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GASTKOMMENTAR: Wenn gefeuerte Investmentbanker nach Rache dürsten

Es muss ja nicht gleich auf Voodoo-Praktiken zurückgegriffen werden.

Es muss ja nicht gleich auf Voodoo-Praktiken zurückgegriffen werden.

Seinen Job zu verlieren, kann eine deprimierende, demütigende Erfahrung darstellen, die ich niemandem wünsche. Doch leider mussten dieses Schicksal bereits mehrere tausend Finanzprofis erleiden. Es werden sogar Stories erzählt, dass einige durchgedrehte Banker auf HR-Mitarbeiter eingeprügelt haben sollen, die die schlechte Nachricht überbrachten. Weiter gibt es Leute, die ruhig und gefasst gehen.

Ich persönlich bevorzuge einen ruhigen Abgang. Ich habe schon so einige Hiring-and-Firing-Zyklen in der Londoner City erlebt und ich bin heute noch angestellt – auch weil ich keinen theatralischen Abgang gewählt habe. Doch wenn Sie besonders schlecht behandelt worden sind, dann mag in einem theatralischen Abgang die einzige Befriedigung liegen. Nach meinen Beobachtungen gibt es zwei Hauptwege, um sich an einer Bank zu rächen, die Ihnen ohne gute Gründe gekündigt hat, nachdem sie Leben und Seele aus Ihnen herausgesaugt hat:

1. Ein lautstarker Auftritt

Diese Strategie funktioniert am besten im Handelssaal, aber sie kann auch in einem geschäftigen Banken-Office umgesetzt werden. Besonders wirkungsvoll erwies sich dabei vor einigen Jahren ein ehemaliger Kollege von mir aus einem mediterranen Herkunftsland. Obgleich er hoch angesehen war und gutes Geld verdiente, entschied das Management plötzlich, seinen Desk dichtzumachen.

Als die Zeit für einen „kurzes Gespräch“ im Büro des Abteilungsleiters gekommen war, war er verständlicherweise verärgert. Die leicht erhobenen Stimmen gingen in einen lauten und emotionalen Schlagabtausch über, was zu Handgreiflichkeiten führte. Die anschließenden Vorgänge sind ein wenig unklar. Am Ende wurden fünf Wachmänner gerufen und der Briefbeschwerer des Abteilungsleiters wurde halb durch den Handelssaal geworfen und schlug in einen großen Flatscreen-Fernseher ein. Der Manager kam mit einem blauen Auge und einem zerrissenen Hemd davon. Vielleicht handelte sich bei dem letztgenannten aber auch um einen Kollateralschaden, an dem einer der Wachmänner beteiligt war. Der ehemalige Kollege wurde aus dem Gebäude geworfen und verbrachte den Rest des Tages in den Kneipen der City und endete in einem Nachtclub in Mayfair mit einer Rechnungssumme mit der Länge einer Telefonnummer.

2. Die kalte Rache

Doch ich habe auch Beispiele für eine weniger emotionale und dafür wohl kalkulierte Vergeltung gesehen. Dies lässt sich am besten umsetzen, wenn es vor der Kündigung Warnhinweise gab.

Ein anderer Kollege, der vom drohenden Unheil vorgewarnt worden war, entschied sich zu einer heimlichen Umsetzung. So veränderte er die Passwörter zu Schlüsseldokumenten und löschte obendrein einige unersetzliche Daten von den Laufwerken des Netzwerks.

Da die Bank über diese Daten eigentlich gar nicht verfügen sollte, hatte  sie kein wirkliches Interesse an einem juristischen Nachspiel.

Allerdings sollten Sie gewarnt sein: Ein lautstarker Auftritt  heißt, dass Sie wahrscheinlich nicht mehr in einer Investmentbank arbeiten werden. Auf der anderen Seite scheint es durchaus möglich zu sein, dass die Leute, die eine kalte Rache anstreben, ihr Heil bei Private Equity-Häusern und Hedgefonds finden. Nach meiner Erfahrung hegen die Banken ihnen gegenüber grollenden Respekt. Und da sie jetzt ihre Kunden sind, können sie nichts mehr gegen sie unternehmen – auf wenn sie dies gern wollten.

Der Autor hat rund ein Jahrzehnt im Investmentbanking gearbeitet. Bei Ralph Smith handelt es sich um ein Pseudonym.

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