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Ein Blick in die Glaskugel: Was Schweizer Headhunter für 2013 prognostizieren

Aktienhausse und Arbeitsmarktbaisse – so stellt sich die Situation derzeit in der Schweiz dar. Während die Banken in 2012 reihenweise Mitarbeiter vor die Tür gesetzt haben, legte der SMI um 15 Prozent auf 6822 Punkte zu. Doch wie geht es weiter? Wir haben Headhunter in der Schweiz nach ihren Prognosen für 2013 gefragt und setzen damit unsere Umfrage von Anfang November fort. Die Ergebnisse fallen leider wenig zuversichtlich aus.

Vorerst wenig Besserung in Sicht

„Die Situation sieht nicht besser aus als in 2012“, sagt Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. Dabei habe schon 2012 nicht zu den Topjahren gezählt und sei deutlich schwächer als 2011 und 2010 ausgefallen.

„Bislang haben wir auch wenig Feedback von Kunden gehört“, ergänzt Surber. In der Vergangenheit hätten viele Unternehmen bereits im November und Dezember signalisiert, ob sie im Folgejahr Neueinstellungen vornehmen wollten. Ein solches Briefing hätten die Arbeitgeber heuer auf Januar und später verschoben. „Darüber hinaus versuchen Grossunternehmen Vakanzen zunächst mit internen Kandidaten zu replatzieren“, erläutert Surber.

Der Experte rechnet im Verlauf des Jahres mit einem eher noch wachsenden Überhang an IT- und Private Banking-Profilen in der Schweiz. So sei beispielsweise die Integration von Clariden Leu in den Mutterkonzern Credit Suisse im November 2011 verkündet worden und erst im Juni 2012 erfolgt. Aufgrund von Kündigungsfristen seien die freigesetzten Mitarbeiter erst im Herbst des vergangenen Jahres in den Markt gelangt. Durch den Abbau von rund 2500 Stellen bei der UBS in der Schweiz werden somit erst im Jahresverlauf vermehrt IT- und Private Banking-Spezialisten auf den Arbeitsmarkt gelangen.

„Der Kostendruck besteht weiter und die Banken werden nur sehr selektiv einstellen“, meint auch Headhunter Klaus Robert Biermann von BiermannPartners in Zürich. Dennoch sei er „recht positiv gestimmt.“

Ganz ähnlich sieht dies auch Headhunterin Audrey Dresen von Oliver James Associates. „In der Schweiz sehen wir viel Bewegung. Die Großbanken bauen Stellen ab und finanzstarke Institute übernehmen andere Banken. Der Fokus wird in der Schweiz vorerst auf dem Kostenabbau bleiben“, sagt Dresen.

Traurige Aussichten im Investmentbanking

„Im Februar und März werden wir noch viele Leute sehen, die Capital Markets verlassen“, prognostiziert Biermann. Dagegen würden Investmentbanken nur „wahnsinnig selektiv“ einstellen. Zwar werde bei Asset Managern und Family Offices noch angeheuert, dennoch könne der Markt all die freigesetzten Investmentbanker nicht aufnehmen. „Viele werden sich wirklich aus dem Banking verabschieden müssen“, ergänzt Biermann.

Durch den aktuellen Kehraus im Investmentbanking könnte indes mittelfristig ein Personalproblem auf die Arbeitgeber zukommen. „Die Banken werden Schwierigkeiten bekommen, Talente mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung zu finden“, sagt Biermann. Ältere Investmentbanker müssten indes ihre berufliche Zukunft anderswo suchen. „Es gibt sehr viele Personen, die sich selbständig machen wollen“, beobachtet Biermann weiter.

Private Banker neuen Stils gesucht

Auch im Private Banking sieht Biermann auf absehbare Zeit keine größere Nachfrage. „Dort werden aber noch aktive Salespersonen gesucht – die private Banker neuen Typs“, erläutert Biermann. Dabei handelt es sich um qualifiziertes Personal, das aktiv auf die Kunden zugehe, und nicht darauf warte, dass ein Neukunde durch die Tür komme.

Laut Surber gebe es auch noch Neueinstellungen bei Family Offices. „Aber da gibt es kein Volumen“, betont der Headhunter. Überdies würden Vakanzen in der verschwiegenen Branche oftmals über persönliche Netzwerke besetzt.

Hoffnungen auf das Asset Management

Aufgrund der Krise im Investmentbanking und der Restrukturierung des Private Banking liegen viele Hoffnungen des Schweizer Finanzplatzes auf dem Asset Management. So haben Schweizerische Bankiervereinigung und Swiss Funds Association Ende des Jahres ein Positionspapier veröffentlicht, wie der Asset Management Standort Schweiz gestärkt werden könne.

Laut Biermann würden in der Branche noch Marketing- uns Salespersonal gesucht. „Dies spricht für eine gute Stimmung“, bemerkt der Experte. Bei den Anlageklassen werde derzeit für Real Estate und Commodity Finance gesucht.

Ganz ähnlich sieht dies Surber. Fachspezialisten mit Kenntnissen in  Infrastruktur, Real Estate, Private Equity und Convertible Bonds, sind weiterhin gefragt.

Versicherungen stellen noch ein

Laut Dresen schlagen sich die Versicherungen im Vergleich zu den Banken recht ordentlich, weswegen hier auch immer noch Neueinstellungen vorgenommen würden. In der Vergangenheit hätten sich Banker wenig begeistert von einem Wechsel in die Versicherungsbranche gezeigt. „Dennoch kann die Versicherungsbranche – im Vergleich zum Bankensektor – jetzt stabilere Chancen für Professionals mit einem Hintergrund in Statistik oder Financial Risk Management bieten“, sagt Dresen.

„Versicherungen stellen nur begrenzt einen Zufluchtsort für Banker dar“, ergänzt Surber. Vielmehr hätten dort Banker vor allem in Nischen eine Chance, was namentlich für die Bereiche Finance und Asset Management gelte.

Vergütungen geraten unter Druck

Eine gewisse Konsolidierung beobachtet Dresen auch bei den Gehältern bei Schweizer Finanzdienstleistern. „Die Gehälter gehen zwar nicht zurück, aber sie stabilisieren sich. Dennoch wird in der Schweiz auch weiterhin gut bezahlt“, sagt Dresen. Eine Abwanderung von Expats kann die Headhunterin nicht sehen: „Dafür ist die Schweiz einfach zu attraktiv.“

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