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Boni ungerechtfertigt? Wie die Deutsche Bank ihr Investmentbanking seit Jahren schönrechnet

Die Spannung steigt unablässig. Denn am morgigen Dienstag (30. Oktober) werden UBS und Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vorlegen. Während im Vorfeld diverse Medien über einen Kahlschlag im Investmentbanking und der  IT bei der Schweizer Bank in Höhe von 10.000 Jobs berichten, ist es um den deutschen Branchenprimus vergleichsweise ruhig. Dabei müssen die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen noch erklären, wie sie die bereits angekündigte Kostensenkung von 4,5 Mrd. Euro jährlich umsetzen wollen.

In diese Situation platzt ein äußerst interessanter Gastkommentar, den Bankanalyst Dieter Hein von Fairesearch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht hat. Demnach rechnet sich die Deutsche Bank ihr Investmentbanking seit Jahren schön. In der Realität würde sie nicht einmal die eigenen Kapitalkosten erwirtschaften und die hohen Boni der Sparte seien mithin ungerechtfertigt. Dabei stützt sich Hein auf zwei reichlich brisante Argumente. Konkret:

Die aufgeschobenen Bonuszahlungen tauchen nicht in der Erfolgsrechnung auf

Der erste Trick bezieht sich auf die Bilanzierungspraktiken der Deutschen Bank. So habe das Institut seinen Investmentbankern 4 Mrd. Euro an Boni versprochen, die nirgends in den Geschäftsberichten auftauchen. Dabei hatte der neue Personalvorstand Stephan Leithner beim Investorentag im September selbst eingestanden, dass das Institut akkumulierte Bonusansprüche von 2,4 Mrd. Euro vor sich her schiebe.

Die Pointe dabei:  Diese Ansprüche unterliegen einer Clawback-Regelung. Sie können also in Zukunft nachträglich gestrichen werden, falls sich die Banker etwas zu Schulden kommen lassen, der Konzern oder die einzelnen Sparten rote Zahlen schreiben. Aufgrund dieser Unsicherheit hat die Bank diese Summe bislang nicht in ihre Gewinn-und-Verlustrechnung eingestellt. Wenn die Bank dies vorgenommen hätte, wären die Gewinne namentlich im Investmentbanking – wo das Gros der Boni anfällt – empfindlich niedriger ausgefallen. Laut Heins Berechnungen wäre der Konzerngewinn um 42 Prozent gepurzelt. Im Investmentbanking wäre der Effekt noch größer.

Die Hebung stiller Reserven

Das Ende der Deutschland AG hat dabei auch für einen Extrageldsegen in der Erfolgsrechnung der Deutschen Bank gesorgt. So habe sich der Branchenprimus seit Ende 1998 von Unternehmensbeteiligungen in Milliardenhöhe getrennt.  Diese seien wesentlich geringer als der Marktwert bilanziert worden. So habe die Bank damals stille Reserven von 19,3 Mrd. Euro ausgewiesen. Wenn diese Beteiligungen indes verkauft werden, müssen sie zu einem aktuellen Wert in die Erfolgsrechnung einfließen und die Bank verzeichnet einen Extragewinn.

Fazit Heins: Deutsche Bank erwirtschaftet nicht einmal ihre Eigenkapitalkosten

Durch diese Effekte sei die eigentlich erzielte Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank zwischen 1998 und 2011 deutlich niedriger ausgefallen als in den Geschäftsberichten angegeben. Das Investmentbanking habe nicht einmal seine Eigenkapitalkosten erwirtschaftet. Die Strategieberatung McKinsey hatte erst kürzlich die Eigenkapitalkosten von Banken in Europa auf etwa 10 Prozent veranschlagt.

Falls Heins Einschätzungen zutreffen sollten, dann haben die Investmentbanker in der Vergangenheit zu viel Boni eingestrichen. Da überdies die Eigenkapitalanforderungen im Zuge der Einführung von Basel III weiter steigen – ist mit einer Erholung kaum zu rechnen. Die betroffenen Mitarbeiter sollten sich bei der morgigen Veröffentlichung der Quartalsergebnisse auf schlechte Nachrichten einstellen.

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