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INTERVIEW mit Senior Headhunter Andreas Weik: Was die Konsolidierung der Bankenlandschaft für den Arbeitsmarkt bedeutet

AndreasWeik

Die deutsche Bankenlandschaft scheint ein wenig dem neuen Berliner Flughafen zu gleichen: Überall Baustelle und nichts geht voran. Doch wie könnte eine Konsolidierung aussehen und welche Auswirkungen haben die anstehenden Restrukturierungen auf den Arbeitsmarkt für Finanzprofis? Dazu haben wir Andreas Weik befragt, der bei dem Executive Search-Unternehmen Heads! das Geschäft mit den Finanzdienstleistungen leitet.

Wie beurteilen Sie die Restrukturierung der deutschen Bankenlandschaft?

Dies hängt u.a. auch von den Renditezielen der Banken ab. Wenn wir die Hypo Vereinsbank betrachten, die eine Eigenkapitalrendite von 15 bis 18 Prozent erwirtschaften möchte, dann muss sie ihre Organisation restrukturieren.

Durch die Staatsbeteiligung steht die Commerzbank vor besonders großen Herausforderungen. Denn dadurch fällt der eigentlich erforderliche Personalabbau schwerer. Ähnliches gilt für die Landesbanken, wo ältere Mitarbeiter sogar noch über Beamtenversorgungsverträge verfügen, welche einen Abbau nahezu unmöglich machen.

Mit den Restrukturierungen haben eigentlich alle zu kämpfen. Am weitesten sind eigentlich die DZ Bank und die Deutsche Bank, die schon frühzeitig mit den erforderlichen Maßnahmen begonnen haben. Und auch die Banken, die es – wie die IKB – bereits frühzeitig in der Finanzkrise getroffen hat, sind mit der Restrukturierung vergleichsweise weit.

Eine besonders große Baustelle stellt sicherlich die Commerzbank dar. Dort verdient eigentlich nur die ‚Mittelstandsbank‘ richtig Geld. Was müsste Bankchef Martin Blessing unternehmen, um das Institut wieder flottzumachen?

Wie die meisten Banken hat die Commerzbank ein Problem im Retailgeschäft. Eigentlich müssten sie das gesamte Filialgeschäft auf die Comdirect übertragen. Sicherlich kann man nicht alle Filialen schließen  – schon aus Marketinggründen nicht. Darüber hinaus hat die Commerzbank langfristige Mietverträge in den besten Lagen, einen starken Betriebsrat, eine Staatsbeteiligung von 25 Prozent und eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2013. Da ist ein massiver Abbau eigentlich nicht zu machen. Der Abbau von einigen Stellen im Investmentbanking bringt die Commerzbank nicht wirklich weiter, zumal die Commerzbank weiterhin Investmentbanking-Dienstleistungen für die Mittelstandsbank bereitstellen muss.

Da die Commerzbank bereits im Investmentbanking stark abgebaut hat, dürfte hier doch kaum noch Einsparpotenzial bestehen?

Doch! In einigen Gebieten wie im Equity Capital Markets-Geschäft ist die Commerzbank weiterhin überbesetzt.

Darüber hinaus soll in Zukunft die Mittelstandsbank für das Unternehmensgeschäft ab 5 Mio. Euro zuständig sein – bislang lag die Marke bei 20 Mio. Euro. Dies sorgt für Unruhe in den Filialen. Wenn dann auch noch die Zinsen niedrig bleiben, dann wird es der Commerzbank sehr schwer fallen, im Filialgeschäft als Mittelstandsbank Geld zu verdienen. Aus diesem Grund werden auch andere Banken – wie die Sparkassen – mit ihrem Filialgeschäft kaum noch Geld verdienen.

Dies führt doch zu einer grundlegenden Frage: Wir wird das Retailbanking in zehn Jahren aussehen. Wird es dann die klassische Bankfiliale noch geben?

Die Filialen könnten abgespeckt weiterexistieren. Allerdings müssten dann die Prozesse wie z.B. bei der Kreditvergabe für Firmen und Privatkunden weiter automatisiert werden. So können die Vergabeentscheidungen mit einem Risikomanagementsystem hinterlegt werden, in dem die Ausfallwahrscheinlichkeiten etc. berechnet werden, dann kann eine Filiale ganz schlank gestaltet sein. So benötigen Sie keinen Kreditanalysten mehr vor Ort, sondern dieser ist zentral angesiedelt. Im Prinzip funktioniert das alles schon. Unter dem Strich wird hier ein drastischer Personalabbau erforderlich werden.

Dabei steht die Restrukturierung ja eigentlich schon seit Mitte der 80er Jahre an. Es ist seit langem klar, dass die Banken eine viel zu große Infrastruktur und viel zu viele interne Stellen geschaffen haben, die der Bank eigentlich kein Geld bringen. Die Banken müssen stärker automatisieren. Sicherlich lassen sich die unterschiedlichen Branchen nicht immer miteinander vergleichen. Dennoch scheint die Automobilindustrie in der Optimierung und Automatisierung von Prozessen deutlich weiter als die Banken zu sein.

