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Wie Personaler deutschsprachige, international tätige Finanzprofis von einer Rückkehr überzeugen

Londonade

Dem Ruf zu internationalen Finanzzentren wie London, New York oder Hong Kong folgen gerade junge Leute gerne. Spannende Aufgaben und gute Verdienstmöglichkeiten lockten sie in ferne Länder. Dort sammeln sie viel Erfahrung – Erfahrungen, die auf Posten in einem Spezialgebiet oder in Führungspositionen in der alten Heimat gebraucht werden. Doch wie lockt man diese Fachkräfte zurück?

Der „War of Talents“ hat begonnen: Unternehmen aber auch die Politik machen sich darüber Gedanken, wie man deutschsprachige Fachkräfte, die lange im Ausland gearbeitet haben, wieder in die Heimat zurückholt.

Auch wenn der Mangel an Fachkräften im Finanzwesen derzeit noch nicht besorgniserregend ist, gute Fachkräfte werden auch in dieser Branche gebraucht – gerade solche, die auf internationalem Parkett Erfahrung gesammelt haben. So stellt Carsten Esbach, Chief Operating Officer bei BNP Paribas in Frankfurt, fest, dass im Finanzzentrum Frankfurt der Markt an guten Fachkräften eng ist: „Da tut es gut, wenn Fachkräfte wieder zurückkommen.“

Das gleiche gilt auch für die Schweiz und den Finanzplatz Zürich. „Es gibt vor Ort für bestimmte Bereiche einfach nicht genügend Fachkräfte. Deshalb sind gute Leute, die auch Deutsch sprechen können, sehr gefragt“, erzählt Patric Lenherr, Consultant Research bei VfU-Management Consulting & Executive Search in Zürich.

Doch obwohl die Chancen auf einen guten Job in der alten Heimat nicht schlecht stehen, zieht es nicht jedermann wieder zurück. Am ehesten überlegen sich Finanzfachkräfte aus London, die unter der Konsolidierung am Finanzmarkt leiden, den Schritt zurück zu wagen. Eine große Welle von Rückkehrern ist indes nicht zu beobachten.

Internationale Erfahrung ist gefragt

Vor allem die internationale Erfahrung ist es, die deutschsprachige Fachkräfte im Ausland haben, die Leute vor Ort nicht besitzen. „Wenn ein Finanzinstitut viel auf den Handelsmärkten in Osteuropa, Lateinamerika oder Südostasien zu tun hat, dann wird es sicherlich versuchen, jemanden zu gewinnen, der sich dort gut auskennt und auch die Kultur vor Ort kennt und versteht“, so Rolf Behrens, Managing Director des Personalberaters Banking Consult aus Bad Nauheim. „Haben die Unternehmen selbst keine Leute als Expatriates entsendet, dann ist das Anwerben eines deutschsprachigen Spezialisten durchaus eine Option.“

Ein großer Vorteil solcher Personen: Sie kennen die Kulturen beider Länder und können somit zwischen den Ländern gut vermitteln. „Das ist eine Fähigkeit, die gerade in Positionen mit spezialisierten Fachkenntnissen und Führungspositionen gebraucht wird, meint Vanessa Schmitz, Managerin bei Robert Walters in Düsseldorf. Gebraucht wird das im Ausland erworbene Know-how in allen Bereichen: „Vor allem im Fixed Income oder Mergers & Acquisitions ist internationale Erfahrung von Vorteil“, sagt Personalberater Behrens. Doch auch im Private Banking, dem Portfolio Management oder in Bereichen wie Human Ressources oder der Medienarbeit greifen die Unternehmen gerne auf Fachkräfte mit Erfahrung in den internationalen Finanzzentren zurück.

Und wie gewinnt man diese Leute nun in die alte Heimat zurück? „Es kommt ganz darauf an, wohin die Leute gegangen sind“, beobachtet Behrens: „Nach London geht man wegen des urbanen Umfelds. Da die Leute dort aufgrund der Schwäche des Pfunds derzeit nicht mehr so viel verdienen, wird das Leben in der City einfach zu teuer. Da fällt die Entscheidung, wieder in die Heimat zurückzukehren, leichter.“ London ist eben eher etwas für junge Leute. Ab Mitte 30 haben viele dann bereits eine eigene Familie und wollen eigentlich lieber wieder zurück in ihre alte Heimat.

Behrens stellt allerdings auch fest, dass Leute, die nach Asien gehen, sich eher bewusst für ein dauerhaftes Leben im Ausland entscheiden. Das Powerhaus Asia liegt im Trend und abenteuerhungrige Finanzexperten wollen direkt am Puls der Finanzen sein.

