☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Wieso Sie nicht für einen Staatsfonds arbeiten sollten

Robert-Moxon

Da der Kahlschlag beim Personal mittlerweile den gesamten Finanzdienstleistungssektor erfasst, werfen einige der Beschäftigten begehrliche Blicke auf Berufschancen bei den großen Staatsfonds, die – besonders im Mittleren Osten – noch kräftig einstellen. Doch nach meiner Erfahrung könnten Sie dann gleich im öffentlichen Dienst anfangen.

Daher wären Sie meiner Meinung nach verrückt, wenn Sie eine Stelle bei einem der großen Staatsfonds in der Region annehmen würden. Denn sie sind groß, wahre Ungeheuer, wo die Entscheidungsprozesse mühselig sind und der Wohlstand wächst, gleich wie die Investmentstrategie ausfällt.

Eine lange Unternehmenszugehörigkeit ist bei diesen Staatsfonds nicht weit verbreitet und die Wachablösung alle zwei bis fünf Jahre reflektiert nur die Tatsache, dass die Performance der Investments enttäuscht. Fairerweise muss man sagen, dass es sehr schwer fällt, sich dort einen Namen zu machen. Denn jede Entscheidung wird durch ein Komitee getroffen, wodurch die persönlichen Verantwortlichkeiten stark verwässert werden. Die Staatsfonds bestehen darauf, dass sie die Performance-Stars einstellen wollen, die Elite der Finanzdienstleistungen. Doch diese Leute bekommen kaum eine Chance zu glänzen.

Nehmen wir z.B. den Recruitmentprozess. Den Managern wird nicht etwa erlaubt, ihre eigenen Teams zusammenzustellen, vielmehr muss ein Gremium mit jedem potenziellen Mitarbeiter ein Vorstellungsgespräch führen. Dabei handelt es sich um einen langen Prozess – selbst im Vergleich zu den Investmentbanken, die die Einstellungsprozesse ebenfalls in die Länge ziehen. Die Zustimmung aller Involvierten zu einem Kandidaten zu erlangen, kann dabei sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Insgesamt versprüht dies den Charme einer Behörde. Da so viele Leute in den Recruitment-Prozess eingebunden sind, müssen die Qualifikationen potenzieller Bewerber möglichst leichtverständlich kommuniziert werden. Daher sollten die großen Namen im Lebenslauf dominieren – gleich ob Arbeitgeber, Universitäten, MBAs oder CFAs.

Doch welch Personenschlag ist für einen Staatsfonds geeignet? Dies läuft auf bescheidene, hochqualifizierte Personen hinaus, die gewillt sind, für Prestige und Geld Kompromisse einzugehen. Seit die großen Boni Geschichte sind, hat die Wettbewerbsfähigkeit der Staatsfonds bei der Vergütung zugelegt. Doch insgesamt sollten Sie von Abstrichen ausgehen, was ebenfalls der Mentalität des öffentlichen Dienstes entspricht.

Die Welt sucht Leute mit Geschäftssinn, aber da es hier keine persönliche Verantwortung gibt, können Sie Ihren Geschäftssinn auch nicht entfalten. So ist es nahezu unmöglich, einen Termin für ein Meeting mit einem Fondsmanagers eines Staatsfonds vom Persischen Golf zu erhalten – einfach weil diese zu viele Besuche von externen Managern erhalten.

Wenn Sie eine hochqualifizierte, bescheidene Persönlichkeit sind, die es ein wenig langsamer angehen lassen will, dann liegen Sie mit einer Bewerbung bei Staatsfonds goldrichtig. Doch andernfalls sollten Sie einen Bogen um diese Arbeitgeber machen.

Robert Moxon ist ein Private Equity-Veteran in Bahrain und arbeitet seit Mitte der 90er Jahre im Mittleren Osten. Dabei hat er diverse Positionen in Private Equity und Fondsmanagement in Saudi Arabien, Bahrain und London durchlaufen.

 

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier