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Welche Chancen Investmentbanker in Corporate Finance-Boutiquen haben

Die Grossen fressen die Kleinen. So ist das M&A-Geschäft. (Foto: Terry Goss)

Die Grossen fressen die Kleinen. So ist das M&A-Geschäft. (Foto: Terry Goss)

Aufgrund des globalen Kahlschlags bei den Mitarbeiterzahlen spielt so mancher ehemaliger Investmentbanker mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen oder bei einer Boutique anzuheuern. Tatsächlich schauen sich viele Boutiquen nach gutem Personal um. Doch ein erstklassiges Fluchtziel für geschasste Investmentbanker stellen die Corporate Finance-Boutiquen nur bedingt dar.

Schwieriges Geschäftsumfeld

„Der Markt ist leider kleiner geworden“, berichtet Omar Abou el Maati, Gründer und Chef von AEM Advisors, einer Corporate Finance Boutique in Zürich. Kaum jemand bringe derzeit den Mut auf, ein Unternehmen zu kaufen. Um die wenigen Mandate werde der Konkurrenzkampf immer härter und die „Fees“ würden sinken. „Beides zusammen ist wirklich eine Herausforderung“, berichtet Abou el Maati.

Gerade in der Schweiz würden zudem einige der Banken versuchen, Corporate Finance zu benutzen, um für ihr Wealth Managment-Geschäft einen Fuß in die Tür zu bekommen und neue Assets under Management einzuwerben. „Es werden Transaktionen zu günstigen Konditionen abgewickelt, wenn der Patron das erzielte Geld dort anlegt“, beobachtet Abou el Maati. Das erschwert die Konkurrenzsituation zusätzlich.

Dealvolumen in der Schweiz hat zugenommen

Dennoch scheint es auch Lichtblicke für Corporate Finance-Boutiquen zu geben: So profitierten diese Häuser vom gesunkenen Vertrauen in die Banken. Darüber hinaus gewinnen auch Käufer aus den Schwellenländern an Bedeutung. „Die Emerging Markets kaufen kräftig ein, weil sie an europäischer Technologie interessiert sind“, erzählt Abou el Maati.

„Es gibt sehr erfolgreiche Corporate Finance Boutiquen“, meint indes Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. Diese seien oft auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus den deutschsprachigen Ländern spezialisiert. „Die KMU gewinnen an Wichtigkeit, weil sie weniger von der Krise betroffen sind“, ergänzt Surber.

Rein statistisch scheint das M&A-Geschäft in der Schweiz gar nicht so schlecht gelaufen zu sein. So registrierte Ernst & Young 2012 in der Schweiz insgesamt 606 Deals. Damit sei zwar die Zahl der Transaktionen um 16 Prozent gesunken, dennoch habe das Transaktionsvolumen gegenüber dem Vorjahr um stolze 116 Prozent auf 111 Mrd. Franken zugenommen. Für 2013 erwartet Ernst & Young einen leichten Aufwärtstrend.

Doch diese Zahlen täuschen, denn von dem Geldsegen entfallen allein 48,5 Mrd. Franken auf die Übernahmen von Xstrata durch den Rohstoffgiganten Glencore. Darüber hinaus finden die KMU-Transaktionen regelmäßig unterhalb des Radarschirms statt, weshalb die Statistiken für den KMU-Sektor wenig aussagekräftig sind.

Was Investmentbanker mitbringen müssen

Den Wechselwillen von Investmentbankern zu den Boutiquen sieht Abou el Maati differenziert: „Sich als Investmentbanker im gegenwärtigen Umfeld selbstständig zu machen, ist enorm schwierig, da sie erst ein Netzwerk aufbauen müssen.“

Allerdings sieht Abou el Maati durchaus Chancen für jüngere Investmentbanker, falls sie zwei oder mehr Jahre in einer entsprechenden Funktion bei einer Investmentbank gearbeitet haben. Eine weitere Mitarbeiterquelle stellen die Corporate Finance-Beratungen der Big 4 oder andere Boutiquen dar. „Die müssen das ja irgendwo gelernt haben“, sagt Abou el Maati. „Auch Boutiquen stellen Leute von der Uni an und bilden sie aus.“ Ehemalige Banker würden bei einer Boutique „mehr Flexibilität und weniger Bürokratie“ erwarten.

Durchaus Chancen bei den Boutiquen sieht auch Surber: „Ehemalige Investmentbanker sind bei den Boutiquen sehr begehrt“, erzählt Surber. Besonders gefragt seien Leute auf dem Executive Director oder Director Level, die etwa zehn Jahre Berufserfahrung mitbringen und Mitte bis Ende 30 sind. Denn diese Personen würden das erforderliche Netzwerk besitzen. „Auch an Analysten und Associates spart man nicht. Die sind immer gefragt“, ergänzt Surber. Denn diese würden oft die Grundlagenarbeit leisten.

Laut Surber haben dabei auch Investmentbanker eine Chance, die während der jüngsten Abbauwellen ihren Job verloren haben. Längst würde es nicht nur die schwächeren Mitarbeiter treffen. „Es sind gute Leute auf den Markt“, betont Surber.

Während der Krise hätte der Wechselwillen von den großen Investmentbanken zu den eher kleinen Boutiquen zugenommen. „In den guten Jahren war das eher nicht der Fall, jetzt kommt das immer häufiger vor“, beobachtet Surber. Dennoch würden Investmentbanker zunächst lieber zu Private Equity oder Family Offices wechseln. Erst an dritter Stelle kämen die Corporate Finance-Boutiquen. Allerdings gibt es auch einen Nachteil, sagt Surber: „Bei den Basisgehältern müssen die Investmentbanker bei einer Boutique Abstriche hinnehmen.“

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