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Ist der Banken-Boom schon wieder zu Ende?

Im ersten Halbjahr haben viele internationale Großbanken wieder gut verdient. Also alles gut – oder?

Doch Vorsicht! Den Aufschwung verdanken die Institute vor allem dem Investmentbanking. Experten sind skeptisch, dass die hohen Gewinne von Dauer sein könnten. Schließlich können die anderen Geschäftsbereiche – Privat- und Firmenkundengeschäft sowie Vermögensverwaltung – einen Rückgang im Investment-Banking nicht auffangen. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise bescheren den Banken in diesen Bereichen hohe Abschreibungen.

Das Investmentbanking von Großbanken wie HSBC, JP Morgan, Barclays und Credit Suisse profitierte im ersten Halbjahr von der Bilanzschwäche vieler Institute, die sich frisches Geld per Kapitalerhöhung holen mussten. Außerdem stützten steigende Umsätze das Geschäft der margenstarken strukturierten Wertpapiere.

Für die Schweizer Großbank Credit Suisse sagt Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan Chase nun aber einen deutlichen Rückgang im Anleihe- und Aktienhandel voraus. Dieser Einbruch könne auch von einem Comeback des Geschäfts mit Übernahmeberatungen und Wertpapierplatzierungen zum Jahresende nicht aufgefangen werden, so dass der Gewinn dieses Bereichs um fast ein Drittel sinken könnte. Allerdings profitieren die Schweizer von ihrer starken Vermögensverwaltung – und von der Tatsache, dass Helvetia bislang nicht so sehr von faulen Krediten gebeutelt wurde wie die USA und Großbritannien.

Britische Großbanken werden nach einer KPMG-Prognose im zweiten Halbjahr Verluste im Privatkundengeschäft und hohe Abschreibungen auf notleidende Kredite im Firmenkundengeschäft hinnehmen müssen.

Ein ähnliches Schicksal dürfte auch US-Großbanken blühen. Im Kreditgeschäft ist nämlich weniger zu verdienen als landläufig vermutet wird. Die steile Zinskurve werde in ihrer Wirkung überschätzt”, sagte Robert Albertson, Chefstratege bei Sandler 0’Neil, zur verbreiteten Ansicht, dass die Banken wegen der niedrigen Leitzinsen mit der Vergabe länger laufender Kredite viel Geld verdienen könnten. Die Kreditnachfrage fällt nämlich immer noch, entsprechend schwach läuft das Geschäft.

Skeptisch beäugen Experten auch die Entwicklung des Privatkundengeschäfts, in dem die Banken wegen der rasanten Aktienmarkterholung und vieler Kundenorder gutes Geld verdienen konnten. Das habe sich im dritten Quartal abgeschwächt, sagte Brad Hintz, Analyst bei Bernstein Research.

Unterschätzt wird laut Beobachtern der drohende Anstieg von Kreditabschreibungen. “Bei Krediten für Gewerbeimmobilien steht uns das Schlimmste noch bevor”, warnte zuletzt die Chefin der US-Bankenaufsicht FDCI, Sheila Bair. “Viele übersehen die Gefahr der schlechter werdenden Kreditqualität”, betont auch Analyst Albertson. “Ich gehe davon aus, dass sich bei den Banken insgesamt erst 35 Prozent der Kreditverluste in den Bilanzen niedergeschlagen haben.”

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