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Spinnen die Briten? 20 Tipps, wie Gattinnen von Londoner Investmentbankern beim Sparen helfen können

„Die spinnen, die Briten,“ dies erkannten schon Asterix und Obelix, als sie im Jahre 50 vor Christus die Insel besuchten, die nur wenige Kilometer vom Festland getrennt ist und doch – aus englischer Sicht – Lichtjahre weit vom Kontinent entfernt liegt. So schrieb der Herausgeber der kostenlosen Londoner Tageszeitung City AM Allister Heath  in der vergangene Woche genüsslich von einer „verrotteten Eurozone”.

Dabei wurden die Untertanen ihrer Majestät von der Finanzkrise weitaus härter getroffen als die kontinentaleuropäischen Finanzplätze in Frankfurt oder Zürich. Während die Londoner City seit dem Lehman-Desaster 30 Prozent der Jobs einbüßte, kommt Frankfurt nach einer Helaba-Studie mit einem Minus von nur 2 Prozent davon. Und auch die Bonusentwicklung zeigt an der Themse ebenfalls in Richtung Süden.

Kein Wunder also, dass die Familien vieler britischer Investmentbanker eine völlig neue Erfahrung in ihrem Leben machen: Sie müssen den Gürtel enger schnallen. Dazu hat jetzt die englische eFinancialCareers-Korrespondentin Sarah Butcher 20 Tipps zusammengestellt, wie die Gattinnen (!) von Investmentbankern ihren Angetrauten beim Sparen helfen können. Für Kontinentaleuropäer stellt sich bei einigen dieser Ratschläge die Frage: Ist das wirklich ehrlich gemeint, oder „spinnen“ die Briten einfach? Hier die Tipps:

1. Machen Sie eine Kleider-Diät

Denken Sie wirklich, dass die Ausgaben von Ihnen und Ihrer Gattin für Kleidung nicht ins Gewicht fallen? Dann liegen Sie womöglich falsch. „Ich dachte nicht, dass ich viel für Kleidung ausgab“, sagt Heather McGregor, die vor einiger Zeit aus dem Banking ins Headhunting gewechselt ist. „Doch im letzten Jahr habe ich sechs Monate lang keine Kleidung gekauft und erst dann stellte ich fest, wie viel ich dafür ausgegeben habe – nur für einen Schal und ein paar Schuhe hier und dort.“

In einigen Fällen können die Ausgaben für Kleidung schwindelerregende Höhen erreichen. So meinte die schwedische Gräfin und ehemalige Investmentbankerin Marie Douglas Davis, dass sie während ihrer Scheidung 4,5 Mio. Dollar pro Monat für Kleidung ausgegeben hat.

2. Lassen Sie auch Ihre Familie mitsparen

Es genügt nicht, Ihre persönlichen Ausgaben einzuschränken. „Als ich vor mehr als zehn Jahren das Banking verlassen habe, musste sich unsere ganze Familie daran gewöhnen, von weniger Geld zu leben“, sagt McGregor. „Es ist schwierig, sein Leben grundlegend zu ändern, wenn die ganze Familie nicht mitzieht.“

Ein Ex-Trader, der bei einem kleinen Hedgefonds angefangen hat, teilte seinen Kindern mit, dass weniger Geld zur Verfügung stehe. Erstaunlicherweise hätten seine Kinder dies akzeptiert. „Das einzige Kind, das Schwierigkeiten hat sich damit abzufinden, ist mein Fünfjähriger“, erzählt er. „Den älteren haben wir erzählt, dass wir uns nicht mehr das Gleiche wie in der Vergangenheit leisten können und sie scheinen das verstanden zu haben. Denn auch ihren Freunden wurde Ähnliches erzählt.“

3. Melden Sie Ihre Kinder bei staatlichen Schulen an

Anders als in Deutschland besuchen die Kinder von betuchten Familien in England oftmals horrend teure Privatschulen, um schon frühzeitig einen Startvorteil im Leben zu haben. So werden für einen „Term“ bei einer Privatschule schnell 5000 Pfund fällig, wobei ein Jahr drei solcher „Terms“ aufweist. Bei Internaten geht es bei 8500 Pfund pro „Term“ los. Doch auch jenseits des Atlantiks sind solche Gebühren nicht unbekannt. So werden z.B. an der New Yorker Privatschule Horace Mann 39.000 US-Dollar fällig – für ein Jahr im Kindergarten wohlgemerkt.

