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GASTKOMMENTAR: Wieso sich das Schweizer Private Banking auf seine alten Tugenden besinnen sollte

Schwein gehabt.

Schwein gehabt.

Das Private Banking wurde ursprünglich in der Schweiz als sehr gutes und erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt und aufgebaut. Es diente den Banken, ihre Kunden effizient zu betreuen und damit ihr Vermögen und Erspartes langfristig und sicher anzulegen. Davon haben die Banken immer profitiert. Die Kundenbetreuer  – oder ‚Vermögensverwalter’ – haben sehr gute und langjährige Beziehungen zu Kunden weltweit aufgebaut. Diese schätzen eine lange, kundenorientierte Beziehung mit ihrem Betreuer sehr. Früher, vor etwas über 20 Jahren, haben Kundenbetreuer nie einem Kunden Ratschläge zum ‚Steuersparen’ erteilen dürfen. Dies war absolut verboten, nicht nur von der Regulierung, sondern vor allem vom Schweizerischen Verhalten zu diesem Geschäftsmodell.

Leider ist heute das Private Banking nicht mehr überall das, was es einmal war. Viele der Vermögensverwalter wurden von gewissen Banken (dies betrifft nicht alle) ab 50 aus Altersgründen entlassen und man hat junge Leute (zwar mit Uni-Abschluss, aber ohne die nötige Erfahrung) eingestellt. Sie erhielten Basislohn plus Bonus. Je mehr Kunden und Geld sie brachten, desto höher fiel der Bonus aus. Sie können sich vorstellen, was dies in der Branche ausgelöst hat. Die Steuerprobleme mit Amerika, Deutschland, Frankreich usw. kennt man ja jetzt und das Problem ist noch lange nicht gelöst, solange diese absolut unkluge und nur zahlenorientierte Strategie nicht geändert wird.

Was wir für das zukünftige Private Banking brauchen, ist umfangreiches und vielseitiges Wissen und Erfahrung, was früher absolut vorhanden war. Dazu gehören:

  • Kundenorientierte Betreuer mit langjähriger Bankerfahrung (mindestens zehn Jahre)
  • Eine effiziente Dienstleistungsorientierung
  • Das Risikoverhalten eines Kunden effizient abzuklären
  • Langjährige Beziehung zum Kunden aufzubauen. Ist der Kunde zufrieden, wird er die Bank auch weiterempfehlen
  • Welche Produkte sind für einen Kunden hinsichtlich seines Risikoprofils tragbar?
  • Wie kann das Geschäft optimal funktionieren, für den Kunden und die Bank?
  • Vor allem soll das Investmentbanking nicht mit dem Vermögensverwaltungsbereich durchmischt werden. Die Vermögensverwalter müssen sagen, was der Kunde will, und nicht die Investmentbanker.

Selbstverständlich können nicht alle Wünsche von Kunden erfüllt werden, wie z.B. dies heutzutage in Singapur der Fall ist. Dort werden Kunden angelockt, bezahlen aber keine Verwaltungs-, Depot- oder sonstige Gebühren und für Transaktionen nur Minimalgebühren. Kein Wunder, dass Banken ihre Filialen in diesem Land schliessen, weil es sich finanziell auf Dauer überhaupt nicht rechnet. Der Kunde muss also von Bank zu Bank wechseln. Macht dies Sinn? Hinzu kommt, dass man Kunden viele Produkte verkauft hat, die bei einer Umlieferung sehr viel Geld kosten, was die Bank und nicht der Kunde bezahlen muss. Meistens aber dauert die Lieferung von Bank zu Bank bis zu zwölf Monate, was einen enormen Aufwand mit sich bringt, der bis jetzt nie zum Thema gebracht wurde.

Der Kunde muss wissen, was er für eine effiziente Dienstleistung bezahlen muss, dafür aber auch Sicherheit für sein Vermögen erhalten. Dies kann ihm nur ein erfahrener Kundenbetreuer vermitteln. Es gibt keine Dienstleistung auf dieser Welt, die gratis ist. Das muss der Kunde wissen.

Kommentare (1)

Comments
  1. Ob mit unerfahrenen 30-35 jährigen Private Bankern die Cost/Income Ratio auf ein verträgliches Mass zurückgeführt werden kann, bleibt zweifelhaft. Die Transaktionsvolumen sind stark zurückgegangen, die Retrozessionen müssen rückvergütet werden und die Anlagestrategie ist durch die herbeigeführten tiefen Zinsen in Frage gestellt. Die Kunden werden immer preissensitiver und fühlen sich noch immer mit passiven Anlagen (ETF’s) oder Strukis abgespiesen, für die sie keine Extrakommissionen zahlen wollen. Zudem fürchten viele ausländische Kunden heute die Schweiz wie dere Teufel das Weihwasser. – Keine guten Voraussetzungen!

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