Große Namen wirken stets attraktiv

Grundsätzlich sind es immer die großen Namen, die bei der Wahl des Arbeitgebers ziehen – egal ob sie gerade gute oder schlechte Presse haben. Das gilt auch, wenn es darum geht, Leute aus dem Ausland zurückzuholen. Doch es sind auch andere Faktoren, die helfen, die Heimkehr zu erleichtern. Personalberaterin Schmitz hat festgestellt, dass die Rückkehr leichter wird, wenn Unternehmen ein großes Paket schnüren. „Dazu zählt nicht nur eine attraktive Position, der nächste Karriereschritt oder ein besseres Gehalt. Viele Kandidaten legen Wert darauf zu erfahren, wie sich ihre Aufgabe in den kommenden Jahren entwickeln wird.“ Es sollten also Milestones nicht nur für ein Jahr, sondern gleich besser für drei Jahre umrissen werden. „Es geht dabei ebenso um inhaltliche Fragen wie um die Weiterentwicklung von Managementpotenzial“, weiß Schmitz. Sie meint, dass individuelle Trainingspakete ein guter Anreiz sind, damit sich die Spezialisten im neuen Job wohler fühlen. Denn jede Führungskraft hat einen Bereich, in dem eine Weiterbildung hilfreich ist. Es sollten also Themen sein, die spezielle Führungsfähigkeiten aufbauen oder fehlendes Know-how vermitteln.

Persönliche Faktoren nicht vergessen!

Ebenso wichtig wie die beruflichen Anreize sind die persönlichen. Eine erfahrene Fachkraft hat meist Familie, die nicht so einfach in ein neues Umfeld zu integrieren ist. „Es ist ja nicht nur der Kandidat, der damit einverstanden sein muss, zurückzugehen, sondern auch der Ehepartner“, ergänzt Schmitz. Sie hat beobachtet, dass in den vergangenen Jahren viele Arbeitgeber erkannt haben, dass sie sich auch um die Familie und den Umzug des Kandidaten kümmern müssen, wenn sie ihn für ihr Unternehmen gewinnen möchten. Das bedeutet beispielsweise, dass sie sich aktiv auf die Suche nach einem Job für den Ehepartner begeben sollten. Denn schließlich ist es leichter, sich in seinem Netzwerk vor Ort umzuhören oder Empfehlungen für eine gute Fachkraft auszusprechen, als von Übersee einen Bewerbungsmarathon zu starten.

BNP-Personaler Esbach hat festgestellt, dass auch die Ausbildung der Kinder ein Anreiz ist, in die alte Heimat zurückzukehren: „Gerade wenn die Kinder in die Schule kommen, möchten viele, dass sie im eigenen Land eingeschult werden.“ Dann ist es hilfreich, wenn das neue Unternehmen dem Kandidaten hilft, ein adäquates Wohn- und Lernumfeld zu finden, indem ein Makler beauftragt wird, der sich um eine passende Wohnung oder ein passendes Haus kümmert. „Ein umfangreiches Relocation-Package besteht dann nicht nur aus einer Umzugspauschale, sondern enthält womöglich noch eine Nebenkostenpauschale für die neue Wohnung sowie einen Zuschuss für private Schulen und Kindergärten, in denen Kinder dann weiterhin in einem internationalen Kontext aufwachsen können“, erläutert Schmitz.

Fazit:

  • Die Arbeitsmarktsituation in London hat der Stadt die Attraktivität entzogen, sodass Fachkräfte aus der Finanzindustrie einen attraktiven Job in der alten Heimat nicht ausschlagen.
  • Gute Finanzfachkräfte sind vor allem in Frankfurt und Zürich gesucht.
  • Es ist vor allem die Auslandserfahrung, die hierzulande in Führungspositionen und spezialisierten Fachbereichen benötigt werden.
  • Nicht nur mehr Gehalt und eine höhere Position stellen Anreize für eine Rückkehr dar, sondern auch inhaltliche Entwicklungsmöglichkeiten in den kommenden drei Jahren. Persönliche Faktoren wie die Bildung der Kinder und Jobmöglichkeiten für Ehepartner spielen eine große Rolle bei der Rückkehr.

Kommentare (1)

Comments
  1. Wer London mit Frankfurt vergleicht sollte vorsichtig sein.
    Frankfurt bleibt Provinz auch beruflich gesehen. Perspektiven fuer Banker sind stets in London.
    Auch Kulturell ist London unschlagbar. Friedhoefe wie der Taunus vermisse auch nicht.

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