„Falls Sie eine hochbezahlten Bankingjob haben und ihr größter einzelner Ausgabenposten sind Schulgebühren, dann müssen Sie einige schwierige Entscheidungen fällen“, rät McGregor. „Es geht nicht nur darum, dass Ihr Bonus schlechter als erwartet ausfällt, sondern er wird wahrscheinlich auch für den Rest Ihres Arbeitslebens geringer ausfallen. So sehen die neuen Realitäten aus.“ Eine ehemalige Bankerin erzählt, dass sie ihre beiden Söhne vom Internat abgemeldet und bei der staatlichen Schule angemeldet habe. „Sie haben sich überraschend gut angepasst“, ergänzt sie.

4. Lassen Sie Ihre Kinder die Studiengebühren zahlen

Nach den Reformen der gegenwärtigen konservativ-liberalen Regierung belaufen sich die Studiengebühren an britischen Unis auf bis zu 9000 Pfund pro Jahr. Doch diese sollen nach dem Willen vieler Eltern jetzt ihr Nachwuchs berappen. „Die Leute vergessen häufig, dass die britische Regierung Studentendarlehen für die Gebühren vergibt“, erzählt ein anderer Banker, der seinen Sohn dazu gebracht hat, die Gebühren aus der eigenen Tasche zu bestreiten.

5. Ändern Sie Ihre Reisegewohnheiten

Eli Lederman hat seinen Posten als Managing Director bei Morgan Stanley aufgegeben, um sich als Autor „neu zu erfinden“. Lederman hat es unterdessen aufgegeben, in der Business Class zu fliegen. „Ich reise immer noch fünf bis sechs Mal im Jahr nach New York, aber ich fliege jetzt in Premium Economy statt in der Business Class“, sagt Lederman. „Mit der neugewonnenen Flexibilität, was während meiner Zeit als Banker unmöglich war, erhalte ich gute Preise. Und wenn Sie es ein wenig geschickt anstellen, dann gewähren Ihnen die Airlines sämtliche Vorzüge.“

Ebenso fallen auch Zugfahrkarten wesentlich billiger aus, wenn Sie bei den Reisezeiten flexibel sind. „Falls Sie vom Lande nach London reisen, dann sind die Züge voller Ex-Banker, die außerhalb der Rushhour zu Discount-Preisen fahren.“

6. Bügeln Sie selbst

Dies mag sich nach einer Kleinigkeit anhören, doch normalerweise bügeln Banker ihre eigenen Hemden nicht selbst. Wenn Sie mit der Arbeit aufhören oder in Geldnöten sind, dann fangen sie plötzlich damit an. „Jetzt bügle ich alle meine Hemden selbst“, sagt ein Ex-Banker. „Ich habe es immer gemocht, dies in einer Art Zen-Stimmung zu machen, aber ich hatte keine Zeit dafür.“

Ein anderer Banker, der für Goldman Sachs arbeitete und jetzt sein eigenes Geschäft aufgezogen hat, erzählt, wie er seine Frau dazu brachte, seine Hemden zu bügeln. „Bei Goldman Sachs gab es im Keller einen Reinigungsdienst, wo ich meine Hemden gegen eine Gebühr abgab, doch jetzt habe ich Jane gebeten, es für mich zu erledigen.“

„Meine Frau macht es“, erzählt ein anderer Banker. „Sie liebt es nicht, aber sie will auch nicht selbst arbeiten gehen, also musste sie es akzeptieren.“

