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Interview mit UBS-Direktor: Wieso es sich beim Aktiengeschäft immer noch um den besten Bankingjob handelt

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In Equity Capital Markets (ECM) zu arbeiten, stellt immer noch den besten Allround-Job im Banking dar, aber nur wenn Sie dem Druck von Milliarden schweren Underwriting-Deals gewachsen sind, meint Richard Slejpen, ECM Executive Director bei der UBS in Sydney.

Sleijpen arbeitet für die UBS in Australien seit fast zehn Jahren und wechselte 2008 vom Anleihen- ins Aktiengeschäft. Laut Sleijpen erfordern ECM-Funktionen eine ganze Reihe von Kompetenzen von der Kundenansprache und dem Risikomanagement bis hin zu mathematischen Fähigkeiten und profunden Geschäftskenntnissen. Wir haben mit Sleijpen darüber gesprochen, was es heißt, in ECM zu arbeiten, wieso die internationalen Banken noch nicht zu Neueinstellungen bereit sind und wieso ein Job in Australien eine internationale Karriere beflügelt.

Sie haben im Anleihegeschäft angefangen. Wieso sind Sie ins Aktiengeschäft gewechselt?

In 2008 hat die UBS ihr ECM- und ihr- DCM-Geschäft stärker aufeinander abgestimmt, um eine Kapitalmarkt-Einheit zu schaffen, wobei mir die Chance offeriert wurde, von DCM zu ECM zu wechseln. Es war auf dem Höhepunkt der Finanzkrise und weil sich die Märkte auf die Unternehmensbilanzen und strukturierte Kreditprodukte konzentrierten, sah ich eine Gelegenheit gekommen, mein DCM-Wissen ins Aktiengeschäft einzubringen. Es handelte sich um eine steile Lernkurve. Sicherlich führen beide Bereiche „Capital Markets“ im Namen und erfordern Einsatz von Ihnen, dennoch unterscheiden sich die Märkte, die Produkte und viele Jobanforderungen. Im festverzinslichen Geschäft sind Sie oft hauptsächlich mit dem Marketing und dem Verkauf der Produkte beschäftigt. Im Aktiengeschäft liefern Sie oft tatsächlich das Underwriting (die Platzierung von emittierten Aktien bei Investoren), was ein wesentlich größeres Risiko darstellt. Dabei ist das Risiko sowohl aus Sicht der Bank als auch aus Ihrer persönlichen Perspektive höher.

Wie unterscheiden sich die Kunden?

Auch dies stellt einen großen Unterschied dar: Der Kundenpool in DCM ist kleiner. So sind z.B. in Australien die vier größten Banken für die Mehrheit der Deals und der Gebühren verantwortlich. Dagegen stellen im Aktiengeschäft die 300 größten börsennotierten Unternehmen Ihre potenzielle Kundengruppe dar. Dazu benötigen Sie ein breites Verständnis für die Erträge des Unternehmens und was tatsächlich für ihren Geschäftserfolg verantwortlich ist.

Welches war die interessanteste ECM-Transaktion, an der Sie mitgewirkt haben?

Es handelte sich um ein 3,3 Mrd. Dollar schweres Trading-Geschäft, das die UBS in 2010 für Royal Dutch Shell abgewickelt hat, als der Konzern seinen Anteil an dem australischen Ölkonzerns Woodside  vekaufte – dabei handelte es sich um einen der größten Blocktrades, den eine einzelne Bank jemals abgewickelt hat. Die Zeit, die ein solches Geschäft von Anfang bis zu Ausführung dauert, wird oftmals unterschätzt – ebenso wie die erforderliche Ausdauer und Energie. Ein großes Risiko wird von einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Personen geschultert. Nicht vielen Leuten ist bekannt, welch einen Druck ein solches Risiko ausübt.

Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Sie können viel Selbstbewusstsein daraus ziehen, wenn Sie sich daran erinnern, wie viele Deals Sie in der Vergangenheit erfolgreich abgeschlossen haben. Darüber hinaus stützen Sie sich auf die erprobten Abläufe bei Ihrem Unternehmen und Sie ziehen ebenfalls Selbstvertrauen aus Ihren Teamkollegen, wenn Sie sehen, wie diese während des Deals agieren und wie sie ihre Arbeit trotz des Drucks mit großartiger Integrität erledigen. Denn Sie sind gegenseitig an Ihrem Erfolg beteiligt.

Wie beurteilen Sie den ECM-Markt derzeit?

In 2009/10 haben in Australien viele Unternehmen ihr Eigenkapital aufgestockt; im Vergleich dazu fallen die Aktienemissionen seither deutlich geringer aus. Dennoch gibt es weltweit und bei australischen Börsengängen positive Signale, was den ECM-Volumen aufhelfen könnte. Wir befinden uns vielleicht an einem Wendepunkt.

Nehmen Sie Neueinstellungen vor, um sich für den Aufschwung vorzubereiten?

Kürzlich haben wir einen neuen Absolventen für unser Kapitalmarkt-Geschäft eingestellt und insgesamt ist unser Team stabil. Für weitere Neueinstellungen ist es allerdings noch zu früh. Wir brauchen einen längere Zeit positiver Kapitalmarktaktivitäten, bevor dies stattfindet. Dies gilt wahrscheinlich für die meisten Banken weltweit.

Würden Sie einem Uniabsolventen empfehlen, ins Aktiengeschäft einzusteigen?

Die Märkte weltweit und in Australien waren im vergangenen Jahr sehr schwierig. Aber dies geht teilweise auf zyklische Effekte zurück, daher denke ich, dass unabhängig von der aktuellen Stimmung an den Märkten die Gründe, um in die Branche einzusteigen, die gleichen sind wie zuvor. Sie müssen Interesse für die Kapitalmärkte und das Geschäft mitbringen und Sie müssen es begrüßen, mit den hellsten Köpfen in der Geschäftswelt zusammenzuarbeiten. Wenn Sie tatsächlich hierfür eine Leidenschaft mitbringen, ja, dann kann dies die richtige Karriere für Sie darstellen.

Was müssen Sie mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Ich denke, es handelt sich um einen Job im Banking, der die meisten unterschiedlichen Kompetenzen erfordert. Sie benötigen ein gutes Verständnis für die feineren Details bei Unternehmen, sie müssen sich gut in Mathe auskennen und in der Kundenansprache brillieren. Nur gut rechnen zu können, reicht nicht aus. Es mag sich wie ein Klischee anhören, aber wenn Sie nicht gut mit Menschen umgehen können, dann werden Sie nicht erfolgreich sein. Teamworking ist vom ersten Tag an ausschlaggebend. Die Arbeit in ECM erfordert eine Zusammenarbeit mit anderen Bereichen der Bank. Darüber hinaus sprechen Sie jeden Tag mit Kunden und führenden Persönlichkeiten aus der Wirtschaft.

Stellt die Arbeit in Australien einen sinnvollen Karriereschritt dar?

Es handelt sich offensichtlich um keinen so großen ECM-Markt wie etwa in London oder an anderen großen Finanzzentren. Aber der Vorteil ist, dass es sich um einen hartumkämpften Markt handelt, wo viele Banken um ein begrenztes Geschäftsvolumen kämpfen. Diese bedeutet, dass Sie hier sehr gut sein müssen, um erfolgreich zu sein – die Geschäfte kommen nicht von selbst. Wer also seine Karriere in Australien beginnt, erwirbt Kompetenzen und kann oft seine Berufserfahrung nutzen, um eine erfolgreiche Karriere in größeren Märkten aufzubauen.

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