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Banker und ihre Hobbies: Wie Freizeitaktivitäten die Karriere voranbringen

Voel je machtig.

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Falls Banker nicht bis 2 Uhr nachts im Büro arbeiten, dann unternehmen sie gelegentlich andere Dinge – manche leisten sich sogar Hobbies. Doch bei der großen Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen in den Finanzdienstleistungen fällt die Abgrenzung von Freizeitaktivitäten und Arbeit oft nicht leicht. Dabei stellt es sich manchmal sogar als Karriereturbo heraus, dem gleichen Zeitvertreib wie der eigene Vorgesetzte zu frönen. Hobbies bringen darüber hinaus andere Vorteile mit sich wie z.B. bessere externe Netzwerke, weniger Stress und eine höhere Produktivität. Allerdings sollten Sie vorsichtig dabei sein, Ihre Vorgesetzten nachzuahmen. Dies kann ins Auge gehen, weil es nicht authentisch ist.

Laut Mohan Kumar, der im Kreditmanagement der Credit Suisse in Honkong arbeitet, verfolgen einige Finanzprofis neue Interessen wie Billard, Bowling oder Tennis, nur um bei ihren Vorgesetzten gut angeschrieben zu sein.

Obgleich Ihnen dies kurzfristig einen besseren Zugang zu den Entscheidern verschafft, wird der anfängliche Erfolg wahrscheinlich nicht lange anhalten. „Ein Hobby zu faken, nur um voranzukommen, stellt einen schlechten Schritt dar“, sagt Elle Kaplan CEO von Lexikon Capital in New York. „Der Mangel an Aufrichtigkeit wird nahezu immer spürbar sein, was mehr Schaden als Gutes verursacht.“

Paul Heng, Gründer von NeXT Corporate Coaching Services in Singapur ergänzt: „Finden Sie etwas, was Sie wirklich interessiert und versuchen Sie nicht nur Pluspunkte zu sammeln. Ein Hobby zu haben, für das Sie sich nicht wirklich begeistern, kann sogar qualvoll sein. Dies wird sicherlich nicht Ihr Selbstwertgefühl steigern.“

Andrey Bezverkhiy, ein Corporate Finance Manager aus Hongkong, ist in seiner Karriere schon auf einige Hobby-Trittbrettfahrer gestoßen. „Doch Gott sei Dank habe ich nie mit ihnen eng zusammengearbeitet. Ich bin durchaus bereit, die gleichen Hobbies wie sie zu betreiben, solange sie meinen ähneln wie Fußball, Wandern und Barbecues – doch mir würde es keinen Spaß bereiten, Blümchen zu pflanzen“, ergänzt Bezverkhiy.

Wie sich Ihre Hobbies auszahlen

Mal ganz abgesehen von vorgetäuschten Hobbies – falls Sie das Glück haben und die gleichen Hobbies wie Ihr Chef betreiben, dann können Sie daraus Ihren Vorteil ziehen. Kaplan erzählt, wie sie und ihre ehemalige Vorgesetzte ihre Vorliebe für gutes Essen teilten. „Wir fanden einen neutralen Boden, über den sich eine Beziehung aufbauen ließ, und dies entwickelte sich zu einem Ort, wo ich mich dabei wohlfühlte, ihr Rat zu erteilen.“

Sport stellt die beste Möglichkeit dar, um Beziehungen aufzubauen. In demselben Eishockey-Team an der Uni zu spielen, half Travis Tucker, der früher als Portfolio Manager im Wealth Management von Morgan Stanley arbeitete, eine Freundschaft zu David Gatti aufzubauen, der Mann, der später sein Vorgesetzter bei einem Investmentberatungsunternehmen in Boston werden sollte. „Das war eine großartige langjährige Beziehung“, sagt Gatti. „Beim Hockeyspielen bauen Sie Vertrauen auf. Es geht ganz ähnlich wie im Wealth Management-Geschäft zu.“ Dies sieht Travis ganz ähnlich. „Es handelt sich bei beiden gewissermaßen um Kontaktsportarten und alles dreht sich darum, Schläge einzustecken, sich aufzurappeln und weiterzumachen.“

