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Wie Sie trotz Milliardenverlusten hohe Boni einstreichen: Ein Fallbeispiel der HSH Nordbank

HSH Nordbank in Hamburg

HSH Nordbank in Hamburg

Der ständig wachsende Anteil von aufgeschobenen Vergütungsbestandteilen stellt für viele Banker ein Ärgernis dar. So lassen sich die Vergütungen einzelner Banken aufgrund des unterschiedlichen Anteils derartiger Bestandteile und der diversen Auszahlungstermine kaum noch miteinander vergleichen. Außerdem drohen bei einem Jobwechsel empfindliche Verluste. Dennoch stellt ein Artikel des „Stern“ geradezu ein Plädoyer für diese sogenannten Deferrals dar – sofern die dort enthaltenen Informationen zutreffen.

So hat die HSH Nordbank im Zuge der Lehman-Pleite für 2008 einen Verlust von 3,1 Mrd. Euro ausgewiesen.  Jeder der damals noch 5070 Beschäftigten hat also der Landesbank einen Verlust von durchschnittlich über 600.000 Euro eingebrockt. Eigentlich sollte sich in einem solchen Fall das Thema Boni erledigt haben – denn schließlich stellen die Boni einen Ausgleich für Leistung dar.

Doch nicht so in der New Yorker Niederlassung der HSH Nordbank. Dort zahlte die Bank im Februar an die gerade einmal 30 Mitarbeiter 12,8 Mio. Dollar aus,  wovon 5,4 Mio. auf Bonuszahlungen für 2008 entfielen. Damit hat jeder Mitarbeiter durchschnittlich 427.000 Dollar eingestrichen. Und das obgleich wegen des Verlustes bereits ein Bonusstopp verhängt worden war.

Laut dem Stern stammt der Geldsegen aus dem Longterm Incentive Plan (LTIP), einem langfristigen Bonusauszahlungsprogramm, über das heute die meisten Banken verfügen.  Dies sei kurzerhand für die „kurzfristige Auszahlung“ umfunktioniert worden.

Dazu schreibt Strafrechtler Rainer Hamm in einem Gutachten für die HSH Nordbank: „Unter Berücksichtigung der veränderten Rücklagen und Abschreibungen für das Jahr 2008 hätte der LTIP-Pool für 2008 nicht mit USD 5,37 in Ansatz gebracht werden dürfen, sondern auf Null gesetzt werden müssen.“

Laut dem Stern wurden die Boni niemals zurückerstattet. Auch von einer Strafanzeige habe die HSH Nordbank abgesehen. Laut Hamm hätten sich die Beschäftigten der „Untreue“ verdächtig gemacht. Allerdings hat sich in der Vergangenheit der Verdacht der Untreue als juristisch eher stumpfes Schwert erwiesen. Unnötig zu sagen, dass die verantwortlichen Mitarbeiter die Bank unterdessen verlassen  haben.

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