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Der Private Equity Club und wie man ihm beitreten kann

Private Equity ist die Königsklasse des kapitalistischen Systems. Mit hunderten von Millionen, oft sogar Milliarden von Dollars als Investitionskapital, spezialisieren sich Private Equity Firmen auf den Kauf von großen etablierten Firmen, bringen sie auf Vordermann und verkaufen diese dann wieder weiter.
Leute, die sich im Private Equity heimisch gefunden haben, können enorme Gehälter beziehen. Sie haben darüber hinaus noch eine hohe Jobsicherheit, von der viele Investment Banker nur Träumen können. Erwarten Sie jedoch nicht, einen Job in dieser Industrie so leicht zu finden.

Die wenigen Glücklichen

“Private Equity ist einer der beliebtesten Sektoren in den Finanzmärkten, wenn nicht der beliebteste,” sagt Tim Butler, Direktor des Career Development Programs an der Harvard Business School. Es ist außerdem einer der, wenn nicht der am stärksten umkämpfte Bereich überhaupt, wenn es darum geht, einen Job zu ergattern. Guy Townsend, Managing Director bei Walker Hamill, einem auf den europäischen Private Equity-Sektor spezialisierten Personalvermittler mit Sitz in London, bestätigt, dass die meisten Kandidaten nicht mal den Hauch einer Chance haben: “Man benötigt einen erstklassigen Abschluss einer Top Business School. Ist man bereits im Banking tätig, sollte man bei einem der renommiertesten Namen arbeiten und gleichzeitig zu den Besten seiner Klasse gehören.” Wie können Sie jedoch Ihre Erfolgschancen erhöhen, falls Sie bereits zu diesem kleinen privilegierten Kreis gehören sollten? Es hängt alles davon ab, wo Sie beheimatet sind. Im Großen und Ganzen gilt jedoch für alle das selbe: Glänzen Sie in allen Situationen.

Deutschland: Sprachen notwendig

Sprachen sind besonders in Deutschland wichtig, wenn Sie ins Private Equity wechseln möchten. “Man benötigt internationale Erfahrung,” sagt Jens Tonn, Chef des Deutschland-Teams von Candover. “Englisch ist ein Muss: Es gibt sehr wenige unabhängige deutsche Fonds, die ausschließlich von Deutschen geleitet werden.” Candover stellt einen zusätzlichen Investment Manager für das Team in Deutschland ein. Der Fonds hat sich verschiedene Lebensläufe von Investment Bankern, Angestellten konkurrierender Fonds und Junior Strategy Consultants angeschaut. Das richtige Profil zu finden braucht jedoch enorm viel Zeit. “Wir benötigen jemanden, der eine gute Investmentmöglichkeit erkennen, eine Beziehung zum Management-Team aufbauen, einen Plan erstellen, einen Verkaufsprozess ausarbeiten und die richtige Finanzierung erarbeiten kann,” erläutert er. “Und das ist nur der Anfang!”

Frankreich: Grandes Écoles und ein abwechslungsreicher Werdegang

Es ist nicht überraschend, dass die richtige Business School einen wichtigen Faktor bei der Eintrittsmöglichkeit in den Private Equity Club in Frankreich darstellt. Im Land der Grandes Écoles wird alles darunter wohl etwas “trop petit” sein. Lionel Assant, Direktor bei Blackstone Capital Partners, Graduierter der prestigeträchtigen École Polytechnique und ehemaliger Direktor bei Goldman Sachs Capital Partners, meint, dass dieser Bereich die besten Kandidaten anzieht: “Die Private Equity-Branche ist derzeit besonders attraktiv. Wir haben eine große Auswahl an Kandidaten mit sehr unterschiedlichen Werdegängen. Wir halten Ausschau nach Leuten mit einem ausgewogenen Profil mit erstklassigen akademischen und beruflichen Leistungen.” Während Blackstones französisch sprechende Mitarbeiter iihre Büros in London haben, haben andere US-Fonds, wie z.B. Carlyle, und europäische Fonds, wie z.B. Cinven, CVC Capital Partners und Permira, ihre Büros direkt vor Ort. Barbara Valaperti, Beraterin beim Pariser Headhunter Heidrick & Struggles, berichtet, dass die meisten Fonds bereits etablierte Teams in Frankreich haben – offene Stellen sind eher selten zu besetzen. Einige Fonds sind jedoch bereit, gelegentlich offen Stellen im Senior Level Bereich auch extern zu besetzen. In solchen Fällen ist ein abwechslungsreiches Profil sehr wünschenswert: Laut Valaperti ist eine Kombination aus ein wenig Banking, ein wenig Strategieberatung und ein klein wenig Branchenerfahrung sehr attraktiv.

