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Gefeuert? Welche Alternativen Private und Investment-Banker in der Schweiz haben

Und wieder ein arbeitsloser Banker?

Und wieder ein arbeitsloser Banker?

Eine schlechte Nachricht hatte Julius Bär-Chef Boris Collardi für seine Mitarbeiter am Dienstag parat: Bis 2015 sollen etwa 1000 Jobs wegfallen. Damit reiht sich die noble Privatbank in eine lange Reihe von Schweizer Instituten ein, die die Axt beherzt an den Mitarbeiterstamm legen. Doch wenn alle Personal abbauen, wo kommen dann all die geschassten Private und Investment-Banker unter? Wir haben bei Zürcher Headhuntern nachgefragt:

Das Ausmaß des Problems ist noch nicht überall angekommen

„Das Problem ist in der Schweiz noch nicht angekommen. Zwar sind bereits sehr viele Banker nicht mehr im Job, aber ein Großteil davon – z.B. die Mitarbeiter von Credit Suisse oder Clariden Leu – stehen noch in Lohn und Brot. Viele dieser Personen realisieren noch nicht ganz den Ernst der Lage und dass sich die Industrie- und auch die Bankenwelt massiv verschoben hat und noch verschieben wird“, erzählt Headhunter Klaus Robert Biermann von BiermannPartners.

„Eine völlige Neuorientierung ist in diesen Zeiten der Freisetzungen nicht einfach – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Branche“, betont Headhunter Emanuel Kessler von kessler.vogler. Zweifellos sind Banker auf Jobsuche derzeit nicht beneidenswert. Denn die Zahl der Kündigungen steigt und die Zahl der offenen Stellen sinkt, folglich konkurrieren umso mehr Kandidaten um die raren Jobs.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Wenn niemand mehr einstellt, dann liegt die Idee nahe, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. „Die Seniors machen sich vielfach selbstständig und gründen kleine Boutiquen. Hier sehe ich sehr viel Potenzial, wenn es nicht um One- oder Two-Man-Shows geht“, meint Biermann. Die Intelligenz und Kreativität der Banker sei extrem hoch. Denn die hohen Vergütungen in der Branche hätten die bestausgebildeten Personen angelockt.

Chancen auf der Buyside

Da es im Investmentbanking in der Schweiz und anderswo kaum offene Stellen gibt, liegt ein Wechsel auf die Buyside nahe. „Neben der Selbstständigkeit können teilweise im Asset Management, im Pensionskassenbereich oder auch bei Versicherungen neue Möglichkeiten gefunden werden“, sagt Biermann.

Auch Kessler sieht Chancen für Banker im Asset Management. Allerdings warnt er vor zu großen Hoffnungen: „Ich finde diesen Schritt nicht ganz einfach, weil es auch in dieser Branche Leute gibt, die einschlägige Erfahrungen mitbringen.“

Advisory lockt

Client Relationship Manager (CRM) aus dem Private Banking stehen vor einer besonderen Herausforderung. „Dort sind neben der guten Ausbildung und des Fach- und Produktewissens vor allen ein gutes Netzwerk und das damit verbundene Akquisitionspotenzial, das jemand mitbringt, ausschlaggebend “, bemerkt Kessler. Doch was machen in diesen Zeiten CRM, die ihren Job verlieren und nicht riesige Assets tranferrieren können?

Kessler sieht Chancen im Portfolio Management und im Advisory. Dabei handelt es z.B. um Stellen, die sich an der Schnittstelle von Produktspezialisten und den CRM befinden. Dies können Spezialisten für einzelne Produktklassen aber auch interne Sales-Positionen sein, wo die Verbindung von Produkt-Knowhow und der Verkaufsaspekt eine Rolle spielen. Dabei würden die jüngeren Leute im Schweizer Private Banking von einer guten Ausbildung profitieren

Der Wechsel zu Staat und Aufsichtsbehörden

Finanzkrise und wachsende Regulierung haben bei den Aufsichtsbehörden europaweit zu einem Jobboom geführt. So ist die Mitarbeiterzahl der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma zwischen 2009 und 2011 – in nur zwei Jahren also – um stolze 19 Prozent auf 427 Beschäftigte angestiegen.

Biermann sieht diese Entwicklung mit einem kritischen Auge: „Nicht zuletzt bauen die Regulatoren und Staatsbetriebe auch auf – leider, denn dieser Kostenblock ist langfristig nicht zu unterschätzen und der Mehrwert fraglich.“

Mit Kreativität ist auch im Frontoffice noch etwas möglich

Unter den Frontoffice-Positionen scheint zumindest in Sales noch einige Bewegung im Markt zu sein. „Wir bauen ganze Sales-Strukturen auf“, erzählt ein Headhunter aus Zürich, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dabei müssten die entsprechenden Kandidaten nicht immer von der Konkurrenz kommen, wie dies klassischerweise der Fall ist. Vielmehr seien die Kunden mehr und mehr offen für kreative Ansätze. „Wenn wir einen Sales suchen, dann kann der durchaus auch aus dem Investmentconsulting, Portfoliomanagement oder Fondsanalyse kommen“, erläutert der Experte. Entscheidend seien gutes technisches Verständnis und Fachkompetenzen; die Vertriebskompetenz lasse sich durchaus noch entwickeln.

Pause und Weiterbildung

Erzwungene Auszeiten können auch für Sabbaticals oder Fortbildungen genutzt werden. „Die Pause darf nur nicht zu lang sein“, warnt Biermann. „Andere gehen an Unis und absolvieren Weiterbildungen – vielleicht auch mit dem Ziel, die Finanzindustrie komplett zu verlassen. Es wäre schön, wenn die Banken – insbesondere im Private Banking – mehr dieser top-ausgebildeten Personen integrieren würden und die Personen begleiten, eine neue Identität und Kultur zu gewinnen“, ergänzt Biermann.

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