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Was ein Ex-Londoner von der Lebensqualität in Zürich hält

MarK Dowsett lebt seit 1998 in Zürich.

MarK Dowsett lebt seit 1998 in Zürich.

Die Ergebnisse der neuen Mercer-Studie über die Lebensqualität in 221 Metropolen weltweit fallen zumindest für die Untertanen der Queen unerfreulich aus. So landete London gerade einmal auf dem 38. Platz – New York musste sich sogar mit einem 44. Platz begnügen. Dagegen werden die Top 10 des Rankings geradezu von Schweizer Städten dominiert. So sicherte sich Bern den 10. und Genf den 8. Platz. Zürich landete sogar auf Platz 2 und musste sich damit nur Wien geschlagen geben.

Zum guten Abschneiden Zürichs erklärt Margit Kaiser von Mercer: „Die Unterschiede zwischen den Schweizer Städten sind minimal, aber Zürich hat aufgrund der guten internationalen Anbindung durch den Flughafen, des Angebots öffentlicher Verkehrsmittel sowie der Vielfalt an Restaurants leicht die Nase vorn.“

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Doch ist das gute Abschneiden überhaupt gerechtfertigt? Stimmt es, dass der Finanzplatz Zürich bei der Lebensqualität London um eine (Elenfanten-)Nasenlänge voraus ist? Wir haben bei einem Briten nachgefragt, den es eher zufällig von London nach Zürich verschlagen hat:
Wieso Zürich viel angenehmer ist
Mark Dowsett arbeitet als Headhunter für IT und Finance bei Stamford Consultants in Zürich. Der Engländer hatte 1996 zunächst einen Job in Frankfurt angenommen. „1998 bin ich dann mit der Firma nach Zürich gezogen“, erläutert Dowsett in perfektem Deutsch. Allerdings war der Wechsel in den deutschsprachigen Raum kein Zufall. Denn Dowsett hat Germanistik studiert.

Mit kurzer Unterbrechung lebt der Brite also sei über zehn Jahren im Großraum Zürich. „Eigentlich kann ich es mir heute gar nicht mehr vorstellen, anderswo zu leben“, erzählt Dowsett. „Wo findet man eine Großstadt, die so nah an den Bergen liegt? Darüber hinaus gibt es die Seen und auch von der Größe passt es sehr gut“, ergänzt der 39jährige. London sei ihm dagegen viel zu groß.
Erste Überraschung am Telefon
Bei der Umsiedlung in die Schweiz musste der studierte Germanist ähnlich wie so mancher zugewanderte Deutsche indes eine schlimme Erfahrung machen: „Als ich den Telefonhörer abgenommen habe, habe ich schlicht nichts verstanden. Das hat mich total überrascht, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, erzählt Dowsett heute mit einem Schmunzeln.

Er habe einige Monate benötigt, um das Züritüütsch zu verstehen. Doch mittlerweile hat sich der Engländer an das örtliche Idiom gewöhnt. „Meine Kinder sprechen mittlerweile sogar auf dem Schulhof Schwyzerdütsch“, ergänzt Dowsett, der mit einer Engländerin verheiratet ist.  Dowsett hat ganz bewusst darauf verzichtet, seine Kindern in eine internationale Schule zu schicken.
Ausländer müssen gleich zwei Fremdsprachen lernen: Deutsch und Schwyzerdütsch
Seine Kinder und Expats aus dem nichtdeutschsprachigen Ausland haben dabei mit einer doppelten Schwierigkeit zu kämpfen. „Eigentlich müssen sie zwei Sprachen parallel lernen: Hochdeutsch und Schwyzerdütsch“, gibt Dowsett zu bedenken.

Schwyzerdütsch zu verstehen, sei dabei gerade auch für Deutsche eine politische Frage. Falls man Schweizer ständig bitten müsse, auf Hochdeutsch zu sprechen, komme das nicht immer gut an. Dagegen sei es kein Problem, als Engländer oder Amerikaner in Zürich Englisch zu sprechen. „Die Stadt ist sehr international und viele Englischsprachige arbeiten in Zürich nur in einem englischsprachigen Umfeld. Da komme man mit Deutsch oft wenig in Berührung. „Wer bei einer Großbank in Zürich anfängt, will in der Regel nur ein paar Jahre in der Schweiz bleiben“, ergänzt Dowsett. Das reiche zum Deutschlernen oft nicht aus.

Dass er sich abgesehen von Höflichkeitsfloskeln wie Gruezie nicht aktiv auf das unsichere Terrain des Dialekts vorwagt, findet Dowsett hingegen ganz normal: „Ich würde ja auch nicht versuchen, in Schottland schottisch zu sprechen.“
Es ist zwar etwas teurer, aber…
Doch es gibt auch unschöne Seiten an der Schweiz. Wie für die meisten anderen Zuwanderer auch besteht dies im teilweise horrenden Preisniveau hierzulande. „Es ist zwar teuer, aber wir haben uns daran gewöhnt“, ergänzt Dowsett. Ganz oben auf der Kostenseite stehen die Wohnkosten. „Auch in London muss man viel Geld für schlechte Qualität zahlen. Die Qualität der Immobilien ist in Zürich deutlich besser. Es ist zwar teuer, dafür ist es aber gut“, ergänzt Dowsett.

Auch das Zusammenleben mit Schweizern gestalte sich unproblematisch. „Im Grunde ist es ganz einfach: „Solange man sich anpasst, wird man akzeptiert.“

Kommentare (1)

Comments
  1. With all due respect, I’ve lived 4yrs in Zurich and know Switzerland well.
    Who would like to live in the top 10 of the Mercer rankings?
    What does it mean to appear in the top 10 of the rankings? That the city is clean, safe and everything works?
    What about social life? cultural activities? openness? cosmopolite life? What about competition of airline providers? What about variety of choice? Does that not count?
    The FT had a very interesting article on these reviews this year: better live in a low ranked city, at least it’s more ‘connected’ and more fun.

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