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Neue Studie: Worauf Investmentbanken in Vorstellungsgesprächen wirklich achten

Die richtige Sportart kann entscheidend sein, ob Sie mitspielen dürfen oder nicht.

Die richtige Sportart kann entscheidend sein, ob Sie mitspielen dürfen oder nicht.

Streben Sie einen Job im Investmentbanking an? Dann hegen Sie vielleicht die Meinung, es komme auf Ihre Künste im Umgang mit Excel oder Ihren Charme gegenüber den Kunden an. Doch weit gefehlt. Denn am meisten wird in einem Vorstellungsgespräch darauf geachtet, ob Sie tatsächlich zur Kultur passen.

Laut einer neuen Studie von Lauren Rivera, die Assistant Professorin für Management an der Kellogg School of Management ist, geben nahezu 70 Prozent der Verantwortlichen im Investmentbanking an, dass der wichtigste Punkt in einem Vorstellungsgespräch darin besteht, dass Sie zur Unternehmenskultur passen.

Doch was heißt das genau? Rivera schlägt drei Dimensionen vor: das Passen zur Unternehmenskultur, das kognitive Passen (ähnliche Berufserfahrungen von Bewerbern und Gesprächspartnern) und andere Gemeinsamkeiten, die zwischen Ihnen und den Gesprächsführern bestehen. Am wichtigsten darunter ist, dass Sie zur Unternehmenskultur passen.

Wie Sie einen Job bekommen, weil Sie zur Unternehmenskultur passen

Beim Passen zur Unternehmenskultur geht es nicht darum, wie Sie sich bei Ihrer alltäglichen Arbeit benehmen und auch nicht darum, wie Sie in Meetings auftreten. Vielmehr geht es darum, wie Sie von Ihren Kollegen wahrgenommen werden, wenn Sie NICHT bei der Arbeit sind.

Rivera illustriert dies an einem Beispiel des Bankers Nicholae. „Ein Großteil des Jobs besteht in der Einstellung, nicht in der Eignung“, erzählte Nicholae Rivera. „Zu passen ist wirklich wichtig. Denn, wie Sie wissen, sehen Sie Ihre Kollegen häufiger als Ihre Frau, Ihre Kinder, Ihre Freunde und Ihre restliche Familie. Daher können Sie der schlaueste Mensch der Welt sein, aber das ist mir egal. Ich brauche vielmehr jemanden, mit dem ich jeden Tag zusammenarbeiten kann, mit dem ich an einem Flughafen stranden kann und anschließend ein Bier trinken gehen möchte. Die Chemie muss stimmen. Die Person muss also nicht nur intelligent sein, Sie müssen sie auch mögen.“

Recruiter prüfen anhand Ihrer außer-curricularen Aktivitäten, ob Sie kulturell passen, erläutert Rivera. „Für Außenstehende mag es trivial klingen, ob jemand bergsteigt, Cello spielt oder Film Noir liebt. Doch diesen Freizeitaktivitäten kommt entscheidende Bedeutung zu.“

Wie Rivera in früheren Studien herausgefunden hat, bestehen die verbreitetsten Indikatoren, ob jemand kulturell zu Unternehmen wie Investmentbanken passt, in Elitesportarten wie sie von der oberen Mittelklasse betrieben werden. Dies zeige sich am Beispiel von Kelly, einer Investmentbanking HR-Managerin, die eine pastellfarbene Strickjacke mit Knöpfen und Perlen trägt. Kelly würde zwei Kandidaten schlicht deswegen auswählen, weil diese Lacrosse und Squash spielen und daher im Handelssaal zurechtkommen würden.

Falls Sie hierbei gewissermaßen mitspielen wollen, müssen Sie so viel wie möglich über die Freizeitaktivitäten der Leute herausbekommen, mit denen Sie zusammenarbeiten wollen, und sich mit etwas ähnlichem beschäftigen. Denn alles hängt am richtigen Stallgeruch.

Wie Sie „kognitiv“ zu einem Job im Investmentbanking passen

Bei der „kognitiven“ Eignung wird es schon schwieriger. Dabei geht es teilweise um Verständnis und teilweise um Sympathie. So erzählte Max, ein Director im Investmentbanking, Rivera, dass er Leute einstellt, die den „auf-einem-Flughafen-gestrandet-Test“ bewältigt haben. „Würde ich gern in einem Schneesturm mit ihm auf einem Provinzflughafen gestrandet sein?“, fragt Max. „Und wenn ich mit ihm auf eine zweitätige Geschäftsreise gehen würde und mit ihm zu Abend essen müsste, würde ich mich gern mit ihm abgeben?“

Laut Rivera sehen es Recruiter gern, wenn Kandidaten einen ähnlichen Ausbildungshintergrund mitbringen. Dafür erwähnt die Professorin das Beispiel von dem Banker Jason. Dieser hat einen Bewerber nur deswegen bevorzugt, weil er wie Jason selbst in Yale studiert hat und weil er dies für eine anspruchsvolle Uni hält.

Ein „kognitives Passen“ bedeutet, dass die Leute Sie eher einstellen werden, wenn sie Sie mögen und Ihre Leistungen auch tatsächlich verstehen. Allerdings fällt es oft nicht leicht, sympathisch herüberzukommen – auch eine geeignete Körpersprache kann dabei hilfreich sein. Selbst falls Sie nicht die gleiche Hochschule wie Ihre Gesprächspartner besucht haben, sollten Sie dennoch Punkte betonen, mit den Leuten von den einschlägigen Hochschulen vertraut sind.

Wie Sie weitere Gemeinsamkeiten herausstreichen

Gesprächspartner finden Sie sympathisch, wenn Sie ihnen ähnlich sind. Ähnlichkeiten stellen eine Form von Bestätigung dar. Laut der Professorin können Gemeinsamkeiten eine gewisse Begeisterung entfachen. Rivera erzählt von der Bankerin Arielle. Die von ihr bevorzugte Kandidatin hatte wie Arielle am New York Marathon teilgenommen und sich für die örtlichen Celebrities begeistert. „Wir hatten sofort eine Verbindung … Ich liebte sie“, sagt Arielle.

Gemeinsamkeiten können auch dabei helfen, nicht vorzeitig aus dem Bewerbungsverfahren auszuscheiden. „Wegen der großen Anzahl der Leute, die zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, benötigen die Bewerber einen Mentor, jemanden der in den Diskussionen dafür kämpft, dass Sie den Job bekommen“, betont Rivera.

Doch auch an diesen Gemeinsamkeiten können Sie arbeiten. Dabei sollten Sie so viel wie irgend möglich über Ihre Gesprächspartner in Erfahrung bringen und auch auf gemeinsame Interessen achten. Allerdings kann das Vorspielen gemeinsamer Interessen auch in einem Desaster enden. Denn wenn jemand dies herausbekommt,  dann nimmt er es sehr persönlich. „Beim Lügen in einem Vorstellungsgespräch müssen Sie sehr vorsichtig sein“, erläutert John Nicholson, Psychologe von Nicholson McBride. „Lügen ist etwas sehr Riskantes und Sie brauchen ein sehr gutes Gedächtnis.“

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