Großbritannien und die USA: Junger Start

Die anglo-amerikanische Welt hat einen kleinen Vorteil, wenn es um eine Anstellung im Private Equity-Bereich geht: US-Fonds rekrutieren jährlich neue Nachwuchskräfte. Fonds in Großbritannien tun dies inzwischen ebenfalls häufiger.
Dabei gibt es zwei Einstiegspunkte:


  • Zwei bis drei Jahren nach dem ersten Job mit einem erstklassigen Abschlusszeugniss
  • Direkt nach dem Erhalt eines MBAs

Die erste Möglichkeit ist die beste, doch auch hier gibt es keine Garantie für einen Job fürs Leben: Die meisten Fonds stellen Nachwuchskräfte für etwa zwei Jahre ein, um sie dann zu einer Weiterbildung zum MBA zu schicken (jedoch ohne die Sicherheit, nach erfolgreichem Abschluss wieder eingestellt zu werden). Allerdings ist es genauso riskant mit dem Einstieg ins Private Equity zuwarten, bis man seinen MBA gemacht hat. Man geht hierbei das Risiko ein, von Konkurrenten, die bereits einige Jahren in diesem Bereich gearbeitet haben, übertrumpft zu werden und im Endeffekt leer auszugehen. Die Carlyle Group, ein riesiger US-Fonds mit einem Fondsvolumen von über 19 Mrd. US-Dollar (14.6 Mrd. Euro), stellt jährlich 15-20 Associates’ ein. Lori Sabet, Senior Vice President der Personalentwicklungsabteilung bei Carlyle, sagt, dass die meisten Private Equity-Manager aus dem Investment Banking und der Strategieberatung kommen. Als Banker hat man eine gute Ausgangsposition, wenn man vorher in einem der folgenden Bereiche gearbeitet hat:

  • Corporate Finance
  • Financial Sponsors
  • Leveraged Finance
  • M&A

In Großbritannien wechseln auch Wirtschaftsprüfer ins Private Equity, jedoch wird dies zunehmend seltener. Im Jahr 1997 kamen noch 33% der Nachwuchskräfte bei Walker Hamill aus dem Prüfungsbereich; 2003 waren es nur noch 12%. Für 2005 erwartet Guy Townsend einen weiteren Rückgang auf dann nur noch 5%.

Der MBA als Sprungbrett

Sofern Sie den Titel MBA als Sprungbrett zu einer Karriere im Private Equity benutzen wollen, gehen Sie sicher, dass Sie die richtige Business School besuchen. Blackstone Capital Partners, ein US-Fonds mit einem Fondsvolumen von über 14 Mrd. US-Dollar (10.8 Mrd. Euro), öffnet seine Türen lediglich Absolventen von drei Business Schools: Harvard, Wharton und Columbia. In Europa haben Sie eine relativ gute Ausgangsposition, wenn Sie die London Business School oder die INSEAD besucht haben. Letztes Jahr hat die Columbia-Universität 30 ihrer Absolventen in eine Karriere im Private Equity entlassen. Wenn man bedenkt, dass die meisten Fonds nicht mehr als 10 Leute im Jahr einstellen, ist dies eine beachtliche Leistung. Regina Resnick, Leiterin der Karriereberatung der Columbia-Universität, führt dies auf die langjährige Verbindung zu dieser Branche zurück. Es sei sehr hilfreich, etablierte Namen wie Henry Kravis, Mitbegründer von Kohlberg Kravis Roberts, in seinem Absolventen-Netzwerk zu haben und für die Moderation von Roundtable-Diskussionen mit Studenten bekannt zu sein. “Private Equity-Firmen stellen gerne Kandidaten ein, die sie bereits über einen längeren Zeitraum kennen,” sagt Frau Resnick. “Es ist ein sehr individueller und auf die einzelnen Personen ausgerichteter Prozess – diese Firmen stellen keine große Anzahl von Leuten ein und möchten daher jeden Einzelnen persönlich kennen lernen.” Die Botschaft ist klar: Falls Sie sich an der falschen Business School eingeschrieben haben, wird es wohl sehr schwer sein, die nötigen Kontakte in dieser Branche zu bekommen.

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