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Wie Sie mit Ihren Hobbies in einer Bewerbung punkten können

Auf dem Cover ihres neuen Buches spielen Kandidat und Altkanzler Schach - das zeugt von strategischem Denkvermögen. Dumm nur, dass das Brett falsch aufgestellt ist.

Auf dem Cover ihres neuen Buches spielen Kandidat und Altkanzler Schach - das zeugt von strategischem Denkvermögen. Dumm nur, dass das Brett falsch aufgestellt ist.

Ganz unten auf dem Lebenslauf  und doch relevant: Hobbies und Freizeitbeschäftigungen können durchaus eine Rolle bei einer Bewerbung spielen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Freizeitbeschäftigungen am Geschicktesten einsetzen und was Sie lieber verschweigen sollten:

1. Exotische Hobbies machen interessant

„Hobbies sind wie Bilder in einer Bewerbung. Sie sind nicht erforderlich, runden aber eine Bewerbung ab“, erläutert Recruiterin Stefanie Storck von Euro London Appointments in Frankfurt. „Sie machen eine Bewerbung menschlicher“, ergänzt die Expertin. Allerdings sollten die Aktivitäten nur mit einigen wenigen Stichworten angeführt werden.

Ganz ähnlich sieht dies Headhunter Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. Hobbies könnten der Bewerbung schon ein gewisses Etwas verleihen und einen Kandidaten interessanter machen. „Hobbies sind interessant, wenn ihnen etwas Exotisches anhaftet“, betont Riske.

„Wenn die Freizeitaktivitäten auch noch etwas Gemeinnütziges umfassen, dann ist das umso besser“, führt Storck aus. Allerdings sollten nicht sämtliche Aktivitäten akribisch aufgelistet werden. So berichtet die Headhunterin von einem Kandidaten, der die Sorge um streunende Katzen im Lebenslauf angeführt habe. „Das ist einfach zu weit weg“, meint Storck.

2. Hobbies helfen das Eis zu brechen

Ein Vorstellungsgespräch gleicht einer Prüfungssituation und ist somit ähnlich spaßig wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Daher stellen Hobbies ein nützliches Instrument dar, um die Spannung in einem Vorstellungsgespräch zu lösen.

„Freizeitaktivitäten können den Einstieg in ein Vorstellungsgespräch erleichtern“, beobachtet Headhunter Mike Boetticher von match personalberatung in Frankfurt. Dazu seien indes vor allem Hobbies geeignet, die ungewöhnlich sind und daher einen guten Ansatzpunkt bieten wie Fallschirmspringen, das Spielen von Musikinstrumenten oder Tauchen.

Ob sich jedoch mit Hobbies punkten lässt, hängt natürlich auch von den jeweiligen Interessen der Partner in einem Vorstellungsgespräch ab – und damit vom Zufall. „Gerade den fachlichen Vorgesetzten kann es mehr interessieren, ob der Kandidat Fan des gleichen Fußballvereins ist“, erzählt Riske. Doch auch wenn die Gesprächspartner unterschiedlichen Lokalrivalen wie dem HSV und St. Pauli anhängen, muss dies kein Nachteil bedeuten. „Hobbies geben auf jeden Fall einen Ansatzpunkt für Smalltalk“, sagt Riske und helfen eine Beziehung zwischen den Gesprächsteilnehmern aufzubauen. Schließlich müssen die Leute auch in Zukunft lange Arbeitszeiten gemeinsam verbringen. Dabei spielt die persönliche Komponente eine wichtige Rolle.

Boetticher weist noch auf einen anderen wichtigen Aspekt eines Smalltalks über Hobbies hin: „Dies kann dazu führen, dass Sie die Leute besser im Gedächtnis behalten und sich z.B. an den ‚Fallschirmspringer‘ erinnern.“ In einem hartumkämpften Arbeitsmarkt mit unzähligen Kandidaten kann dies schon einen kleinen Vorteil darstellen.

3. Freizeitbeschäftigungen sollten zum Anforderungsprofil passen

Hobbies  können so einiges über die Persönlichkeit eines Kandidaten verraten. Dabei geht es weniger um tiefenpsychologische Analysen als um Glaubhaftigkeit. So wird heute in Stellenanzeigen gerne „Teamfähigkeit“ verlangt. Schließlich dürfte es wenige Jobs bei einem Finanzdienstleister geben, die nicht einen ständigen Umgang mit anderen Menschen verlangen.

Ins Grübeln kommen HR Manager indes, wenn die Hobbies einen ganz anderen Eindruck vermitteln als die Persönlichkeitsbeschreibung. „Wenn ein Kandidat sich als ‚teamfähig‘ bezeichnet, aber in seinem Lebenslauf nur Individualsportarten anführt, dann fragen sich die Personaler schon, wie glaubhaft das ist“, sagt Riske.

Laut Boetticher können Hobbies „abseits des Mainstream“ durchaus einiges über die Persönlichkeit sagen. „Wenn ein Hochschulabsolvent z.B. 10 Jahre Geige spielt, vielleicht sogar noch im Orchester, dann kann man davon ausgehen, dass er lernen und strukturiert arbeiten kann und leistungsfähig ist“, betont Boetticher. Denn ein solch anspruchsvolles Hobby neben Schule und Studium voranzutreiben, stelle schon eine Herausforderung dar.

4. Geflunkerte Hobbies können zum Desaster werden

Riske berichtet von einem Kunden, der über ein ungemein breites Allgemeinwissen verfügt. Dabei soll es schon zu peinlichen Vorfällen gekommen sein. So habe ein Kandidat ein „exotisches Hobby“ angeführt, um sich interessanter zu machen. „Doch wenn Sie z.B. Kunst als Hobby angeben, und dann nicht über das entsprechende Gebiet sprechen können, dann schießen Sie sich ins eigene Knie“, ergänzt Riske.

Doch auch die Klassiker im Lebenslauf schützen nicht vor Stolperfallen. So würden Laut Boetticher rund 95 Prozent der Kandidaten Standardhobbies wie Lesen, Kino, Freunde etc.  angeben. „Wenn ich dann frage, welches Buch sie gerade lesen, dann kommt nichts“, erzählt Boetticher. In solchen Fällen ist es ratsam, die Hobbies lieber ganz wegzulassen.

5. Am Ende sind Hobbies zweitrangig

Generell stellen Hobbies normalerweise kein entscheidendes Auswahlkriterium dar. „Es gibt sogar einen Trend, die Hobbies in einem Lebenslauf wegzulassen“, beobachtet Riske. Dies mag auch an der Tendenz zu kürzeren Lebensläufen liegen, wie sie in angelsächsischen Ländern üblich sind und wo wenig Raum für Freizeitaktivitäten bleibt. „Und wenn Sie allgemeine Schlagwörter wie Sport, Literatur, Musik angeben, dann können Sie die Hobbies auch gleich weglassen“, ergänzt Riske.

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