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Wie der Finanzplatz Schweiz vom Zypern-Chaos profitiert

Cypriot flag

Die Wette auf Zypern scheint sich für viele reiche Anleger aus den Schwellenländern wie etwa Russland nicht ausgezahlt zu haben. Der Finanzplatz lockte mit laxer Geldwäscheaufsicht, niedrigen Steuern und hohen Zinsen. Allerdings war auch immer das Risiko mit im Spiel. Obgleich noch längst nicht alle Details klar sind, müssen Anleger bei Vermögen jenseits der 100.000 Euro-Marke mit einem Verlust von 30 Prozent und womöglich mehr rechnen.

Kaum einer in der Schweiz will russische Schwarzgelder…

Viele der Betroffenen dürften ihre Lektion gelernt haben und eiligst ihr Vermögen aus Zypern abziehen. Die Ratingagentur Moody’s beziffert die russischen Assets allein auf etwa 31 Mrd. Dollar, andere Vermögen wie etwa aus der Ukraine dürften hinzukommen.

Ob viele dieser Gelder jedoch ihren Weg in die Schweiz finden, erscheint zweifelhaft. Denn hierzulande sind seit den Auseinandersetzungen mit den USA und Deutschland über unversteuerte Vermögen nur noch Weißgelder gefragt. „Bei den internationalen Standards zur Geldwäscherei ist die Schweiz ganz stark mit dabei“, betont ein Sprecher der Schweizer Finanzaufsicht Finma.

Dies gilt indes nur für Vermögen, die aus illegalen Quellen wie etwa dem Drogenhandel stammen. „Die Annahme von unversteuerten Vermögen ist in der Schweiz nicht verboten“, ergänzt der Sprecher. Dies werde aber politisch diskutiert. Die Banken müssten jedoch auch die „Rechts- und Reputationsrisiken“ beachten, die mit der Annahme unversteuerter Vermögen einhergehen.

Diese sind indes immens. Nachdem die St. Galler Privatbank Wegelin die Annahme von unversteuerten US-Vermögen mit ihrem Untergang bezahlten musste, dürfte kaum eine Schweizer Bank auf neue Schwarzgelder scharf sein.

Auch Jean-Marc Aiello, Head of Professional Banking Switzerland bei Randstad in Zürich rechnet mit keinem Geldsegen aus Zypern. „Von den Assets her stellt Zypern keine große Dimension dar. Es handelt sich um eine unwichtige Ökonomie. Die Wirtschaftskraft ist kleiner als die des Kantons Waadt“, sagt der Headhunter, der im Auftrag Schweizer Finanzdienstleister Experten für die Schwellenländer sucht. „Zypern ist verbrannt. Da wird niemand mehr Geld anlegen“, ergänzt Aiello. Dennoch werde nur ein kleiner Teil der Gelder in die Schweiz fließen. Da es sich bei den russischen Vermögen oft um Schwarzgeld handle, würde der Hauptteil eher nach Dubai und Hongkong abfließen.

… doch alle wollen Kunden aus den Schwellenländern

Dennoch sprechen die dramatischen Entwicklungen in Zypern für die Schweiz. Denn nur wenige Länder weisen ein ähnlich gutes AAA-Rating und eine ähnliche Rechtssicherheit wie die Schweiz auf. So sagte etwa der Zürcher Steuerexperte Richard Würmli gegenüber dem Tages-Anzeiger: „Die Schweiz und ihr Finanzplatz werden sicher davon profitieren, dass Zypern nach diesem Schock für internationale Firmen und Anleger an Bedeutung zu verlieren droht.“ Weiter zitiert die Zeitung einen anderen Kenner der Materie: „Jetzt muss man einfach nur still sein. Das, was in Zypern passiert, ist schon Werbung genug für den Schweizer Finanzplatz.“

Auch Aiello kann dem zypriotischen Drama einen positiven Aspekt abgewinnen. „Dies stärkt die Reputation der Schweiz als sicheres Booking Centre für Offshore-Vermögen“, prophezeit Aiello.

Ungeachtet von Zypern herrsche in der Schweiz eine anhaltende Nachfrage nach Client Relationship Managern für die Emerging Markets. „Ich könnte sofort 30 Jobs besetzen, wenn ich denn die richtigen Profile finden würde“, beteuert Aiello. Gesucht seien nachwievor „gute Senior Top-Hunter im Alter zwischen 35 bis 65 Jahren mit langjährigen Kundenbeziehungen als auch Neu Youngster Hunter im Alter 30-35 Jahren”, die Abschlüsse machen können und rund um die Uhr für ihre Kunden zur Verfügung stünden.

Dies gelte besonders für Experten für Mittelosteuropa, Aserbaidschan, die Türkei, den Mittleren Osten, Lateinamerika – dort vor allem Brasilien – und eben auch Russland. Für Russland würden vor allem die Boutiquen und Family Offices in der Schweiz suchen.

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