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CITYBOY: Sieben Lektionen eines Whistleblowers – eine Botschaft an Greg Smith

Greg Smiths „Skandalbuch“, das die zwielichtigen Geschäftspraktiken von Goldman Sachs enthüllt, hat mittlerweile die Buchläden erreicht. Die Enthüllungen aus seinen zwölf Jahren bei Goldman Sachs wurden mit großer Spannung erwartet, seit er sein Kündigungsschreiben in der New York Times veröffentlichte. Dieser berühmte Brief hat aufgedeckt, dass seine Kollegen ihre Kunden regelmäßig als „Muppets“ bezeichnet haben und er beschrieb die Unternehmenskultur der erfolgreichsten Investmentbank der Welt als „vergiftet“.

Als ich mein eigenes Buch über die Sitten im Banking – „Cityboy“ – veröffentlicht habe, musste ich einige Lektionen lernen, die auch Greg Smith beherzigen sollte. Falls Sie auch selbst mit dem Gedanken spielen, Ihre Bank öffentlich zu kritisieren, dann sollten Sie folgende Punkte im Hinterkopf behalten:

1. Der Schweigekodex gilt noch immer. Das Buch „Why I left Goldman Sachs“ ist derart frei von Enthüllungen, weil kein Unternehmen etwas veröffentlichen würde, dass zu einem Prozess mit einer größeren Bank führt. Ich bin darum herum gekommen,  indem ich vorgegeben habe, dass es sich bei meinem Buch um einen Roman handle.

2. Sie könnten vermöbelt werden, falls Sie sich in den Finanzdistrikt zurück trauen. Ich selbst wurde von Betrunkenen bei zwei Gelegenheiten herumgeschubst, als ich es wagte, in der Londoner City aufzutauchen. Ich denke, dass einige Leute einfach ein wenig empfindlich sind.

3. Sie werden schnell herausfinden, wer tatsächlich Ihre wirklichen Freunde am Arbeitsplatz sind, wenn Sie in einem Buch erzählen, dass die meisten Ihrer Kollegen und Kunden nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind. Ich selbst bin immer noch im Kontakt mit etwa fünf Kumpeln aus der City, doch die meisten würden nicht einmal auf mich urinieren, wenn ich in Flammen stehen würde.

4. Sie werden von einer Menge Leute als „Heuchler“ bezeichnet … und diese liegen vielleicht gar nicht so falsch. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Journalisten mir erzählt haben, dass ich in die Hand gebissen habe, die mich fütterte und obgleich dies alles zutrifft, muss ich doch sagen, dass diese Hand es verdient hatte, gebissen zu werden.

5. Sie werden schneller zu einer Zitatefundgrube als ein Mortgage Backed Security an Wert verliert. Denn Journalisten sind von Natur aus faul und sobald irgendwo eine Story über Boni oder Finanzskandale auftaucht, werde ich angerufen, um eine „Insidersicht“ abzugeben. Das mag ja viel Spaß machen, aber Sie erhalten dafür keinen einzigen Cent.

6. Ihre Enthüllungen verändern  gar nichts. Offensichtlich hofft Greg Smith, dass sein Buch den Kulturwandel im Banking vorantreibt. Doch wer glaubt das schon? Sobald sich ein System zum Missbrauch anbietet, wird es raffinierte, skrupellose Leute geben, die es missbrauchen.

7. Die Freiheit, kein Banker mehr zu sein, wiegt jeden Bonus auf, der Ihnen entgangen sein sollte. Und da Sie hinter sich alle Brücken abgebrannt haben, werden Sie auch niemals darüber nachdenken, ob Sie den richtigen Schritt unternommen haben.

Meine achte Lektion sollte eigentlich lauten, dass Sie nicht reich werden, wenn Sie ein Buch veröffentlichen. Allerdings habe ich gerade gelesen, dass Greg Smith für sein Werk vorab 1,5 Mio. US-Dollar erhalten habe. Dann kann er sicherlich nicht allzu dumm sein!

Geraint Anderson ist auf Twitter: @cityboylondon. Sein jüngstes Buch „Payback Time“ ist jetzt im Buchhandel erhältlich.

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