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Sparkommissar Blessing schwingt die Axt: Muss die Commerzbank 7000 bis 8700 Stellen abbauen?

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Die magische Zahl bei der Restrukturierung der Commerzbank lautet 12 bis 15 Prozent. Denn um diesen Wert will Commerzbank-Chef Martin Blessing die Kosten bis 2016 drücken. Allerdings wollte Blessing nicht verraten, wie viele Stellen tatsächlich auf dem Spiel stehen. Zuvor müssten noch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat abgewartet werden.

Damit droht indes der Kahlschlag höher auszufallen als erwartet. So hatte die „Zeit“ gestern gemeldet, dass bei der kriselnden Großbank 5000 bis 6000 Stellen wegfallen sollten. Allerdings hatte die „Zeit“ hierfür eine fragwürdige Formel angewandt: „Eine Daumenregel der Bankenbranche besagt, dass umfassende Restrukturierungen im Durchschnitt zehn Prozent aller Beschäftigten treffen“, heißt es in der „Zeit“.

Kosten sollen um 860 Mio. bis 1 Mrd. Euro sinken

Mit einem Einsparziel von 12 bis 15 Prozent der jährlichen Kosten dürfte die Zahl der wegfallenden Stellen mit 5000 sogar zu kurz gegriffen zu sein.  Dies belegt eine einfache Rechnung: Laut der Commerzbank werden sich die Verwaltungskosten bis Jahresende auf 7,2 Mrd. Euro belaufen.  Die jährlichen Einsparungen würden also zwischen 864 Mio. und 1,08 Mrd. Euro ausmachen.

Gemäß den Geschäftszahlen für die ersten neun Monate betrug der Anteil des Personalaufwands an den gesamten Verwaltungskosten immerhin 57,5 Prozent. Falls diese Quote beibehalten werden soll, was in etwa branchenüblich ist, dann müsste die Bank bei den Personalkosten also 497 Mio. bis 621 Mio. Euro einsparen.

Dabei belief sich der Personalaufwand für die 53.106 Mitarbeiter der Commerzbank  von Januar bis September auf 3,019 Mrd. Euro. Somit ließ die Bank für jeden Mitarbeiter durchschnittlich 56.849 Euro springen. Falls man diese Summe auf zwölf Monate fortschreibt, dann würde die Bank für jeden Mitarbeiter für 2012 71.061 Euro ausgeben. Diese Hochrechnung scheint nicht weit von der Wirklichkeit entfernt zu sein, denn in 2011 belief sich der Personalaufwand pro Kopf auf exakt 71.836 Euro.

Um die Personalkosten um 497 Mio. bis 621 Mio. Euro zu drücken, müsste die Commerzbank also rein rechnerisch 6994 bis 8739 Stellen streichen.

Unter Mitarbeitern grassiert die Angst

Kein Wunder, dass bei Gewerkschaft und Betriebsrat keine Begeisterung herrscht. „Eine Neuorientierung und Wettbewerbsfähigkeit der Bank ist sicherlich notwendig und begrüßenswert, sie darf jedoch nicht auf dem Rücken der Beschäftigten erreicht werden“, sagte Verdivorstand Beate Mensch.

Laut dem Handelsblatt soll unter den Beschäftigten aufgrund der in den Medien kolportierten Abbaupläne „Überraschung“ herrschen. Verhandlungen zu einem Abbau gebe es noch nicht. Überdies gilt bei dem teilverstaatlichten Unternehmen ein Kündigungsschutz bis Ende 2013. Da die Kostensenkungspläne Blessings indes bis 2016 ausgelegt sind, bleibt der Bank reichlich Zeit, Kündigungsschreiben zu verfassen. Trotz dieser trüben Aussichten registrieren Frankfurter Headhunter bislang kaum vermehrte Anfragen von Commerzbank-Mitarbeitern.

Blessing strebt nur eine Eigenkapitalrendite von über 10 Prozent an

Bei den Zielen für die Ertragskraft der Bank ab 2016 zeigte sich Blessing unterdessen überaus bescheiden. So strebt die Commerzbank lediglich eine Eigenkapitalrendite von über 10 Prozent an. Damit würde das Institut gerade einmal ein wenig mehr als seine Eigenkapitalkosten erwirtschaften. So hatte die Strategieberatung McKinsey in ihrem „Bankingreport 2012“ kürzlich die Eigenkapitalkosten europäischer Banken auf etwa 9 bis 10 Prozent beziffert. Auch im Privatkundengeschäft will die Bank künftig nur noch 500 Mio. Euro verdienen. Das alte Ziel von einem Vorsteuergewinn von 1 Mrd. Euro allein im Privatkundengeschäft bezeichnet Blessing heute jedoch als „unmöglich“. Konzernweit soll die Aufwands-Ertrags-Quote von derzeit knapp 70 auf 60 Prozent gesenkt werden.

Bei den Geschäftszahlen kann nur die Mittelstandsbank überzeugen

Ein Blick auf die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate zeigt, woran die Bank krankt: So erwirtschaftete der Konzern gerade einmal einen Vorsteuergewinn von 1,125 Mrd. Euro, woraus sich eine Eigenkapitalrendite von winzigen 5,1 Prozent ergibt.

Allerdings schnitten die einzelnen Geschäftsbereiche des Instituts höchst unterschiedlich ab. Glanzstück des Konzerns ist wieder einmal das Mittelstandsgeschäft, das einen Vorsteuergewinn von 1,273 Mrd. Euro und eine Eigenkapitalrendite von stolzen 29,2 Prozent einstrich. Das Investmentbanking konnte sich unterdessen von einem schwachen zweiten Quartal erholen. Trotzdem fiel der Vorsteuergewinn mit 266 Mio. Euro in den ersten neun Monaten bescheiden aus. Die Eigenkapitalrendite der Sparte lag bei 11,1 Prozent.

Dürftig sieht es indes im Privatkundengeschäft aus, wo die Commerzbank mit 17.242 Beschäftigten gerade einmal 215 Mio. Euro verdiente, was eine Eigenkapitalrendite von 7,3 Prozent bedeutet. Im Osteuropageschäft erzielte die Bank 115 Mio. Euro und eine Eigenkapitalrendite von 8,6 Prozent.  In den „Non Core Assets“, zu denen vor allem die hauseigene Bad Bank zählt, verlor die Bank indes 1,121 Mrd. Euro.

Während die Commerzbank bereits im Investmentbanking ein weiteres Sparprogramm auf den Weg gebracht hat, dürften die kommenden Sparprogramme vor allem auf das Privatkundengeschäft und die Infrastruktureinheiten entfallen, wo die Bank 17.242 bzw. 18.839 Mitarbeiter beschäftigt.

Von Blessing heißt es hierzu: „Wir setzen unser konsequentes Kostenmanagement fort und bauen nicht nur strategische Aktivitäten weiter kontinuierlich ab. Das gibt uns die notwendige Flexibilität für fokussiertes Wachstum in unserem Kerngeschäft. Insbesondere im Privatkundengeschäft stellen wir uns dafür strategisch und operativ neu auf.”

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