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Weshalb bei der Deutschen Bank die Mitarbeiter besser verdienen, obgleich der Bonuspool sinkt

Die Deutsche Bank hat heute die Märkte mit einem unerwarteten Verlust vor Steuern in Höhe von 2,6 Mrd. Euro im vierten Quartal geschockt. Analysten hatten im Vorfeld mit einem kleinen Gewinn von rund 100 Mio. Euro gerechnet.

Verantwortlich für dieses Desaster war jedoch weniger das operative Geschäft als immense Abschreibungen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen damit reinen Tisch in der Bilanz des deutschen Branchenprimus machen wollten.

Die traurigen Ahnungen über einen mageren Bonus für 2012 haben sich unterdessen bewahrheitet. „Die Bank hat den Bonuspool deutlich reduziert. Die variable Vergütung für das Gesamtjahr verringerte sich auf einen Anteil von 9 Prozent an den Erträgen – das niedrigste Niveau seit vielen Jahren“, heißt es von dem Bankenriesen.

Dagegen hatte der Anteil in 2011 noch bei 11 Prozent und in 2006 sogar noch bei 22 Prozent gelegen. Diese Entwicklung kommentierte die Bank lapidar: „Das Management ist fest entschlossen, einen tiefgehenden Kulturwandel bei der Deutschen Bank umzusetzen.“ Damit purzelt der Bonuspool im Vergleich zum Vorjahr von 3,6 auf nur noch 3,2 Mrd. Euro.

Variable compensation at Deutsche

Headhunter Andreas Krischke von Indigo Headhunters rechnet nicht mit einem größeren Abgang enttäuschter Mitarbeiter. „Die Deutsche Bank würde diesen Schritt nicht machen, wenn sie eine Abwanderung erwarten würde“, sagt Krischke. Der deutsche Branchenprimus geht offenbar davon aus, dass auch bei den Wettbewerbern ähnliche Enttäuschungen drohen.

Baranteil an den Boni steigt

Darüber hinaus scheint die Bank interessante Änderungen an der Vergütungsstruktur vorzunehmen. „Zusätzlich hat die von Jürgen Hambrecht geleitete Vergütungs-Kommission eine Reihe von Empfehlungen abgegeben, die bereits in die Vergütung für das Jahr 2012 eingeflossen sind. Die Kommission hat beispielsweise empfohlen, den aufgeschobenen Anteil der Vergütung zu verringern, um damit die Vergütungskosten in künftigen Jahren zu reduzieren“, heißt es von der Deutschen Bank weiter.

Laut Personalvorstand Stephan Leithner sei die Deutsche Bank in der Vergangenheit bei dem hohen Anteil der aufgeschobenen Vergütungen vorgeprescht – und zwar weit vor das Wettbewerbsumfeld und die regulatorischen Erfordernisse. Dies mache die Bank nun rückgängig. Mithin werden die Mitarbeiter 53 Prozent ihrer Boni für 2012 in Cash erhalten; in 2011 waren es lediglich 39 Prozent gewesen.

Eine Besonderheit gilt indes für die 150 Spitzenverdiener des Konzerns. Ihre Boni werden über fünf Jahre gestreckt ausbezahlt. Bei den restlichen Mitarbeitern beläuft sich dieser Zeitraum auf maximal drei Jahre.

Deutsche deferrals

Bei dem Stellenabbau ist die Deutsche Bank unterdessen ein großes Stück vorangekommen. Die Mitarbeiterzahl verminderte sich seit Jahresende um 3 Prozent auf nur noch 98.219 Beschäftigte. Allein im vierten Quartal gingen rund 2250 Stellen flöten.

Trotz Kosteneinsparungen bekommen die Mitarbeiter deutlich mehr Geld

Zwar ist der Bonuspool kleiner geworden, dennoch hat der gesamte Personalaufwand im Konzern um 3 Prozent auf gut 13,5 Mrd. Euro zugenommen. Da gleichzeitig die Beschäftigung abnahm, wandte die Bank pro Mitarbeiter durchschnittlich gut 137.700 Euro auf, was ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 5,9 Prozent bedeutet.

Auch in Corporate Banking & Securities, dem Investmentbanking der Deutschen Bank, dürfen sich die Mitarbeiter über dickere Gehaltstüten freuen. Denn der Personalaufwand legte in der Sparte um 2 Prozent auf 6,365 Mrd. Euro zu. In der gleichen Zeit sank die Mitarbeiterzahl jedoch um 4 Prozent auf 28.559 Beschäftigte.

Noch stärker traf es das Frontoffice, wo 1389 Stellen binnen Jahresfrist wegfielen. Der Personalstand vermindert sich dort also um 13 Prozent auf knapp 9100 Mitarbeiter. Jeder Investmentbanker strich also durchschnittlich gut 222.000 Euro ein, was ein Plus gegenüber 2011 von 6,8 Prozent bedeutet.

Kommentare (3)

Comments
  1. Ich halte es für gewagt, gestiegenen Personalaufwand 1:1 mit höheren Gehältern zu setzen. Werden nicht Abfindungszahlungen in der G+V als Personalaufwand bilanziert ? Wenn nun eine recht hohe Anzahl an MA ausscheided ist anzunehmen, dass der Personalaufwand steigt, denn zumeist fließen hier üppige Abfindungszahlungen – gerade bei den großen Banken. Interessanter fand ich eine andere Meldung diese Woche. Bei den AT-Angestellten droht wohl eine Nullrunde. Laut Zeitungsbereicht betrifft dies die Hälfte der MA der Deutschen Bank in D. Heisst, nur noch 50% der Angestellten der Deutschen Bank werden überhaupt nach Tarif bezahlt und verdienen maximal knapp 61000,- /Jahr ( 13 Tarifgehälter plus 0,75 Bonus im Schnitt -sollte drin sein- mal TG9 11. Berufsjahr +VL). Der Rest (deutlich) mehr. Da muss man sich fragen, ob hier einige nicht überbezahlt sind.

  2. Das angenehme für die Bank mit dem hohen AT Mitarbeiteranteil: diese Mitarbeiter haben keinen Anspruch auf Vergütung der Mehrarbeit. Egal ob 40h, 50h oder 60h, egal ob Wochende- oder Feiertagsarbeit. Ob die ATler also überbezahlt sind, ist eine Frage der Sichtweise.

  3. Es gibt aber auch Fälle, die lassen genau nach 7,48 Stunden/Tag den Stift fallen und gehen nach Hause. Während TGler gerne Überstunden machen, da sie die bezahlt bekommen ( des Öfteren sogar noch mit Faktor wie zB 1,1 oder 1,25) und so mehr Gehalt generieren können, haben ATler (wie Sie richtig erwähnen) nichts von Überstunden. Wozu also eine Minute länger bleiben ? Gilt sicherlich nicht für alle ATler. Es ist aber auch nicht so, als würden sich hier nur die Workaholics tummeln mit 50 / 60 Stunden-Wochen.

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