Eine weitere Baustelle stellen die Landesbanken dar. Welches Geschäftsmodell sehen Sie denn dort in Zukunft?

Derzeit konzentrieren sich die Landesbanken auf das Mittelstandsgeschäft. So machen NordLB oder BayernLB Filialen z.B. in Düsseldorf auf. Da sie sich immer noch günstig refinanzieren können, versorgen sie den deutschen Mittelstand mit billigen Krediten. Doch mit der üppigen Kreditvergabe wächst das Risiko, dass in einigen Jahren wieder eine Landesbank in die Krise gerät und mit Steuergeldern gerettet werden muss. Ob dies das richtige Geschäftsmodell darstellt, wage ich zu bezweifeln.

Die Landesbanken haben sich von ihrem ursprünglichen Auftrag entfernt, die Sparkassen bei großen Geschäften zu unterstützen. Bestes Beispiel ist die WestLB, die in den 90er Jahren auf der gleichen Augenhöhe wie Dresdner und Deutsche Bank spielen wollte, was gründlich daneben ging. Vielleicht gibt es in Zukunft eine NordLB im Norden, eine Helaba in der Mitte und eine LBBW/BayernLB im Süden.

Generell scheint die Politik bei der Konsolidierung des deutschen Bankensektors keine konstruktive Rolle zu spielen. Denn der Staat hält nicht nur große Beteiligungen an den Landesbanken, sondern auch an der Commerzbank, der HRE etc. Dennoch ist kein Konzept in Sicht.

2013 steht die Bundestagswahl an. Momentan ist es en vogue, auf die Banken einzuschlagen. Daher hegt die Politik derzeit kaum Interesse, ein Konzept vorzulegen.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland nicht einmal einen gemeinsamen Bankenverband. So gibt es den Bundesverband deutscher Banken, den Deutschen Sparkassen- und Giroverband und den Bundesverband der Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenbanken, den Verband der Auslandsbanken usf. Es gibt keinen Dachverband der Banken, weil sie zum Teil alle unterschiedliche Interessen verfolgen.

Vor dem Hintergrund der unzähligen Baustellen im deutschen Bankensektor, was würden Sie jüngeren Leuten raten, die hier ihre Karriere aufbauen wollen?

Die Banken stecken in der Zwickmühle. Ich habe im vergangenen Jahr ein Projekt gehabt, bei dem Leute mit vier bis sechs Jahren Erfahrung im M&A-Geschäft gesucht wurden. Von diesem Profil gibt es vielleicht 100 bis 120 weltweit, die auch noch Deutsch sprechen können. Davon will ein erklecklicher Anteil aus dem Investmentbanking aussteigen. Für die Verbleibenden sind die Chancen natürlich gut, weil es dann weniger Kandidaten gibt.

Wenn jemand in das Geschäft hineingehen will, dann sollte er sich nicht vom großen Geld blenden lassen. Denn dies wird wahrscheinlich weniger werden und eher bei den Boutiquen verdient werden.

Dann müsste die Lösung doch heißen, bei den Boutiquen anzufangen. Aber rekrutieren diese nicht lieber jemanden mit ein paar Jahren Berufserfahrung bei einer Großbank?

Klar hätten die sie gerne. Aber diese Leute sind oftmals ‚gebranded‘. Die gehen lieber zu den großen Namen aus dem DAX wie z.B. BMW. Auch wer von einer der großen Investmentbanken vor die Tür gesetzt wird, schielt zuerst nach dem DAX. Denn bei solchen Leuten steht die Frage im Vordergrund: ‚Wie kann ich meinen Marktwert halten‘. Bei den meisten Corporates wird zwar weniger gezahlt, aber die Brand macht einfach mehr her. Darüber hinaus bieten Konzerne oftmals gute Entwicklungsmöglichkeiten z.B. im Ausland. Bessere Chancen haben Boutiquen, die heute schon eine Brand sind wie Perella Weinberg, Rothschild oder Lazard.

Miserables Ansehen, ultralange Arbeitszeiten, sinkende Gehälter – wie können Banken als Arbeitgeber wieder attraktiv werden?

Sie müssen wie BMW oder Daimler an ihrem Image als Arbeitgeber arbeiten, sie müssen lernen, eine Marke zu entwickeln. Sie müssen dafür sorgen, dass die Leute wie in der Industrie Arbeitserfahrung im Ausland sammeln können, um so ihre Karriere voranzubringen. Dabei zahlen Industrieunternehmen wie BMW bei vergleichbaren Positionen weniger als die Deutsche Bank, dennoch sind sie als Arbeitgeber begehrt.

Wer wird in 2013 noch einstellen?

Die Boutiquen werden sicher noch den einen oder anderen Mitarbeiter einstellen. Und es wird sicherlich auch mehr ‚unregulated business‘ entstehen. Überdies werden mehr Debt Funds nach Deutschland kommen, die derzeit noch sehr stark von London aus gesteuert werden. Dort könnte ein Personalaufbau stattfinden. Ansonsten wird es hauptsächlich Replacements für Positionen geben, die einfach erforderlich sind. Auch Spezialthemen wird es immer geben.

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