Bei Hobbies geht es nicht nur darum, Ihrem Vorgesetzten Honig um den Mund zu schmieren. Es kann auch Ihre Beziehungen jenseits des Berufs voranbringen. Dies bringt uns zum Golf – der Allzweckwaffe, mit der Finanzprofis ihr Netzwerk ausbauen und Geschäfte anbahnen. „Ich kann Ihnen nicht erzählen, wie häufig Broker versucht haben, mich auf den Golfplatz zu bekommen“, erzählt Colin McLean von SVM Asset Management in London. „Denn es bietet die Gelegenheit, für Stunden die ungeteilte Aufmerksamkeit von jemanden zu erlangen. Daher ist es offensichtlich hervorragend dazu geeignet, jemanden kennenzulernen und Ihr Netzwerk auszubauen. Daher stellt es definitiv einen Karrierevorteil dar.“

Natürlich können Sie auch immer versuchen, Ihre Kunden zu schlagen. Alan Lacey , Gründer von The Real Fight Club, der das Boxen auch in höheren Schichten in England salonfähig gemacht hat, erzählt: „Boxen ist wie Schach, nur mit Blut. Es geht sehr strategisch zu, es ist komplex und intelligent, was es für Leute interessant macht, die in der Londoner City arbeiten. Die meisten Leute sehen darin eher ein Fitnesstraining als eine Kampfsportart. Allerdings stellt es auch einen unkonventionellen Weg für Networking dar, besonders mit den Sparrings-Partnern – denn Sie spüren eine besondere Verbindung zu jemanden, mit dem Sie sich regelmäßig gegenseitig ins Gesicht geschlagen haben.“

Setzen Sie sich eigene Ziele

Für einige Leute bestehen die Vorteile von Freizeitaktivitäten nicht in den Beziehungen, die hierdurch aufgebaut werden können. Vielmehr geht es ihnen darum, persönliche Ziele zu erreichen. Laut dem Psychologen Daniel Koh von Insights Mind in Singapur wählen Finanzprofis üblicherweise Zeitvertreibe aus, die sie stimulieren, und damit zu der schnelllebigen Branche passen, in der sie arbeiten.

Vivek Sharma von einer Investmentbank in Honkong mit einer Leidenschaft zur Fotografie betont, dass der Erfolg hinter der Linse dem Erfolg am Arbeitsplatz entspricht, denn beide hängen davon ab, dass Sie aus Fehlern lernen und ständig besser werden. „Ich zwinge mich dazu, Fotos zu schießen, die kein anderer machen kann, mit den Instrumenten umgehen zu können und mit neuen Instrumenten zu arbeiten.“

Vom entspannenden Yoga bis zum adrenalinreichen Fallschirmspringen helfen viele Hobbies Bankern dabei, ihren Stress zu bewältigen, betont Kumar von der Credit Suisse. „In einer Welt in der Sie 24 Stunden online und verfügbar sein können, sorgen sie für Ausgleich und klaren Kopf“, ergänzt Mark Sparrow von der NP Group. „Dies bringt Sie dazu, sich energiereicher und konzentrierter zu fühlen, was letztlich zu höherer Produktivität führt.“

Doch einige Beschäftigungen bringen unmittelbarere und greifbarere Vorteile mit sich. So nutzte Andrew Dougherty, Head of alternative and institutional Solutions bei BNP Paribas in New York, seinen Pilotenschein, um die Verantwortung für zwei Niederlassungen zu übernehmen. So fliegt er zwischen New York und einem anderen Büro in Pennsylvania hin und her. Das Fliegen sei einfacher, als ins Auto zu steigen oder den Zug zu nehmen. „Dies stellte jedoch nicht den Hauptgrund dafür dar, einen Pilotenschein zu machen. Dennoch hilft mir das Hobby bei der Arbeit und natürlich liebe ich es.“

Mit Unterstützung der eFinancialCareers-Reporter Fred Yager in New York und Paul Clarke in London.

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