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eFinancialCareers.ch-Roundtable: Womit Schweizer Headhunter in 2013 rechnen

matterhorn

In der vergangenen Woche hat die UBS den Kahlschlag von 10.000 Stellen verkündet und so einen radikalen Strategiewechsel eingeleitet. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie es auf dem Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis weitergeht. Wir haben führende Headhunter der Schweiz zu einem eFinancialCareers.ch-Roundtable nach Zürich eingeladen, um aktuelle Trends und die Zukunft des Schweizer Arbeitsmarktes zu diskutieren. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Die Schweiz gewinnt gegenüber London und New York

Die schwere Krise im Investmentbanking hat auch so manchen hässlichen Kratzer an angelsächsischen Finanzzentren wie London und New York hinterlassen. Von daher gewinnt die beschauliche Schweiz sogar relativ im Vergleich zu den beiden Metropolen. „Es kommen sogar Leute aus New York in die Schweiz zurück“, beobachtet etwa Executive Search-Experte Philipp Buis von Jauch Associates.

„Der Arbeitsmarkt in Zürich ist weniger volatil als in London“, ergänzt Mark Dowsett von stamford consultants, der selbst aus London stammt und 1998 über Frankfurt nach Zürich gekommen ist.  Die Fokussierung auf das Investmentbanking habe zur Folge, dass die britische Finanzmetropole stärker unter der Krise leide als etwa Zürich.

Verdrängungswettbewerb bietet auch Karrierechancen

Headhunter Stefan Bächer von Guggenbühl, Bächer, Niederer & Partner rechnet für 2013 mit keiner schnellen Erholung auf dem Arbeitsmarkt für Finanzprofis. Vielmehr werde der Verdrängungswettbewerb weitergehen. „Die Schweiz ist ja kein Wachstumsmarkt. Daher suchen alle nach Leuten, die nachweislich Assets verschieben können“,  erläutert Bächer. Mithin würden Banken  teilweise ganze Teams bei einem Konkurrenten abwerben.

Ganz ähnlich sieht dies Buis: „Wer in einem schwierigen Marktumfeld Gelder generieren kann, wird auch weiterhin gut bezahlt werden.“ Daher rechnet der Executive Search-Experte nicht damit, dass die Frontpersönlichkeiten zu den Verlierern zählen werden. Dagegen würden die Gehälter in den Supportfunktionen weiter unter Druck geraten. Für 2013 rechnet Buis mit einem ganz ähnlichen Umfeld wie im laufenden Jahr. „Es wird drei bis vier Jahre dauern, bis die Umstrukturierungen in der Branche greifen. Erst dann wird es wieder Wachstum geben“, ergänzt Buis.

Temporäre Beschäftigung boomt

Durch die Krise sind die Arbeitgeber mehr als vorsichtig bei Festanstellungen geworden. „Aber die Arbeit ist nicht weniger geworden“, betont Personalberater Peter Vogler von kessler.vogler. Daher würden Banken auf befristete Arbeitsverhältnisse von sechs Monaten bis anderthalb Jahren ausweichen. „Temporär ist im Jahresverlauf explodiert, während Festanstellungen eingebrochen sind“, resümiert der Experte. Bei einem generellen Einstellungsstopp lasse sich eine temporäre Beschäftigung leichter realisieren.

Damit habe sich der Markt für temporäre Beschäftigung bei den Banken innerhalb von fünf bis sechs Jahren grundlegend gewandelt. Früher hätten Banken „nur im Notfall“ auf dieses Instrument zurückgegriffen, während es sich heute „zu institutionalisieren“ beginne. Auch für die Mitarbeiter muss dies laut Vogler kein Nachteil sein. Denn viele Banken nutzen temporäre Beschäftigung auch, um später geeignete Mitarbeiter fest einzustellen.

