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EU einigt sich auf Bonus-Deckelung: Was auf Banker in 2013 zukommt

Der Hort des Bösen: Das EU-Parlament in Brüssel will die Boni deckeln.

Der Hort des Bösen: Das EU-Parlament in Brüssel will die Boni deckeln.

Die schlimmsten Alpträume so manches Investmentbankers scheinen bald Wirklichkeit zu werden. Nach langen Streitigkeiten haben sich am gestrigen Donnerstag (13. Oktober) das EU-Parlament und Unterhändler der Mitgliedsstaaten auf eine Deckelung der Bankerboni geeinigt. Demnach werden die Boni bei 100 Prozent des Festgehaltes gedeckelt. Falls 75 Prozent der Anteilseigner der jeweiligen Bank zustimmen, kann die Grenze auf 200 Prozent angehoben werden.

Doch die informelle Einigung bedeutet noch nicht, dass die Deckelung in ein Gesetz gegossen ist. Vielmehr soll die Deckelung Teil der Capital Requirement Directive IV werden, zu der auch die Umsetzung von Basel III zählt. Nach der Verabschiedung der Direktive durch die EU-Gremien muss diese noch in nationales Recht umgesetzt werden. Damit dürfte die Deckelung zumindest für den Bonus 2012 zu spät kommen.

„Wir befinden uns schon in den Vorbereitungen für den Bonus 2012. Die Zeit läuft langsam ab, womit eine Anwendung auf den Bonus 2012 immer unwahrscheinlicher wird“, sagt Martin Emmerich, der Director Financial Services beim Beratungsunternehmen Towers Watson in Frankfurt ist.

Spitzenverdiener der Deutschen Bank besonders betroffen

Welche Auswirkungen die Deckelung bei dem Zweifachen des Festgehaltes hat, lässt sich am besten am Beispiel der Deutschen Bank erläutern: Laut dem jünsten Vergütungsbericht hat das Institut für seine 1363 „Regulated Employees“ in 2011 immerhin 1,941 Mrd. Euro springen lassen. Dabei handelt es sich um die Mitarbeiter, die für Geschäftserfolg (und Misserfolg) eine besondere Verantwortung tragen. Von diesem erklecklichen Sümmchen entfielen gerade einmal 437,4 Mio. Euro auf die Grundgehälter und 1,503 Mrd. Euro auf Boni – mithin beläuft sich das Verhältnis von festen zu variablen Gehältern auf 1:3,44 – deutlich mehr als die künftig zulässigen 1:2.

Allerdings verteilen sich die Spitzenverdiener zwischen den Finanzplätzen recht ungleich. „Auf dem deutschen Markt ist der Anteil der Betroffenen sicher wesentlich niedriger als in UK. Dieser fällt an den großen Investmentbanking-Standorten viel höher aus“, beobachtet Emmerich. Ein wie auch immer gearteter Kompromiss bei der Bonus-Deckelung betreffe also in Frankfurt deutlich weniger Leute als in London.

Weitere Verschärfung der Bonussysteme wahrscheinlich

Doch abgesehen von CRD IV rechnet Emmerich mit einer weiteren Verschärfung der Vergütungssysteme. „Generell gehe ich davon aus, dass die Bedeutung langfristiger Elemente weiter wächst“, ergänzt Emmerich. So könnte die Auszahlung nicht mehr nur auf drei, sondern künftig sogar auf fünf Jahre gestreckt werden.

„Ich rate dazu, immer das Gesamtvergütungspaket zu sehen“, sagt Emmerich. Dies bestehe nicht nur aus Grundgehalt, Cashboni und aufgeschobenen Bonusbestandteilen. Vielmehr würden Zusatzleistungen des Arbeitgebers eine wachsende Rolle spielen. „Da gibt es durchaus einen großen Spielraum. Dies kann z.B. IT-Equipment wie iPads, Fortbildungsbudgets, Kinderbetreuungsplätze und die Altersvorsorge umfassen“, betont der Vergütungsexperte.

Auch eine Flucht vor den aufgeschobenen Vergütungen hält Emmerich für wenig sinnvoll. Dabei haben EU-Mitgliedsländer bei der Umsetzung von EU-Richtlinien wie CRD IV einen gewissen Spielraum. So sind die gesetzlichen Vergütungs-Vorschriften für kleinere und mittlere Banken in Deutschland laxer als für Großbanken. Darüber hinaus gibt es auch andere Finanzdienstleister wie z.B. Asset Manager, die Bankenregulierungen derzeit noch nicht unterliegen.

Allerdings wird laut Emmerich auch bei den Nichtbanken unter den Finanzdienstleistern an Vergütungsvorschriften gearbeitet. „Es ist ein ganzer Blumenstrauß an Regulierungen unterwegs“, sagt der Experte. „Daher raten wir den Unternehmen, das Thema Vergütungen pro-aktiv anzugehen – auch wenn es eine Herausforderung darstellt, dies an die Mitarbeiter zu vermitteln.“

Zusatzanreize gewinnen neben dem Vergütungspaket an Bedeutung

Der Kulturwandel lasse sich kaum noch aufhalten. „Wir sehen in allen Bereichen einen Trend zu einer nachhaltigen Vergütungslandschaft. Das trifft auch für die Industrie zu – jenseits der Finanzdienstleistungen“, erläutert Emmerich.

Die Komplexität der neuen Vergütungsstrukturen erschwert indes der Vergleich zwischen den Angeboten von zwei Arbeitgebern. Denn die Barwerte von einem relativ niedrigen Cashbonus jetzt und einer höheren aufgeschobenen, aber unsicherer Vergütung in drei Jahren sind nicht immer leicht vergleichbar.

Emmerich hält das Problem der Vergleichbarkeit jedoch nicht für allzu gravierend. „Die Unterschiede zwischen den direkten Wettbewerbern fallen nicht allzu groß aus. Die Grundlogik zeige immer in die gleiche Richtung“, ergänzt der Vergütungsexperte. Emmerich rät vielmehr, neben den Vergütungspaket auch andere Aspekte wie z.B. die Karriereaussichten zu beachten: „Sie sollten das Gesamtpaket so breit wie möglich abschätzen.“

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