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GASTKOMMENTAR: Wie Sie einen guten Personalberater finden

Angela Hornberg.

Angela Hornberg.

Wie geht man als wechselwilliger Arbeitnehmer am besten vor, wenn man in der Fülle der um Kundschaft buhlenden Personalberater den Überblick verliert? Denn hierzulande gibt es keinen Eignungstest, keine Prüfung und schon gar keine Ausbildung zum Headhunter. Theoretisch kann jeder eine Webpage gestalten, ein Büro mieten und dann ein Schild „Headhunter“ vor die Tür hängen. Wenn aber der Berater lediglich auf kurzfristige Abschlüsse aus ist, unerfahren oder gar inkompetent ist, kann dies dem Ruf oder der Karriere des Kandidaten ernsthaft schaden. Daher hier einige Hinweise, worauf Sie im Umgang mit Personalberatern achten sollte:

1. Gute Headhunter gehen diskret vor

Wenn Sie ein seriöser Personalberater erstmals kontaktiert, macht er das grundsätzlich auf diskrete Art und Weise und niemals über Ihre geschäftliche Emailadresse oder Telefonnummer. Er wird Ihnen auch den „perfekten“ Job im ersten Gespräch gar nicht anbieten: im Idealfall hat er aufgrund Ihres Profils bereits einige interessante Angebote für Sie im Portfolio, doch so lange er Sie nicht kennt, kann er nicht wissen ob sein Vorschlag der richtige Schritt für Sie ist. Insistiert der Headhunter dennoch, dass Sie ein Angebot annehmen, dann legen Sie auf. Falls Sie sich aber sofort kompetent angesprochen fühlen, bitten Sie um einen Anruf außerhalb Ihrer Arbeitszeit.

2. Prüfen Sie die Homepage des Personalvermittlers

Schauen Sie sich in Ruhe den Onlineauftritt des Personalvermittlers an: Ist er gut strukturiert und steht ein detaillierter Lebenslauf mit vollständigen Kontaktdaten bereit? Gibt es Veröffentlichungen oder Pressestimmen? Wie lange gibt es seine Firma schon? – Möglicherweise finden sich Referenzen oder ein exklusives Mandat mit einem Unternehmen. Obwohl Ihnen diese Punkte zunächst selbstverständlich erscheinen mögen, werden Sie erstaunt sein, wie manche „schwarzen Schafe“ der Branche ihre Homepage, also das Aushängeschild ihres Unternehmens, vernachlässigen!

3. Suchen Sie das persönliche Gespräch

Beim persönlichen Termin können Sie herausfinden, ob Sie auf einer Wellenlänge liegen: Interessiert sich der Berater im Detail für Ihre beruflichen Wünsche, oder haben Sie eher das Gefühl, dass er Sie in ein Profil „pressen“ möchte? Fragt Sie der Headhunter nach Ihrem Lebenslauf, so zögern Sie nicht, den Namen und die Position des Empfängers im neuen Unternehmen zu verlangen. Nur so haben Sie eine Chance, sich zur Wehr zu setzen, falls Ihr Lebenslauf ohne Ihr Wissen bei einer unbekannten Firma auftauchen sollte.

4. Nimmt sich der Berater Zeit für Sie?

Wenn der Headhunter Sie nach dem Vorgespräch zu einem persönlichen Termin in sein Büro einlädt, beachten Sie, ob er genügend Zeit einplant, um auf Ihre Fragen eingehen zu können. Schreiben Sie im Vorfeld Ihre Gedanken auf, um beim ersten Treffen ganz entspannt Gehaltsforderungen, Veränderungswünsche oder Vorstellungen auf den Punkt bringen zu können.

5. Bleiben Sie am Ball

Danach sollten Sie dem Profi genügend Zeit geben, sich Ihrer Sache anzunehmen. Bekommen Sie jedoch bis zu einem vereinbarten Termin keine Antwort von ihm, rufen Sie direkt den vom Headhunter angegebenen Ansprechpartner in der neuen Firma an. So demonstrieren Sie dort gekonnt Ihr Interesse an der freien Stelle, und ebnen den Weg zu einem möglichen direkten Vorstellungsgespräch.

Letztlich sollten Sie aber trotz aller Tipps und Vorschläge immer auf Ihren Bauch hören: Wenn Sie nach mehreren Terminen mit Ihrem Berater noch Zweifel haben, dass es der richtige berufliche Schritt ist, warnt Sie eventuell Ihre Intuition, der Sie dann folgen sollten. Ein seriöser Personalberater wird das respektieren.

Angela Hornberg ist selbstständige Personalberaterin in Frankfurt und berät Finanzinstitutionen und Industrieunternehmen. Die Volkswirtin war selbst zehn Jahre lang im Investment Banking tätig, u.a. für die Deutsche Bank und Lehman Brothers. Sie ist in Italien und Brasilien aufgewachsen und lebt in Frankfurt. Die Autorin können Sie hier kontaktieren.

Kommentare (3)

Comments
  1. Also, dieser Artikel ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu geniessen. Nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Unternehmen setzen auf Diskretion beim Recruiting. Es ist keinesfalls Usus in der Branche (der Personalberater) dem Kandidaten vor dem ersten Gespräch beim “Headhunter” den Namen des Unternehmens oder gar den direkten Ansprechpartner zu nennen.

