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Wieso Frauen in Luxemburg mehr verdienen als Männer

Climbing the ladder this year

Climbing the ladder this year

Für Frauen scheint es sich zu lohnen, in Luxemburg zu arbeiten. Denn gerade für Berufseinsteiger stellt das ebenso kleine wie reiche Großherzogtum das einzige Land auf der Erde dar, wo laut der nationalen Statistikbehörde Statec die Durchschnittsgehälter von Frauen höher als diejenigen von Männern ausfallen. So lag der Median der Jahresgehälter bei vollzeitangestellten Frauen in 2010 bei 45.767 Euro und damit 3 Prozent über dem von Männern bei 44.224 Euro.

„Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass Frauen dazu tendieren, in hochbezahlten Branchen zu arbeiten“, heißt es in der Statec-Studie. So arbeiten mehr als ein Viertel der weiblichen Angestellten im Großherzogtum in den lukrativsten Sektoren wie z.B. den Finanzdienstleistungen. Bei den Männern sind es lediglich 15 Prozent.

Dennoch warnen Experten davor, diese Zahlen überzubewerten. Denn in die Studie würden die unterschiedlichsten Daten einfließen – von privaten und öffentlichen Arbeitgebern. Doch obgleich die Frauen auch die Finanzdienstleistungen im Großherzogtum nicht dominieren, stellen sie immerhin 47 Prozent der Beschäftigten.

Sprachkenntnisse, Ausbildung und Kompetenzen stellen Vorteile dar

Das Recruitmentunternehmen Robert Walters bestätigt unterdessen, dass die weiblichen Kandidaten in Luxemburg sogar eine kleine Mehrheit ausmachen. „Unter den hochqualifizierten Bewerbern in Finance – wie in Compliance oder Risk – sind die Frauen zahlreicher, weil sie dazu tendieren, besser qualifiziert als männliche Bewerber zu sein und oftmals mehr Fremdsprachen beherrschen.  Dabei handelt es sich um zwei wertvolle Vorteile, die ihre Vergütung in die Höhe treiben“, sagt Robert van den Oord, der bei Robert Walters in Luxemburg die Finanzdienstleistungen leitet. Für gesuchte Profile können die Vergütungen um 20 bis 25 Prozent über denjenigen in Paris oder London liegen.

Darüber hinaus scheinen weibliche Finanzprofis in Luxemburg weniger von Diskriminierung betroffen zu sein als anderswo. „Der Finanzsektor hungert nach Talenten, aber findet nicht immer so viele Profis wie er wünscht. Daher kann er es sich nicht leisten, Frauen zu diskriminieren“, erläutert Sharon March vom Coaching-Unternehmen March Senior Consult. „Davon brauchen wir Banken und Fonds nicht zu überzeugen. Sie beginnen schon zu verstehen, welche Vorteile Diversity für ihr Geschäft mitbringt.“

In einer seltenen branchenweiten Initiative hat die Luxemburger Bankenvereinigung ABBL eine Charta zu Diversity und gleichen Karrierechancen veröffentlicht. Und bereits seit 2001 sind entsprechende Prinzipien in den Tarifverträgen enthalten.

Dem Markt ist das Geschlecht egal

Laut Jean-François Marlière, Gründer und Partner des Executive Search-Unternehmens Malière & Gerstlauer, nehmen die Arbeitgeber in Luxemburg hierzu eine eher pragmatische Haltung ein. „Luxemburg stellt einen kleinen, atypischen Markt dar, der eine Menge hochqualifizierter Jobprofile hervorbringt.  Während reine Backoffice-Funktionen derzeit nach Osteuropa und Indien outgesourct werden, ist es schwierig, hier Spezialisten zu finden.“

Dieser Mangel an Talenten bringt Luxemburger Arbeitgeber dazu, den Talentpool möglichst weit auszuschöpfen. Laut Marlière spielen Geschlecht und Nationalität dabei keine Rolle. Auch March sieht in der Luxemburger Entwicklung einen Hoffnungsschimmer für Frauen. „Hier sind nur Kompetenzen von Bedeutung – Ihr Geschlecht spielt keine Rolle“, sagt March.

Es kann noch besser werden

Doch es gibt immer noch Spielraum für Verbesserungen. So stellen Frauen in den Geschäftsführungen Luxemburger Finanzdienstleister immer noch eine Minderheit dar. Den Anteil beziffert die ABBL auf gerade einmal 16 Prozent. Auch die nahezu zweijährige Diskussion über eine Frauenquote in den Geschäftsführungen hat bislang zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. „Der Bankensektor stellt nahezu gleichermaßen Frauen und Männer ein, dennoch verlaufen ihre Karrieren unterschiedlich“, sagt Danielle Haustgen, die Juristin bei der ABBL ist.

So machen Frauen laut der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF unter den Führungskräften lediglich 27 Prozent aus. Allerdings sei der langfristige Trend ermutigend: Der Anteil legt langfristig zu – in 1996 betrug er lediglich 15 Prozent.

Wie anderswo auch stellen Mutterschaft und Kinderbetreuung Hindernisse auf dem Karriereweg dar. Dennoch hat sich die Zahl der Kindertagesstätten seit 2005 verdoppelt. Adela
Baho animiert Frauen, weiterhin für ihre Rechte einzutreten. Baho arbeitet als Financial Risk-Managerin bei der European Fund Administration (EFA) und ist nebenberuflich bei der Luxemburger CFA-Gesellschaft im Karrierecoaching tätig. „Frauen sind hier gewillt, mehr Wissen als Männer zu erwerben, weil sie wissen, dass sie sich auf ihre Kompetenzen und nichts anderes verlassen können. Wie anderswo auch verfügen die Männer über besser Netzwerke.“

Eine Fülle von Strategien

Das Ministerium für Gleichstellung ermutigt Unternehmen seit der Einführung des DivBiz-Diversity-Netzwerks in 2011, die besten Diversity-Strategien zu implementieren. Darüber hinaus hat die Regierung ein Computer-Programm entwickelt, mit dem sich mögliche Gehaltsdiskriminierungen zwischen den Beschäftigten aufdecken lassen. Laut der ABBL wird dies mittlerweile von 30 Prozent der Banken in Luxemburg eingesetzt. „Diese Unternehmen haben beschlossen, dass es keine Gehaltslücken zwischen Männern und Frauen in gleichen Positionen und mit gleichen Kompetenzen geben dürfe“, sagt Haustgen von der ABBL.

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