7. Tragen Sie nicht zu viel Bargeld mit sich herum

Umso mehr Geld Sie mit sich herumtragen, desto mehr geben Sie auch aus. „Hören Sie damit auf, ein Geldbündel mit sich herumzuschleppen“, rät ein ehemaliger Goldman Sachs-Banker. „Das verringert die Versuchung, den Leuten zu viel Trinkgeld zu geben.“

8. Helfen Sie Ihren Kindern selbst bei den Hausaufgaben

Ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, kann zeitaufreibend sein und einen sogar zur Weißglut treiben. „Einer meiner Freunde gibt 250 Pfund pro Stunde aus, um seinen Sohn auf die Schule vorzubereiten“, sagt ein Hedgefondsmanager. „Ich gebe 35 Pfund aus.“

9. Fahren Sie nicht in den Schiurlaub

Auch sensationell teure Schiurlaube erfreuen sich bei den betuchten Mitarbeitern in der City einer anhaltenden Beliebtheit. „Ich bin mit der Familie mit Powder Byrne im vergangenen Jahr in den Schiurlaub gefahren und habe 13.000 Pfund ausgegeben“, erzählt ein Hedgefondsmanager. „Es war großartig. Sie haben uns die Kinder am Morgen abgenommen und erst am späten Nachmittag zurückgebracht, aber dafür zahlen Sie auch.“ Doch Sie können natürlich bei günstigeren Anbietern sehr viel Geld sparen. „Das macht jeder. Jeder hat zu kämpfen, auch einer meiner Freunde, der mehr Geld verdient als Gott.“

10. Übernachten Sie bei Freunden

Wenn Sie in den Urlaub fahren, können Sie auch bei Freunden übernachten. „Ich bin sechs Mal hintereinander auf die Malediven gereist“, sagt eine Hedgefondsmanager. „Aber im vergangenem Jahr bin ich zum ersten Mal seit sechs Jahren nicht dorthin gefahren. Wir sind zu Freunden nach New York gefahren. Dabei habe ich 12.000 Pfund gespart.“

11. Verkaufen Sie Ihre Ferienwohnung

„Einen Zweitwohnsitz auf dem Lande zu unterhalten, ist so ziemlich das teuerste überhaupt“, sagt ein Hedgefondsmanager. „Eine Menge an Leuten aus meinem Bekanntenkreis sprechen davon, ihr Landhaus abzustoßen. Doch keiner hat es bislang getan.“

12. Lösen Sie Ihre Gesundheitsprobleme, bevor Sie Ihren Job verlieren

In Großbritannien gibt es lediglich eine steuerfinanzierte medizinische Grundversorgung. Alles darüber hinaus muss teuer bezahlt werden. Aufgrund von unendlich langen Arbeitszeiten zögern viele Banker die Behandlung ihrer gesundheitlichen Probleme hinaus. Laut Gerüchten hat ein Banker, nachdem er die Kündigung erhalten hat, schnell noch seinen Leistenbruch und seine Knieprobleme behandeln lassen, bevor seine private Zusatzversicherung auslief und er selbst die Behandlung hätte bezahlen müssen.

13. Kaufen Sie online ein

Auch Einkäufe über das Internet abzuwickeln, stellt eine bewährte Methode zum Geld sparen dar. Laut einer Nielsen-Studie sollen 50 Prozent der britischen Haushalte sogar ihre alltäglichen Einkäufe wie z.B. Lebensmittel online tätigen. Auf diese Weise wollen viele Haushalte Geld sparen.

