mit der neuen Öffentlichkeitspolitik nicht auch ein wichtiger Teil der Erfolgsstrategie aufgegeben wird und fortan Gewinne und Vergütungen künftig nicht mehr so üppig fließen wie in der Vergangenheit. So zitiert die Financial Times einen nicht genannten Glencore-Mitbewerber: “Bei Rohstoffen können Sie nicht die gleichen Deals durchziehen, wenn Sie in der Öffentlichkeit stehen, als wenn Sie privat agieren.”

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