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Lahme Ente im Löwenkostüm: Wieso kein Banker die neuen EU-Bonusregelungen fürchten muss

Ente ohne Löwenkostüm.

Ente ohne Löwenkostüm.

Gut gebrüllt Löwe. Laut der Financial Times Deutschland hat Zypern, das derzeit den EU-Ratsvorsitz ausübt, einen Kompromissvorschlag für die geplante Deckelung der Bankerboni vorgelegt. Das EU-Parlament fordert bereits seit längerem eine Deckelung der variablen Bezüge bei 100 Prozent des Festgehaltes. Dies käme einer Revolution bei der Vergütung von Topbankern gleich. Allerdings haben sich EU-Länder mit einem starken Finanzsektor bislang gegen eine solche Deckelung gesträubt.

Der Kompromissvorschlag, den die zypriotische Ratspräsidentschaft den Regierungen der Mitgliedsländer zugestellt hat, weicht indes gravierend von den Vorstellungen des EU-Parlamentes ab. So soll lediglich der Baranteil der Bonuszahlungen bei 100 Prozent der Festgehälter gedeckelt werden. Dagegen soll die Gesamtsumme der Boni, inklusive der aufgeschobenen Bestandteile, auf das Dreifache des Festgehaltes begrenzt werden. Falls indes eine Mehrheit der Anteilseigner der jeweiligen Bank zustimmt, kann das Verhältnis auch bis zu 5 zu 1 betragen.

Damit erweist sich die Deckelung der Bankerboni als lahme Ente im Löwenkostüm, denn die praktischen Auswirkungen dürften gleich Null sein. Dies belegt ein Blick in den Vergütungsbericht der Deutschen Bank für 2011, wobei der deutsche Branchenprimus international zu den bestzahlenden Häusern gehört.

Dort werden 1363 sogenannte „Regulated Employees“ aufgeführt, die eine besondere Verantwortung für das Risiko und das Geschäft der Bank tragen. Es handelt sich dabei um die Spitzenverdiener des Instituts. Denn jeder dieser „Regulated Employees“ hat für 2011 die Kleinigkeit von durchschnittlich 1,424 Mio. Euro eingestrichen.

Insgesamt wendete die Deutsche Bank für diese Mitarbeitergruppe 1,941 Mrd. Euro auf. Davon entfallen 437,4 Mio. Euro auf die Festgehälter und 1,503 Mrd. auf die variablen Vergütungen, was dem Faktor 3,44 entspricht. Damit erfüllt die Deutsche Bank spielend den zypriotischen Kompromissvorschlag.

Das Gleiche gilt für die Deckelung des Barbestandteils der Boni bei 100 Prozent des Festgehaltes. Denn neben den Festgehältern in Höhe von 437,4 Mio. Euro zahlte die Deutsche Bank Barbestandteile in Höhe von insgesamt 221,9 Mio. Euro aus. Dies entspricht gerade einmal gut 50 Prozent der Festgehälter. Also: Gut gebrüllt Ente.

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