14. Kochen Sie selbst

Da viele Banker immer weniger an ihrem Arbeitsplatz zu erledigen haben, können sie früher nachhause gehen. Die so gewonnene Zeit lässt sich auch in der Küche verbringen. „Ich koche jetzt jeden Abend“, rühmt sich ein Ex-Trader. „Seitdem ich das Banking verlassen habe, bin ich häuslicher geworden. Ich habe schon früher ein wenig gekocht. Doch in der Bank ging ich oftmals Essen, um so meine Kunden bei Laune zu halten. Das hat sich grundlegend geändert. Ich bin früh zuhause und kann selbst kochen. Das ist wesentlich billiger.“

15. Fahren Sie mit dem Fahrrad

Angeblich sollen die Straßen Londons voller Banker und Hedgefondsmanager auf „Boris bikes“ sein. Dabei handelt es sich um Leihfahrräder, die der Londoner Bürgermeister Boris Johnson seit 2010 vielerorts in der Londoner Innenstadt aufstellen ließ. Für so manchen Hedgefondsmanager stellten die Fahrräder eine ganz neuartige Erfahrung dar: „Ich habe 150 Pfund pro Woche für Taxis ausgegeben, bevor ich die ‚Boris bikes‘ entdeckte. Heute radle ich 30 Kilometer am Tag und meine Frau gibt mehr für Taxis aus als ich.“

16. Lassen Sie auch Ihren Partner arbeiten

Falls Sie auch Ihre Frau zum Arbeiten schicken, spart das zwar kein Geld, aber es bringt zumindest etwas ein. Die männlichen Banker, mit denen wir gesprochen haben, wollten ihre Frauen nicht zur Arbeit drängen. „Es gibt keine Jobs“, sagte einer. Dagegen sind die Frauen selbst für solche Vorschläge durchaus offen. „Ich arbeite“, sagt die Frau eines Bankers in London. „Der Bonus meines Mannes ist kleiner. Dennoch haben wir genug Geld, weil wir beide arbeiten.“

Nachdem Sie für die Kinder vor einigen Jahren ihren Job aufgab, hat sie eine Fortbildung als Gartendesignerin absolviert. „Selbständig zu sein und sein eigenes Unternehmen zu haben bedeutet, dass ich meine Arbeit um die Kinder herum organisieren kann“, sagt sie. „Wir hatten eine Kinderbetreuerin, aber das brauchen wir heute nicht mehr. Ich kann arbeiten, wenn die Kinder in der Schule sind.“

17. Lassen Sie Ihre Teenager arbeiten

Laut dem britischen Gesetz dürfen Kinder ab dem Alter von 13 Jahren arbeiten. Dann dürfen sie zwölf Stunden in der Woche und während der Schulferien sogar 25 Stunden arbeiten. Eine ehemalige Bankerin erzählt, dass es ihr tatsächlich gelang, ihre Kinder im Teenageralter zu Wochenendjobs zu bewegen.

18. Verkaufen

Gigi, die Verkäuferin einer Londoner Second Hand-Edelboutique erzählt, dass sich viele Banker-Gattinnen unter ihrer Kundschaft befinden. „Die Leute können sicherlich über uns eine Menge Geld sparen, wenn sie sich nicht daran stören, dass ihre Kleider nicht der letzte Schrei sind“, sagt Gigi. Doch Banker-Gattinnen können ihre überschüssige Markenkleidung auch über derartige Boutiquen oder eBay loswerden. „Viele Frauen räumen ihren Kleiderschrank auf und machen ihre alten Pullover zu Geld“, ergänzt Gigi.

19. Kündigen Sie Pay-TV

Der ehemalige Goldman Sachs-Banker erzählte uns, dass er als erstes sein Pay-TV abbestellt hat. „Ich habe 80 Pfund im Monat bezahlt. Jetzt schaue ich mir die Fußballspiele im Pub an“, sagt der Ex-Banker.

20. Kaufen Sie sich ein billigeres Auto

Viel Geld können britische Banker auch sparen, wenn sie sich ein Auto anschaffen, das wenig verbraucht und von der dortigen Kfz-Steuer ausgenommen ist. So erzählte ein Banker: „Ich habe meinen Volvo im vergangenen Jahr gegen einen Prius ausgetauscht“, sagt er. „Seither habe ich ein Vermögen an Kfz-Steuern, Benzin und Versicherung gespart.“

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