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Welche Fragen Banken Absolventen stellen (und wie diese beantwortet werden sollten)

Derzeit bewerben sich zahlreiche Studenten um Praktika oder Absolventenstellen. In den Vorstellungsgesprächen können die Nachwuchsbanker auf die unterschiedlichsten Fragen treffen. Dennoch ist es hilfreich, sich auf die verschiedenen Fragetypen vorzubereiten. Wir haben vier Fragen ausgewählt, die tatsächlich in Gesprächen gestellt wurden und diese von Experten analysieren lassen:

Barclays Capital: Trading und Strukturierung

Frage: Im Revolver eines Polizisten befinden sich zwei Patronen in benachbarten Kammern, während die übrigen vier Kammern leer bleiben. Der Polizist dreht das Magazin, zeigt mit der Waffe auf Sie, drückt ab und nichts passiert. Mal angenommen, Sie wollen nicht sterben. Sollte der Polizist das Magazin noch einmal drehen, bevor er abzieht oder nicht?

Fragetyp: Denkaufgabe – Wie steht es um Ihre Mathekenntnisse?

Antwort des Kandidaten: „Falls er noch einmal dreht, liegt die Chance bei 2/6=1/3. Falls er direkt schießt bei ¼, also sollte er nicht drehen.“

Experteneinschätzung: „Dies stellt eine richtige und prägnante Antwort dar. Der Kandidat sollte nur dies sagen und nichts Weiteres“, sagt Peter Harrison, der früher im Goldman Sachs-Investmentbanking arbeitete und anschließend Harrison Careers gründete.

„Ich würde den Kandidaten mehr Denkaufgaben stellen, um sie weiter zu testen und sicherzustellen, dass sie klug genug sind. Vielleicht haben sich die Kandidaten auf eine solche Frage vorbereitet oder hatten schlicht Glück. Oder ich möchte sehen, ob der Kandidat die bedingte Wahrscheinlichkeit der Frage erkannt hat: Würden Sie lieber noch einmal drehen, bevor irgendein Schuss abgegeben wurde?“

Credit Suisse:  Investment Banking

Frage: Wieso haben Sie sich gerade bei uns beworben?

Fragetyp: Motivationsfrage – Haben Sie sich über die Bank bzw. den Geschäftsbereich informiert?

Antwort des Kandidaten: „Weil es sich um ein multinationales Unternehmen handelt, das in mehr als 50 Ländern vertreten ist, und daher ein multikulturelles Umfeld aufweist. Dass passt zu meinen Werten.“

Experteneinschätzung: „Dabei handelt es sich um eine zu vage und unvollständige Antwort. Es handelt sich lediglich um einen Teil einer guten Antwort und Sie trifft auf zu viele Unternehmen zu“, sagt Guy Ballantine, Consultant bei RSM Tenon. „Banken möchten herausbekommen, für welchen Bereich Sie arbeiten möchten. Daher ist es gut, genauer z.B. über M&A und Capital Markets zu antworten. Erwähnen Sie einen Deal, an dem sie kürzlich beteiligt waren, greifen Sie eine Stärke der Bank heraus wie z.B. einen Spitzenplatz in den Branchenrankings. Geben Sie keine Standardantworten, zeigen Sie Ihr Wissen und massieren Sie ihre Egos – das ist niemals schlecht.“

Morgan Stanley: Investment Banking

Frage: Wieso sollten wir Ihnen den Job NICHT geben?

Fragetyp: Passen Sie ins Unternehmen – Sie verfügen über keine Berufserfahrung, was können Sie ansonsten anbieten?

Antwort des Kandidaten: „Ich verfüge über kein Studium in Betriebswirtschaft oder Finance. Dennoch kann ich die entsprechenden quantitativen Kompetenzen lernen.  Ich denke ich bringe die Eignung hierfür mit.“

Experteneinschätzung: „Bei dieser Antwort handelt es sich um ein Leichtgewicht und sie ist nicht gut genug“, meint Harrison. Ich würde mir wünschen, dass der Kandidat zugibt, dass es sich um eine echte Schwäche handelt, und konkrete Schritte aufzeigt, um das Problem zu bewältigen. Während meiner sieben Jahre bei Goldman Sachs habe ich rund 1300 Vorstellungsgespräche geführt und ich habe diese Frage in 30 Prozent der Gespräche gestellt. Dabei suchte ich nach einer ehrlichen Selbsteinschätzung. Ich habe Kandidaten oft abgelehnt, weil ich ihre Antworten nicht geglaubt habe oder weil Sie aufrichtig gesprochen haben, was mich misstrauisch machte.“

BNP Paribas: Technology

Frage: Was halten Sie von Boni?

Fragetyp: Technisch – Was wissen Sie über die Branche?

Antwort des Kandidaten: „Die Medien und daher auch die Öffentlichkeit hegen eine aggressive Ablehnung allein gegenüber den Boni der Banker. Dagegen scheint sich niemand an exzessiven Boni für Toprechtsanwälte, Hedgefondsmanager, Profifußballer, Fernsehmoderatoren und andere zu stören. Allerdings scheint es Fälle zu geben, wo die Boni nicht gerechtfertigt sind und nicht auf Leistung beruhen, was ich für falsch halte. In einer idealen Welt sollte jeder belohnt werden, aber sie sollten nur einen Bonus erhalten, wenn sie in einer Zeitspanne herausragenden Leistungen erbracht haben.“

Experteneinschätzung: „Dabei handelt es sich um eine gute Antwort, weil Leistung mit Belohnung verbunden wird“, sagt Ballantine. „Sie kann durch persönliche Elemente ausgebaut werden, indem Sie z.B. erwähnen, wie gut die Bank die Anreize für Mitarbeiter setzt. Ich mag es immer, wenn die Leute erzählen, was sie motiviert: ‚Ich möchte einen Bonus erhalten, aber ich möchte auch fair behandelt werden und in einem guten Umfeld arbeiten; oft stellen hohe Boni eine Entschuldigung dafür dar, die Leute nicht sehr gut zu behandeln. Das hängt natürlich von dem Bereich ab, für den das Vorstellungsgespräch stattfindet: Falls Sie im Trading arbeiten, dann macht es Sinn zu antworten, dass Sie mit Geld motiviert werden. Aber in anderen Sparten ist dies weniger akzeptabel.“

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