    Und wie soll man denn sonst einen ersten Kontakt herstellen, wenn nicht über die geschäftlichen Koordinaten?! Ein weiteres Gespräch lässt sich übrigens auch gut in der Mittagspause führen – die ist bekanntlich auch ausserhalb der Arbeitszeit angesiedelt. Ein Personalberater arbeitet meist auch von morgens bis abends und benötigt entsprechende Erholungszeiten, um sich zu regenerien. Das sollte auch im Sinne des Kandidaten sein, denn ein ausgeruhter Headhunter berät ausgewogener.

    Eine Übersendung des Lebenslaufes ist wichtig, damit sich der Berater einen ersten Eindruck vom Kandidaten bzw. Bewerber verschaffen kann. Damit bezeugt der Kandidat zudem sein Interesse an der vakanten Position. Meist hat der Berater ein genaues Profil vom Kunden bzw. Unternehmen, das letztlich auch die Kosten für die Suche trägt & somit ganz klar Priorität hat. Daher sollte der Kandidat im Hinterkopf behalten, dass der Kunde in jedem Fall das letzte Wort hat.

    Eine Personalberatung ist keinesfalls gleich zu setzen mit einer Personalvermittlung – wie es sich dem Wesen nach mit der Bundesagentur für Arbeit verhält. Richtig ist, dass der Kandidat jederzeit im Laufe des Bewerbungsprozesses aussteigen kann und ein guter Berater den Kandidaten im Zuge dessen unterstützt bzw. als Mediator zwischen Kundenunternehmen und Bewerber auftritt.

    Das kann dann auch soweit gehen, dass dem Kandidaten von einem nächsten Schritt – dem Gespräch beim Kundenunternehmen – abgeraten wird, weil er beispielsweise nicht optimal ins Profil passt & starke “besser passende” Konkurrenz hat oder seine Motivation auf rein monetären Beweggründen fundiert ist. Dies kann nämlich zu einer kostenlosen Nachbesetzung für den Personalberater führen, falls der Kandidat innerhalb der Probezeit wieder abwandert – aufgrund eines finanziell noch reizvolleren Angebotes.

    Dem Kandidaten steht es natürlich jederzeit frei sich trotzdem nach Abraten beim Unternehmen initiativ zu bewerben. Wird aber in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt sein, da der Berater das Stellenprofil meist sehr gut kennt und die Chancen auf ein weiterführendes Gespräch daher auch sehr gut einschätzen kann.

    Meiner Meinung nach kann ein guter Personalberater dem Kandidaten ein direktes Feedback zu seiner Bewerbung geben, wird den Lebenslauf des Kandidaten nur nach Zustimmung des Kandidaten an das Kundenunternehmen weitergeben, den Kandidaten nach bestem Wissen und Gewissen über das Unternehmen und die vakante Position informieren und im Prozess auf dem laufenden halten, sowie zeitnah über eine Absage oder weitere Schritte informieren. Da Papier geduldig ist und dies auch für das digitale Zeitalter gilt, sollte man nach dem persönlichen Gespräch mit dem Personalberater über dessen Kompetenz und Sympathie entscheiden.

  2. ‘Bekommen Sie jedoch bis zu einem vereinbarten Termin keine Antwort von ihm, rufen Sie direkt den vom Headhunter angegebenen Ansprechpartner in der neuen Firma an. So demonstrieren Sie dort gekonnt Ihr Interesse an der freien Stelle, und ebnen den Weg zu einem möglichen direkten Vorstellungsgespräch.’

    Hier ist meines Erachtens Vorsicht geboten. Die Autorin bezieht sich sicherlich auf angelsächsisch geprägte Vermittler, die kein festes Mandat haben und somit nicht seriös vorgehen und nur proaktiv Profile sammeln. In solchen Fällen ist ein intensives nachfragen nach Klient und Ansprechpartner sicherlich sinnvoll. Auch weitere Fragen nach Aufgabe und Verantwortlichkeit geben Aufschluß, ob die ansprechende Partei wirklich fest beauftragt wurde.

    Sollte es sich sich jedoch um einen seriösen Personalberater handeln, der mit der Besetzung fest mandatiert wurde, dann wird dieser keinen qualifizierten Kandidaten nicht weiterempfehlen. In einem solchen Fall rate ich von einer direkten Kontaktaufnahme dringend ab. Wenn der Berater keine Vorstellung fördert, hat er dafür Gründe.

  3. Ich stimme zum Thema Diskretion und interessewahrender Beratung auch im Sinne des Kandidaten vollkommen überein. Da wird leider unter Mitbewerbern viel Schindluder getrieben und unsauber gearbeitet.

    Gänzlich unangebracht und kontraproduktiv halte ich die persönliche Intervention eines Kandidaten beim Kunden selbst!
    Nicht nur, dass zwischen Kunden und Headhunter ein Vertauensverhältnis besteht, das damit unterlaufen wird, führt es meist auch zu allseitiger Verärgerung: der Kunde fragt sich, wieso er sich direkt mit einem Kandidaten abgeben soll, wo er doch einen Headhunter damit beauftragt hat.
    Letzterer muss sich übergangen fühlen und beide kommen dann überein, dass dies wohl nicht der geeignete Kandidat ist!
    Längere Reaktionzeiten liegen nämlich fast immer daran, dass der Kunde mit der Entscheidung-aus welchen Gründen immer- zögert, sodass der Headhunter eben gezwungen ist, zuzuwarten.

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