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Bilanzierungsaffäre: Wie ein Bailout die Spitzengehälter der Deutschen Bank zunichte gemacht hätte

Für ein lautes Rauschen im Blätterwald sorgte am heutigen Morgen ein Bericht der Financial Times (FT). Demnach soll die Deutsche Bank während der Finanzkrise drohende Verluste von bis zu 12 Mrd. Dollar nicht korrekt in ihren Geschäftsberichten bewertet haben und auf diese Weise einen Bailout durch die Bundesregierung vermieden haben. Der damalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte während der Krise betont, er würde sich schämen, Steuergelder anzunehmen.

Im Kern der Anschuldigungen stehen die sogenannten „Leveraged Super Senior Trades“ der Bank, wobei es sich um Derivatepositionen im Wert von 130 Mrd. Dollar gehandelt habe. Die Hedginggeschäfte hätten indes nicht genügt, um die Risiken abzudecken. Weiter sei diese Position nicht zum korrekten Marktwert bilanziert worden.

Die Deutsche Bank wies die Anschuldigungen umgehend zurück. „Der Fall wurde damals von der SEC untersucht und keine weiteren Maßnahmen eingeleitet. Es handelt sich um eine alte Geschichte“, betonte eine Unternehmenssprecherin.

Doch welche Auswirkungen hätte ein Abschreibungsbedarf von 12 Mrd. USD (etwa 9,2 Mrd. Euro) auf die Mitarbeiter gehabt?

Die Nachricht vom Verlust wäre wie eine Bombe eingeschlagen

Ein Verlust von 9,2 Mrd. Euro hätte dramatische Auswirkungen auf die Deutsche Bank gehabt. Durch die zusätzlichen Abschreibungen in dieser Höhe wäre die Eigenkapitalquote – wie die FT schreibt – unter die magische Grenze von 8 Prozent gefallen. Die Bank hätte also einen erklecklichen Eigenkapitalbedarf aufgewiesen.

Doch schlechte Nachrichten ziehen auf den Finanzmärkten oftmals noch schlechtere nach sich. Die Meldung von dem Verlust und dem Rekapitalisierungsbedarf bei Deutschlands größter und einziger weltweit relevanter Bank hätte weltweit für Aufsehen gesorgt und private Investoren verschreckt. Mithin wäre Ackermann kaum etwas anderes übrig geblieben, als beim staatlichen Rettungsfonds SoFFin für eine Geldspritze anzuklopfen.

Finanzmarktstabilisierungsgesetzt deckelt Vergütungen bei 500.000 Euro

Doch der Griff in die Staatskasse wäre für die Mitarbeiter womöglich nicht ohne Folgen gewesen. Denn nach dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz darf die „monetäre Vergütung der Organmitglieder und Angestellten“ die Höhe von „jeweils 500.000 Euro pro Jahr nicht übersteigen. Variable Vergütungen sind nicht zulässig, es sei denn, die Summe aus fixer und variabler Vergütung überschreitet nicht die Obergrenze von 500.000 Euro pro Jahr“, heißt es in dem Gesetzestext.

Die Deckelung entfällt nach dem Gesetz erst, „sofern das Unternehmen mindestens die Hälfte der geleisteten Rekapitalisierungen zurückgezahlt hat oder soweit die geleistete Kapitalzuführung voll verzinst wird.“ Wie schnell die Deutsche Bank in dieser Situation dazu in der Lage gewesen wäre, muss wohl offen bleiben.

Schon bei der Commerzbank hat die Deckelung der Bezüge des Bankchefs Martin Blessing und seiner Kollegen für einige Unruhe gesorgt. Doch die Zahl der Einkommensmillionäre fällt dort traditionell weitaus niedriger aus als bei der Deutschen Bank. Dabei sollte indes nicht nur auf die damaligen Vorstandsmitglieder und Spitzeninvestmentbanker Josef Ackermann und Anshu Jain mit ihren Millionengehältern geblickt werden.

Denn gerade auch bei der Deutschen Bank gibt es unterhalb des Vorstandsniveaus eine Vielzahl von Einkommensmillionären. So hat die Bank in ihrem Vergütungsbericht für 2011 die Zahl der „Regulated Employees“, die eine besondere Verantwortung für das Geschäft und das Risiko des Konzerns tragen, mit immerhin 1363 beziffert, wovon allein 1250 im Corporate and Investmentbanking tätig sind. Zum Vergleich: Das gesamte Investmentbanking der Commerzbank zählte gerade einmal rund 1800 Mitarbeiter. Jeder der „Regulated Employees“ strich in 2011 – und damit Jahre nach der Lehman-Pleite – eine Gesamtvergütung von durchschnittlich 1,42 Mio. Euro ein.

Eine Abschreibung und ein anschließender Bailout der Deutschen Bank hätte also sehr viele Mitarbeiter der Deutschen Bank dort getroffen, wo es besonders schmerzt: im Portemonnaie. Falls die Deutsche Bank also die Gehälter ihrer Leistungsträger um fast zwei Drittel von 1,42 Mio. auf nur noch 500.000 Euro hätte drücken müssen, hätte so mancher sicher das Weite gesucht. Dann hätte sich der Traum der Deutschen Bank – in der ersten Liga der Investmentbanken mitzuspielen – schnell in Luft aufgelöst.

Doch vielleicht handelt es sich auch alles nur um einen Sturm im Wasserglas. So bezeichnete der Reuters-Kommentator Felix Salomon den FT-Bericht als „einen der schiefsten Artikel, den ich jemals in irgendeiner Zeitung gelesen habe.“

Laut dem Bankenanalysten Simon Maughan von Olivetrees Securities habe die Deutsche Bank aus dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS das Maxilmalmögliche für eine Geschäftsbank herausgeholt.  „Die Deutsche Bank hat einfach aufgehört, ihre Trading Assets nach dem Marktwert zu bewerten und hat angefangen, sie so zu bewerten als handle es sich um Darlehen”, sagt Maughan.  „Das ist unter IFRS-Standards erlaubt und es nichts falsch daran.”

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