Trotz des Trends zum Outplacement gibt es in der IT auch Gewinner

Bei dem Abbau von 2500 Arbeitsplätzen bei der UBS in der Schweiz muss die IT einen erklecklichen Beitrag leisten. Die Konsolidierung in der Banking-IT kommt allerdings laut Dowsett nicht überraschend. „Auf das, was jetzt passiert, haben wir uns seit fünf Jahren vorbereitet.“

„Es gibt bei den Banken einen ganz klaren Trend zum Outsourcing“, ergänzt der Experte. Allerdings gibt es bei dem Wandel nicht nur Verlierer. Wenn Programmierkapazitäten innerhalb der Banken abgebaut werden, dann stelle dies wesentlich höhere Anforderungen an die Projektsteuerung. Solange noch inhouse programmiert wurde, konnten viele Probleme direkt und spontan von den Beteiligten besprochen werden. „Wenn Sie die Programmierung auslagern, dann geht eine solche Arbeitsweise gar nicht mehr. Die Projekte müssen wesentlich strenger organisiert werden“, ergänzt Dowsett. Daher rechnet der Personalprofi mit einem steigenden Bedarf an Projektleitern oder Requirement Engineers.  Weiter sieht Dowsett einen regen Bedarf an IT-Fachkräften, die Kenntnisse in Bereichen wie Regulierung und Compliance mitbringen.

Arbeitskräftenachfrage für Emerging Markets ungebrochen

Die wachsende Bedeutung der Schwellenländer für das Bankgeschäft wird auch in der Schweiz weiterhin für eine rege Nachfrage nach entsprechenden Profilen sorgen, ist sich Headhunter Jean-Marc Aiello von Randstad sicher. Der Finanzplatz habe für wohlhabende Anleger aus den Schwellenländern nichts an seiner Attraktivität eingebüsst. „Die Schweiz ist auf der Serviceseite gut positioniert, ist ein Wealth Management-Hub, bringt eine lange Geschichte und Stabilität mit. Das sorgt für Vertrauen“, ergänzt Aiello.

Besonders interessant seien ehemalige Sowjetrepubliken wie Russland, Ukraine, Kasachstan, Aserbaidschan und Usbekistan, wo die Rohstoffexporte vielen Menschen zu Reichtum verhelfen. Auch Länder wie die Türkei, Ex-Jugoslawien, Indien, Indonesien und der Mittlere Osten sind laut Aiello relevante Zielmärkte für das Schweizer Wealth Management.

„Für den Mittleren Osten, Indien, die Türkei und Lateinamerika werden zumeist Leute gesucht, die in der Schweiz aufgewachsen oder hier längere Zeit gelebt haben“, erzählt Aiello. Dabei kann es sich z.B. um Leute handeln, deren Eltern in die Schweiz eingewandert sind. Dadurch sind diese Personen sowohl mit Sprache und Kultur der Schweiz als auch z.B. der Türkei vertraut. Bei Ländern wie Russland, Ukraine, Kasachstan, Aserbaidschan und Usbekistan kämen die Leute zumeist aus den entsprechenden Ländern und brächten beispielsweise aus familiären Gründen ein Netzwerk mit.

Neues Wissen ist gefragt

„Die Anforderungen an die Mitarbeiter verwandeln sich grundlegend. Über Jahre aufgebautes Wissen, ist morgen nicht mehr aktuell“, sagt Vogler. So gewinne im Private Banking das Wissen um die steuerrechtliche Situation der Herkunftsländer der Kunden an Bedeutung. Es genüge nicht mehr, nur die Produkte gut zu kennen. Vielmehr müsse auch berücksichtigt werden, ob diese Produkte unter dem jeweiligen Steuerregime sinnvoll sind. Weiter werden Kompetenzen in Risikomanagement, Legal und Compliance auch in 2013 gefragt bleiben. „Das wird uns noch in Atem halten“, prognostiziert Vogler.

„Bei den Thema Regulierung sind wir noch nicht am Ende“, sagt auch Bächer. Damit würde die Nachfrage nach einschlägigen Profilen anhalten. Allerdings sieht der Experte die Entwicklung auch mit Sorge. „Dadurch werden die Kosten und der Druck auf die Margen steigen. Es droht die Gefahr der Überregulierung“, warnt Bächer. Dies könne die Erholung des Bankings „abwürgen“.

Kommentare (1)

Comments
  1. Auch die Experten hier scheinen den Ausmass der Krise im Inverstmentbanking – und im Bankwesens an sich- nicht begriffen zu haben: es ist eine Vertrauenskrise, die nur sehr langsam resorbiert sein wird. Warum eine VERTRAUENSkrise ? Weil gepokert wurde, klar. Aber noch gravierender: weil diese Poker-Bänker, trotz dem Schlamassel, das sie verursacht haben, mit unverschämten Gewinnen “von dannen” (dh zu anderen “Fettnäpfen”) gezogen sind… Und diejenigen, die geblieben sind, ihre Gier immer noch nicht im Griff haben…

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