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Wie die Arabellion das Schweizer Private Banking stärkt: Experten mit Erfahrung in beiden Welt gesucht

Das Schweizer Wealth Management erfreut sich bei der arabischen Klientel anhaltender Beliebtheit. Hier die Wasserburg Chillon im Genfer See.

Das Schweizer Wealth Management erfreut sich bei der arabischen Klientel anhaltender Beliebtheit. Hier die Wasserburg Chillon im Genfer See.

Im Mittleren Osten donnern derzeit die Kanonen aus allen Richtungen. Neben dem Bürgerkrieg in Syrien kämpft Israel im Gazastreifen gegen die Hamas, in Ägypten schwelt die Arabellion und am Persischen Golf herrscht zwischen den sunnitischen Golfstaaten und dem Iran eine Stimmung wie zwischen den USA und der Sowjetunion  zu Beginn der 60er Jahre. Für wohlhabende Zeitgenossen scheint der Mittlere Osten kein guter Ort zu sein, um ihr Vermögen zu parken.

Nirgends wird ein so hoher Anteil der Vermögen offshore verwaltet wie im Mittleren Osten

Daher verwundert es nicht, dass laut einer Studie der Boston Consulting Group in keiner anderen Weltregion ein so großer Anteil des Wealth Managements offshore verbucht wird wie im Mittleren Osten und Nordafrika (MENA). Und dank der sprudelnden Petrodollar gibt es dort reichlich vermögende Leute.

So werden laut Boston Consulting immerhin 34 Prozent der Vermögen aus MENA offshore verwaltet. In Lateinamerika sind es 25 Prozent, in Asien-Pazifik 7 Prozent und in Nordamerika ganze 2 Prozent.

Die offshore Vermögen fließen dabei vornehmlich Richtung Europa. „Die Angelsachsen haben das Banking in den Golfstaaten aufgebaut und verfügen daher immer noch über gute Verbindungen in die Region“, beobachtet Headhunter Jean-Marc Aiello, Head Professionals Banking bei Randstad  Schweiz,  der stark in den Schwellenländern tätig ist.

„Auch im Investmentbanking, M&A und Trade Finance sind die Engländer stark, weshalb London auch der offshore Wealth Management-Standort Nummer 1 für den Mittleren Osten ist. Die Schweiz folgt auf Platz zwei“, ergänzt Aiello. Dabei liege Genf vor Zürich. Dort werde auch mehr Personal als in Zürich beschäftigt. Bei den Assets under Management sei das Verhältnis der beiden Schweizer Finanzzentren hingegen ausgeglichen.

Ganz ähnlich sieht dies Cath Tillotson von der Wealth Management Beratung The Scorpion Partnership: „Die Schweiz ist lange das bevorzugte Ziel für High Net Worth Individuals aus dem Mittleren Osten gewesen – ähnlich wie Großbritannien, und die meisten internationalen Banken haben Kapazitäten an diesen Standorten aufgebaut.“

Schweiz punktet mit Sicherheit

Angesichts der Entwicklung im Mittleren Osten rechnet Aiello damit, dass die Attraktivität der Schweiz für reiche Anleger aus der Region erhalten bleibt. „Unsicherheit ist immer ein guter Case für die Schweiz“, sagt Aiello. Entsprechend beobachtet der Headhunter Nachfrage nach Private Banking-Profis, die mit der arabischen Klientel Erfahrung haben. „Die Nachfrage ist aber nicht so groß wie für Russland-CIS und andere Emerging Markets“, schränkt Aiello ein.

„Während der Zeit politischer Unsicherheit in den zurückliegenden Wochen hat es eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Region gegeben. Doch schon seit dem Arabischen Frühling im vergangenen Jahr gibt es einen wachsenden Fluss von Assets von High Net Worth Individuals in die Schweiz. Die Tatsache, dass so viele Banken ihre Teams für den Mittleren Osten in der Schweiz ausgebaut haben, zeigt, dass die Nachfrage stark ist“, ergänzt Tillotson.

Die Expertin beobachtet indes auch ein verstärktes Engagement Schweizer Wealth Manager in der Region: „Traditionell unterhielten die Schweizer Banken nur Repräsentanzen im Mittleren Osten. Doch die wachsende Konkurrenz von lokalen Anbietern hat viele dazu gebracht, vollständige Einheiten in der Region aufzubauen.“

Kombination aus Schweizer Expertise und lokalem Netzwerk gefragt

Auch Aiello beobachtet, dass Schweizer und Liechtensteiner Banken in den Vereinigten Arabischen Emiraten Wealth Management-Niederlassungen aufbauen und dafür passendes Personal suchen. „Schweizer und liechtensteinische Bank-Häuser bevorzugen Mitarbeiter mit einem Schweizer Private Banking-Hintergrund und langjähriger Erfahrung im Mittlerem Osten selber oder mit Kunden vom Mittlerem Osten“, betont Aiello. Weniger interessant seien indes angelsächsische Kandidaten, die aus dem Investmentbanking oder Private Equity stammen und lediglich ein Jahr im Wealth Management gearbeitet haben. „Von derartigen Kandidaten erhalte ich zur Zeit sehr viele Lebensläufe“, ergänzt Aiello.

Gesucht scheinen vielmehr Kandidaten zu sein, die Know-how aus dem Westen und dem Mittleren Osten mitbringen. „Derzeit gibt es einen großen Appetit von Privatbanken in der Schweiz und dem Vereinigten Königreich, Private Banker für ihre offshore Middle East-Teams zu rekrutieren, die derzeit im Golf ansässig sind. Eine Kombination von Berufserfahrung in westlichen Finanzzentren und ein Bezug zum mittelöstlichen Markt  –  danach suchen die meisten Unternehmen derzeit“, beobachtet Magdy El Zein vom Headhunter Boyden Middle East und ergänzt: „Allerdings sorgen sich die Private Banker über die hohen Lebenshaltungskosten in Zürich und Genf.“

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